„Sag zum Abschied leise Servus“

Wechsel an der Spitze der Deutschen Blindenstudienanstalt

Rudi Ullrich » Fast 800 Gäste waren der Einladung in die eigens angemietete Marburger Stadthalle gefolgt und bildeten damit einen würdigen Rahmen für die Verabschiedung des langjährigen Direktors der Deutschen Blindenstudienanstalt Jürgen Hertlein und des Schulleiters der Carl-Strehl-Schule Dr. Matthias Weström.

„Es ist schon etwas Besonderes, wenn eine Institution wie die blista gleichzeitig zwei Persönlichkeiten in den Ruhestand verabschiedet, die über einen so langen Zeitraum Bildung und Rehabilitation für blinde und sehbehinderte Menschen in Deutschland mitgeprägt haben“, hatte schon Paul Marx, der Vorsitzende des Verwaltungsrats der blista, bei seiner Begrüßung den Stellenwert des Ereignisses deutlich gemacht.

Man wolle mit dieser kleinen Feier aber nicht nur Danke sagen für all das, was Hertlein und Weström in den vergangen Jahrzehnten geleistet hätten, sondern man wolle auch Claus Duncker als Nachfolger im Amt des Vorsitzenden und Jochen Lembke als neuen Schulleiter der breiten Öffentlichkeit vorstellen und damit den Blick nach vorne richten, machte Marx den Charakter der Veranstaltung deutlich.

Dabei sollten aber weder Grabreden gehalten werden, noch handele es sich um eine Krönungsmesse, gaben im Anschluss die beiden Moderatoren, Ricarda Ramüncke, Schülerin der Klasse 10, und Thorsten Büchner, Student und ehemaliger Schüler, den zahlreichen Rednern mit auf den Weg.

Marburgs Oberbürgermeister Egon Vaupel griff diese Aufforderung gerne auf und erzählte, nachdem er den besonderen Stellenwert der blista für die Universitätsstadt ausführlich gewürdigt hatte, einige Anekdoten, die er insbesondere mit seinem Parteifreund Jürgen Hertlein erlebte. Er nannte Hertlein dabei „im besten Sinne als bekannt wie ein bunter Hund“.

Der Geschäftsführer des Deutschen Blinden- und Sehbehindertenverbandes (DBSV), Andreas Bethke, und der Vorsitzende des Deutschen Vereins der Blinden und Sehbehinderten in Studium und Beruf (DVBS), Uwe Boysen, gingen zusammen ans Rednerpult und unterstrichen die besonders enge Beziehung der Selbsthilfe zur blista und deren große Bedeutung für die Bildungslandschaft in Deutschland. Bethke fügte noch einige persönliche Erfahrungen hinzu und meinte, „Ich habe die beiden als Schüler kommen sehen und bin jetzt auch dabei, wenn sie wieder gehen“.

Auch Eberhard Fuchs, Vorsitzender des Verbandes der Blinden- und Sehbehindertenpädagogen und -pädagoginnen e.V. (VBS), fand für beide sehr persönliche Worte und unterstrich ihre Verdienste für die sonderpädagogische Entwicklung in Deutschland. „Beide haben sich zwar aufgrund ihrer ganz unterschiedlichen Persönlichkeit auf ganz verschiedene Weise in die Arbeit des Verbandes eingebracht, aber beide haben gemeinsam, dass sie sich aufgrund ihres Engagements große Verdienste erworben haben“.

Pit Metz, der als Betriebsratsvorsitzender stellvertretend für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter das Wort ergriff, war ausgesprochen versöhnlich gestimmt und meinte, dass man sich doch trotz aller naturgemäßen Unterschiede zwischen Geschäftsleitung und Mitarbeitervertretung eigentlich schätze und möge.

Ein besonders gern gesehener Redner war Stephan Peters, der als Vertreter der Dr. Georg Blindenstiftung nicht nur mehrere Schecks für verschiedene Projekte mitbrachte, sondern auch versicherte, dass die Stiftung, die seit ihrer Gründung bereits 666.666,66 Euro für die blista zur Verfügung gestellt hat, ihre Unterstützung auch unter der neuen Führung unvermindert fortsetzen wird.

Zum Abschluss der ausgesprochen kurzweiligen Veranstaltung rief der scheidende Schulleiter Dr. Matthias Weström die heutigen Schülerinnen und Schüler dazu auf, sich in der Selbsthilfe zu engagieren und sich für Chancengleichheit einzusetzen. Jürgen Hertlein wünschte sich vor allem, dass die blista mit Elan die Herausforderungen der Zukunft angehen möge und bedankte sich bei allen für die vertrauensvolle Zusammenarbeit über fast dreißig Jahre.

Viele der Schülerinnen und Schüler, aktiven und ehemaligen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, aber auch die Prominenz aus Politik und dem deutschen Blinden- und Sehbehindertenwesen dürften ihr Kommen nicht bereut haben. Das konnte man zumindest aus den Kommentaren beim anschließenden Sektempfang schließen, und so ernteten die Organisatoren und besonders die beiden Moderatoren viel Lob für die unterhaltsame und kurzweilige Veranstaltung, die unter dem Motto stand: „Da man ja nicht für die Schule, sondern für das Leben lernt, haben Sie jetzt endlich nach fast 60 Jahren in der Schule genug gelernt, so dass wir Sie guten Gewissens ins Leben entlassen können“. Doch bei allem frechen Witz waren der Respekt und die Zuneigung in jeder Geste und Rede spürbar. Und auch die Emotionen kamen nicht zu kurz. Sichtlich gerührt waren viele Besucher, als Ricarda Ramüncke und Thorsten Büchner „Gute Nacht Freunde, es ist Zeit für Euch zu gehen“, anstimmten, das Lied, das Karin Winkelsträter eigens für diesen Anlass umgetextet hatte und der ein besonderer Dank für das gelungene Programm vom neuen Direktor der blista, Claus Duncker, ausgesprochen wurde.

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