Sabriye Tenberken ist für viele ein Vorbild

Ehemalige Schülerin der blista berichtet über ihre Projekte

Rudi Ullrich » Wer in den letzten Wochen durch die verschiedenen Talkshows im deutschen Fernsehen zappte, konnte immer wieder erleben, mit wie viel Begeisterung Sabriye Tenberken von ihrer Arbeit in Tibet und Indien berichtet. Dass sie dabei ganz natürlich geblieben ist, obwohl sie sicherlich zu den bekanntesten blinden Frauen in Europa gehört, davon konnten sich nicht nur die Fernsehzuschauer, sondern auch ca. 40 Schülerinnen und Schüler der blista, die sich zu einem Vortrag im Konferenzraum eingefunden hatten, überzeugen.
Tatsächlich ist Tenberken eine prominente Persönlichkeit. Ihr Engagement beim Aufbau der ersten Blindenschule in Tibet brachte ihr schon zahlreiche Ehrungen ein. Sie ist Ritterin des niederländischen Oranje-Ordens, Trägerin des Bundesverdienstkreuzes, erhielt einen BAMBI und ist laut New York Times „Woman of the Year“.

Schülerinnen und Schüler im Konferenzraum Bei ihrem Gespräch mit Schülern legte sie trotzdem großen Wert auf eine entspannte Atmosphäre: „Bitte duzt uns. Sonst fühlen wir uns entsetzlich alt“, erklärte sie zu Beginn ihres Vortrags. Sie war in Begleitung ihres Lebensgefährten Paul Kronenberg gekommen, der als Projektleiter in ihrer Organisation „Braille ohne Grenzen“ arbeitet.
Bereits während ihrer Schulzeit sei die Idee entstanden, später einmal Entwicklungshilfe zu leisten, erzählt sie. Nach ihrem Abitur an der Carl-Strehl-Schule 1992 wollte sie ihr Motto: „Wir Blinden müssen keine ausgetretenen Pfade gehen“, in die Tat umsetzen und sprach verschiedene Entwicklungshilfe-Organisationen an. Doch sie traf auf wenig Verständnis und hörte immer wieder solche Aussagen, wie: „Eine blinde Frau als Entwicklungshelferin? Das wird keine Versicherung übernehmen!“ Doch sie ließ sich nicht entmutigen und beschloss, ihre eigene Organisation zu gründen.
Für Tibet entschied sie sich vor allem deshalb, weil sie es sich „besonders abenteuerlich“ vorstellte. Sie studierte Zentralasienwissenschaften und entwickelte eine Blindenschrift für das Tibetische.
Doch inzwischen haben Tenberken und Kronenberg ein neues Projekt in Angriff genommen. In Südindien gründen sie ein Management-College für „talentierte, motivierte, engagierte blinde Studenten“. Diese studieren dort ein Jahr lang Management, Projektplanung, Fundraising und Öffentlichkeitsarbeit, um dann selbst gemeinnützige Projekte auf die Beine stellen zu können.

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