Arbeiten auf der anderen Seite der Welt

Praktikum in Hong Kong

Aussichtsplattform „Piek“ in Hong Kong

Jessica Hammers * » Im Rahmen meiner vollschulischen Ausbildung zur Fremdsprachenkorrespondentin absolvierte ich mein vierwöchiges Praktikum im multi-nationalen Konzern Degussa in Hong Kong.

Ein Praktikum in Hong Kong ist sicherlich nicht unbedingt alltäglich und für jemanden wie mich, der noch nie vorher im Ausland gearbeitet hat, eine wahnsinnige Herausforderung. Diese Herausforderung ist bei anderen Praktika innerhalb Europas sicherlich auch sehr hoch, doch sind die kulturellen Unterschiede zwischen beispielsweise Franzosen und Deutschen nicht ganz so gravierend wie zwischen Chinesen und Europäern. Natürlich war ich mir dessen auch bewusst, doch ist es ein großer Unterschied, ob man sich vorher in Gedanken immer wieder sagt, alles sei dort anders, oder ob man es dann vor Ort wirklich erlebt.

Wenn ich jetzt an meine ersten zwei, drei Tage in Hong Kong zurückdenke, muss ich zugeben, dass ich anfangs sehr enttäuscht war. Dass es viele Wolkenkratzer gab, wusste ich ja, aber dass es so viele waren, dass man an manchen Stellen nicht einmal mehr den Himmel sah, hätte ich nicht gedacht.

Es wirkte alles sehr erdrückend: über 7 Millionen Menschen auf sehr kleinem Raum, ein Wald von Wolkenkratzern, der einfach nicht enden wollte, kein einziger grüner Fleck, ein undefinierbar beißender Geruch und eine Luft, die einem die ersten Tage das Atmen nicht sehr leicht machte. Dazu kam noch, dass ich die Chinesen anfangs, bis auf „Yes“ oder „No“, überhaupt nicht verstand.

Doch nach ca. einer Woche hatte ich mich an den „anderen Lebensraum“ recht gut gewöhnt. Dies war aber vor allem das Verdienst meiner Gastfamilie, die unwahrscheinlich nett, aufgeschlossen und hilfsbereit war. Dass wir uns so gut verstanden, lag sicherlich auch ein bisschen daran, dass sie selber aus Deutschland stammt.

Mein Praktikum an sich hat mir sehr viel Spaß gemacht, wobei ich auch hier anfangs so ziemlich jede Hürde mitgenommen habe, die man einem Praktikanten nicht wünscht. Sehr viele technische Probleme mit JAWS, Sprachprobleme, Verständnisprobleme etc.. Doch mein größtes Problem war, wenigstens teilweise, die Organisation des Degussa Konzerns sowie die Organisation innerhalb des Büros, in dem ich arbeitete, zu durchschauen. Auch hier brauchte ich ca. eine Woche bis ich mich eingelebt hatte.

Meine Kolleginnen und Kollegen waren allerdings sehr geduldig und für chinesische Verhältnisse ausgesprochen aufgeschlossen und hilfsbereit. Es gab eigentlich kaum Aufgaben, die ich nicht erledigen durfte, und das, obwohl ich ja „nur“ eine Praktikantin war und dazu noch ein Handycap hatte. Doch damit sind alle, obwohl sie mir versicherten, noch nie Erfahrungen mit Behinderten gemacht zu haben, sehr gut umgegangen. Mir kam es eigentlich die ganze Zeit so vor, als ob meine Behinderung für sie etwas ganz Normales sei.

Wenn ich nun auf die vier Wochen zurückblicke, bin ich trotz anfänglichen „Stolperns“ sehr glücklich und stolz, dieses Praktikum gemacht zu haben. Ich habe unwahrscheinlich viel innerhalb meines zukünftigen Berufsfeldes sowie neue Aspekte einer anderen Kultur kennen gelernt. Ich habe sehr vieles erleben können und kann wirklich behaupten, dass mein Praktikum bis zum letzten Tag nie langweilig war.

Auch wenn es anfängliche Probleme gab, kann ich nur jeden ermutigen, der so ein außergewöhnliches Praktikumsziel anstrebt. Das Lernen beginnt schon mit der Organisation des Praktikums, zum Beispiel ein Visum zu beantragen, und endet wirklich erst, wenn man im Flieger nach Hause sitzt.

Es lohnt sich!

*Auszubildende FSK

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