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- April 2007
Jochen Till erstmals in der „Anstalt“
Der Jugendbuchautor zu Besuch an der CSS
Autorenkollektiv der Klasse 9b » Es ist Freitag. Die Schüler der Jahrgangsstufe 9 und 10 haben sich in der Bibliothek der Carl-Strehl-Schule versammelt, um sich die Lesung des bekannten Autors Jochen Till anzuhören. Es ist noch sehr unruhig, da weitere Schüler und Lehrer den Raum betreten, doch als Ellen Schweigert, die Leiterin der Schülerbibliothek, etwas zum geplanten Verlauf erzählt, hören alle gespannt zu.
Herr Till hat auch noch jemanden mitgebracht. „Da ich nicht so gut lesen kann, ist er heute hier“, meinte er. Er heißt Linus König und ist ein Vorleser, der jedoch auch ein eigenes Theater besitzt und Theaterwissenschaft studiert hat. Im Gegensatz zu Herrn Till, der die 8. Klasse 3 Mal machen musste und noch eine Ehrenrunde in der 11. drehte, war Herr König ein richtiges Vorbild. Jochen Till erzählt uns, wie er zum Schreiben gekommen ist. Das ist eine lustige Geschichte: „Ich hatte damals 'ne Freundin, die sich gewünscht hat, dass mal ein Buch für sie geschrieben wird. Dann hab ich mir gedacht: na gut, kann ja nich' schaden. Nur hat sie dann Schluss gemacht, als das Buch fertig war.“
Dieses Buch hieß „Der junge Sonnenschein“. Klar, wurde er erst einmal von den Verlagen abgelehnt und das nicht nur ein- oder zweimal. Doch er fand jemanden, der das Buch herausbringen wollte, wenn zunächst auch nur in kleiner Auflage. Linus liest daraus vor. Die amüsante Schreibweise lässt die Schüler immer wieder lachen.
Es handelt von David Sonnenschein und dem Tag seiner Abiturprüfung. In der vorgelesenen Szene ist er mit dem Dackel seiner Oma beim Tierarzt. Ihm gegenüber sitzt eine ältere Frau mit einem Pudel. David erzählt der Frau von einem Schäferhund, der herumläuft und nur Dackel vergewaltigt. An der Schäferhundgeschichte ist natürlich kein Fünkchen Wahrheit dran. Doch die Dame nimmt ihm das ab und ist entsetzt.
Ein weiter Ausschnitt wurde aus dem mittlerweile vergriffenen Buch „König für einen Sommer“ vorgelesen. Es handelt von den Erlebnissen zweier Jugendlicher, die in ihren Ferien nach Spanien gehen. Auch dies bringt alle zum Lachen, da die Jungs versuchen, auf dem nebenan liegenden Balkon zwei Mädchen zu beeindrucken. Um ihre Aufmerksamkeit zu gewinnen, lassen sie nichts aus. Zum Schluss bekommt einer der beiden einen Hustenanfall. Damit haben sie's endlich geschafft.
Die Schüler dürfen u.a. noch aus folgenden Werken von Jochen Till hören:
- „Verdammter Dienstag“
- „Ohrensausen“
- „Bauchlandung“
- „Zu(g)einander“
- „Der letzte Romantiker“
- „Ausgeflogen“
Da er bei vielen Ausschnitten von einzelnen Büchern Probleme mit seinem Verlag bekam, weil sie zum Beispiel von Alkohol und Sex handeln, musste er sie herausnehmen. „Das hab' ich aber ganz einfach gelöst,“ meinte er, „ich hab' die dann auf meine Homepage unter
www.jochentill.de gestellt.“
Nach jeder Leseprobe erzählte uns Jochen Till von Ereignissen, die ihn zu den Geschichten führten. Auch die Fragen der Schüler werden ausführlich von ihm und Linus König beantwortet. Zum Beispiel wird gefragt, ob es einen bestimmten Trick gibt, wie man so gut vorlesen kann. „Einfach immer wieder lesen“, beantwortet Linus König die Frage mit einem Grinsen. Auch zu den verschiedenen Dialekten, in denen er vorgelesen hat, wird gefragt, wie er das so gut könne. Der Frankfurter Dialekt sei nicht so schwer, da er selbst ein Frankfurter ist. Die anderen beiden Dialekte hat er sich antrainiert. Jeder vorgelesene Ausschnitt wird mit großem Applaus begleitet, von dem Autor und Leser sehr begeistert sind. Herr Till erlaubt sich noch einen kleinen Scherz zu guter Letzt. Für sein nächstes Werk dachte er sich einen Satz aus, mit dem das Buch unbedingt beginnen sollte. Alle warten gespannt, während Linus König sich vorbereitet, um ihn vorzustellen. Er nimmt noch einen Schluck Wasser zu sich, ermahnt alle, nochmals leise zu sein, da dies das erste Mal sei, wo dieser Satz ohne Vorlage vorgestellt wird. Das Publikum ist mit einem Mal leise und alle warten gespannt. Und dann kommt der Satz: „Mein Bruder fickt gerne herum.“ Die Spannung entlädt sich in schallendem Gelächter. Selbst die Lehrer schafften es nicht mehr, ernst zu bleiben.
Nach eineinhalb Stunden bedankt sich Ellen Schweigert, auch im Namen der Schüler. Aus vielen Ecken hört man: „Jetzt fang' ich an zu lesen“. Vielleicht kauft sich ja der eine oder andere ein Buch von Jochen Till.
blista