- Startseite |
- Neuigkeiten |
- blista-news |
- Archiv |
- April 2007
„Von der Gaskammer in den Brennofen“
Schüler reisen zurück in den zweiten Weltkrieg
Kevin Barth * » Die Jahrgangsstufe 7 der blista besuchte die „Gedenkstätte Hadamar“. Das ist eine ehemalige „Behinderten-Vernichtungsanstalt“. Dort wurden im zweiten Weltkrieg Menschen mit einer Behinderung auf zwei verschiedene Weisen getötet. In den Jahren 1941-1942 wurden sie direkt nach ihrer Einlieferung in die Gaskammer gebracht und vergiftet.
Bevor sie in die Gaskammer gingen, mussten sie noch zu einem Arzt, der sie untersuchte, irgendeine tödliche Krankheit von einem Zettel aussuchte und die Familien verständigen ließ, um ihnen mitzuteilen, dass zum Beispiel ihr Sohn an einem Hirntumor gestorben sei.
Die Gaskammer war ein Raum, der als Dusche getarnt war. Wenn dann die behinderten Menschen in diesem Raum waren, wurde Gas eingeleitet und alle starben qualvoll. Bevor man die Leichen dann in einem Ofen verbrannte, wurden ihnen auf einem Seziertisch die Gehirne entnommen, um an Forschungsinstitute geschickt zu werden.
Hadamar war als Psychatrie getarnt. Man erzählte den behinderten Menschen, dass sie nur in eine andere Psychatrie verlegt würden. Man transportierte sie dann in Bussen nach Hadamar, deren Fenster mit grauer Farbe so bemalt waren, dass man nicht ins Fahrzeug hineinsehen konnte. Es kam auch vor, dass die Fenster mit Vorhängen verhängt waren.
Nach 1942 bis zum Kriegsende wurde eine andere Tötungsmethode angewandt. Dabei wurden die Menschen mit einer Spritze vergiftet. Das passierte aber nur dann, wenn die Menschen nicht mehr arbeitsfähig waren. Nach ihrem Tod wurden sie auf dem zum Lager gehörenden Friedhof begraben.
Es wurden aber auch Menschen hier getötet, die gar nicht behindert waren. Ihnen wurde dann einfach eine unheilbare Krankheit bescheinigt, wenn sie sich nicht dem so genannten „normalen Leben“ anpassten.
Leute, die in einem Massenvernichtungslager arbeiteten, konnten den Job auch ablehnen. Es wurde ihnen dann jedoch gesagt, dass sie nichts über die Arbeit in einem Vernichtungslager an die Öffentlichkeit bringen dürften. Wenn sie es doch taten, dann ging es ihnen schlecht.
Vor dem Jahre 1941 wurden in Hadamar behinderte Menschen auch sterilisiert, damit sie, wie es heißt, „ihre Krankheit oder ihre Behinderung nicht auf den Nachwuchs vererben konnten“.
Die Jahrgangsstufe 7 hat bei ihrem Besuch in Hadamar die Gaskammer, die Garage, den Seziertisch, den Platz, an dem der Brennofen stand, und den Friedhof besichtigt. In der Gaskammer sah man noch die Löcher in der Wand, in denen die Gasleitung befestigt war. Der Seziertisch stand noch am gleichen Ort wie während des zweiten Weltkrieges. Kein Wunder, dass es manchen Schülern bei der Vorstellung, dass hier Gehirne entnommen wurden, schlecht wurde.
Der Besuch in Hadamar machte auf die Schüler der 7. Klasse großen Eindruck, denn sie hatten vorher noch nie gesehen, was unter Hitler behinderten Menschen angetan wurde. Übrigens gehört die Gedenkstätte heute zu einem „echten“ psychiatrischen Krankenhaus.
*Schüler Jgst. 7
blista