Frühförderung in Taiwan
- Startseite |
- Neuigkeiten |
- blista-news |
- Archiv |
- April 2007 |
- Frühförderung in Taiwan
Frühförderung in Taiwan - eine Kollegin macht sich auf den Weg!
Claudia Rohde * » Mit dem Bescheid, für das Projekt „Aufbau einer Frühförderstelle in Taiwan“ ausgewählt worden zu sein, kam für mich nicht nur ein Stein, sondern nahezu ein Felsbrocken ins Rollen. Eine Vertretung in der Frühförderung der RES musste gefunden und eingearbeitet werden, meine Wohnung aufgelöst, die Möbel bei Freunden untergestellt, alle Belange hier in Deutschland geregelt und wichtigste Dinge eingepackt werden.
Seit Januar 2007 bin ich von der blista nun für die nächsten 5 Jahre beurlaubt. Die Zeit, die mir bis zum Abflug Anfang März noch blieb, verbrachte ich bei der „Arbeitsgemeinschaft für Entwicklungshilfe“ in Köln, um mich gezielt auf meinen Auslandsaufenthalt vorzubereiten.
Dabei erfuhr ich zum Beispiel, dass Taiwan, wirtschaftlich betrachtet, schon seit einigen Jahren nicht mehr als Entwicklungsland gilt, sondern über eine hoch spezialisierte Industrie unter einer demokratischen gewählten Regierung verfügt.
Allerdings blieben eine Reihe sozialer Fragen beim rasanten Aufschwung auf der Strecke. Den im Sozialbereich Tätigen fehlt oft eine fundierte Ausbildung. Sie erhalten wenig gesellschaftliche Anerkennung und werden schlecht bezahlt. In der Arbeit mit Menschen mit Behinderungen und in der Ausbildung von Pädagogen und Therapeuten besteht vor allem in den ländlichen Gegenden Nachholbedarf. Die öffentlichen Mittel sind sehr begrenzt. Viele der Heime für behinderte Menschen werden von karitativen Institutionen geführt; fachliches Wissen wird meist durch Grund- und Weiterbildungskurse vor Ort und „learning by doing“ weitervermittelt.
Die Ostküste Taiwans, landschaftlich wunderschön, aber mit Gebirge wirtschaftlich kaum nutzbar, ist Heimat verschiedener Völker von Ureinwohnern.
Das von einem Schwesternorden gegründete Behindertenzentrum „Rettender Stern“, eine heilpädagogische Tagesstätte mit angegliedertem Heim für behinderte Kinder in Kanglo, nimmt im Kreis Taitung eine wichtige Funktion in der Betreuung von behinderten Ureinwohnerkindern aus sozial schwierigen Verhältnissen wahr.
Dort werden zur Zeit 57 Kinder zwischen 2 und 18 Jahren mit unterschiedlich schweren Behinderungen versorgt. Zukünftig wird die Betreuung von insgesamt 80 Kindern angestrebt. Neben einem Frühförderangebot soll auch eine geschützte Werkstatt für Jugendliche entstehen, in der eigene Produkte hergestellt und auch verkauft werden.
Zu meinen Aufgaben wird es gehören, neben der Frühförderarbeit im Heim, zu Familien mit Kleinkindern Kontakt aufzubauen und Möglichkeiten einer frühen Förderung aufzuzeigen. An das Zentrum angegliedert, wird auch ein Kindergarten neu entstehen. Hier soll auch der Aus- und Fortbildung des Personals ein hoher Stellenwert zukommen. Nicht zuletzt möchte ich gleichermaßen betroffene Familien zusammenbringen, damit sie Sorgen und Belastungen miteinander teilen und voneinander lernen können.
Mein Projekt und das Projekt: Aufbau einer geschützten Werkstatt, welches eine Ergotherapeutin aus Hannover durchführen soll, wird finanziell von einer Schweizer Institution, der „Bethlehem Mission Immensee“, gefördert.
Die Projektdauer ist auf 5 Jahre angesetzt, da meine Arbeit vor Ort in der offiziellen Landessprache Mandarin-Chinesisch erfolgen soll. Dazu werde ich das erste Jahr in der Hautstadt Taipeh an der dortigen Universität Sprachkurse belegen. Ich hatte bereits Gelegenheit, ein wenig hineinzuschnuppern, und ich kann versichern: das wird keineswegs ein leichtes Unterfangen! Nun, wir werden sehen!
Wer weitere Informationen zu diesem Projekt möchte, kann sich gern unter rohde@blista.de an mich wenden.
Mit den besten Wünschen verabschiede ich mich, bis in 5 Jahren! Tschüß oder Zai Jian, wie es auf Chinesisch heißt!
* Mitarbeiterin der RES
blista