Kevin Barth trifft Oliver Kahn

DSF macht Träume war

Rudi Ullrich » Das war schon eine ganz besondere Dienstreise nach München für den Jungreporter Kevin Barth. Sein erstes Interview als Sportreporter stand an. Aber nicht mit irgendeiner unbekannten Sportgröße für eine lokale Tageszeitung. Nein, im Auftrag des Deutschen Sportfernsehens (DSF) sollte er sein Idol Oliver Kahn interviewen und dann auch noch am gleichen Abend live im Studio über seine Eindrücke berichten.

Die Idee zu diesem ungewöhnlichen Einsatz hatte Dominik Böhmer, verantwortlich für die Sendung „Bundesliga aktuell“ beim DSF. Er war, wie viele Zuschauer, begeistert von Kevins Auftritt bei der Bambi-Verleihung und wollte dem Vierzehnjährigen seinen größten Wunsch erfüllen, nämlich Oliver Kahn in München zu besuchen. Böhmer traf also mit mir und der Pressestelle von Bayern München alle notwendigen Vorabsprachen, holte das Okay zum Interview von Oliver Kahn ein und engagierte ein Fernsehteam. Mit Fragen für das Interview gerüstet, machten wir uns also am Mittwochvormittag auf zum Trainingsgelände des großen FC Bayern in der Säbener Straße. Nachdem die ersten Szenen viel schneller als gedacht im Kasten waren, machten wir einen Rundgang durch den Fan-Shop und die beeindruckende Trophäensammlung. Bevor wir das „Bayern-Restaurant“ aufsuchten, um uns mit Schnitzel und Weißwurst zu stärken, statteten wir den netten Damen der Pressestelle einen Besuch ab und ließen uns die Räumlichkeiten für das Interview zeigen. Kevin ließ sich zwar nichts anmerken, aber ein gewisses Kribbeln stellte sich doch langsam bei ihm ein. Aber bevor es zum lang ersehnten Treffen kam, lernte er trotz herrlichem Sonnenschein die Schattenseite des Reporterjobs kennen, nämlich warten, warten, warten. Doch da waren wir nicht die Einzigen. Verschiedene Fernsehteams, Vertreter von Hörfunk und Zeitungen sowie immer mehr Fans schauten gespannt auf jedes ankommende Fahrzeug. Langsam wurde man auf den blinden Jungen mit dem DSF Team aufmerksam. „Ist das nicht der Ottmar Hitzfeld beim Autogramme schreiben Junge mit dem Bambi“, fragte ein Fotograf der Bildzeitung. „Kann ich schnell noch einen kurzen O-Ton bekommen“, fragt der Reporter von Antenne Bayern, nachdem sich langsam herumzusprechen begann, was wir vorhatten. Kurzzeitig befürchtete Dominik Böhner, dass der Plan, die ganze Aktion mit Kevin und Oliver Kahn möglichst lange geheim zu halten, um die Exklusivität des Interviews nicht zu gefährden, scheitern könnte. Doch dann kam er endlich um die Ecke gebogen und stand leibhaftig vor uns. Die Fotografen schossen ein Bild von der Begrüßung und ab ging es zum Interview, bevor noch jemand auf die Idee kommen konnte, sich anzuschließen. Nachdem der Tontechniker zufrieden war und das Licht stand, legte Kevin los. Obwohl er so zitterte, dass er den Arm mit dem Mikrofon mit der anderen Hand stützen musste, ließ er sich bei seinen Fragen nichts anmerken. So, als hätte er in seinem ganzen Leben noch nichts anderes gemacht als Promis interviewt, gab er sich keine Blöße. Nach ca. zehn Minuten war alles vorbei und der Bayernkeeper klatschte spontan Applaus und meinte anerkennend, „das war ja Weltklasse“. Ja, in der Tat, auch die Profis vom DSF waren mit ihrem Neuzugang zufrieden. „Das könnte man ja so am Stück senden“, meinte Dominik Böhner, „mal sehen, wie viel Zeit wir haben“. Nach der Reporterpflicht war jetzt erst mal Kür angesagt. Oliver Kahn lud Kevin und mich in die Bayernkabine ein. Ein Privileg, das „normalen Reportern“ nie zuteil wird, wie uns die übrigen „Medienfachleute“ durchaus neidvoll wissen ließen. Drinnen machten sich einige Bayernprofis für das Training fertig oder telefonierten. Kevin bekam von Oliver Kahn handsignierte Torwarthandschuhe und es entspann sich eine Fachsimpelei unter Fußballexperten. Doch dann rief für den Torwart-Titan die Pflicht, und auch wir waren ja nicht zum Vergnügen hier. Kevin hatte sich vorgenommen, noch möglichst viel von der Trainingsarbeit mitzubekommen, und dann musste ja auch noch im Studio der Beitrag für abends geschnitten werden. Um 18.45 Uhr ging es dann für Kevin und mich über eine Stunde live auf Sendung. Auch hier schlug sich der Nachwuchsreporter des DSF so gut, dass er von Moderator Klaus Gronewald zunehmend mehr in die Sendung eingebaut wurde. Auch hinter der Kamera machte sich Zufriedenheit breit. Ein Riesenkompliment und ein herzliches Dankeschön muss man aber vor allem Dominik Böhner sagen. Nicht nur, dass er die Idee hatte. Er hat den Mut gehabt, ein Fernsehteam zur Verfügung zu stellen, hat sich selbst den ganzen Tag Zeit für uns genommen und hat Kevin das Vertrauen geschenkt, was sicherlich nicht selbstverständlich ist. Vor allem war er aber auch ein ebenso kompetenter wie sympathischer Kollege.

Ach übrigens, die Sache hatte sich natürlich doch herumgesprochen und Jochen Schmidt erwartete uns schon bei unserer Ankunft am Marburger Bahnhof, um einige Bilder für „brisant“ und die „Hessenschau“ zu drehen.
Wer sich für den Bericht interessiert, findet ihn im Archiv der Hessenschau, [extern]Sendung vom 15.02.2007.

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