Besichtigung eines Wasserwerkes
Abiturienten besuchen die „Bonn“deshauptstadt
Nico Niebling * » Eigentlich fand die Kursfahrt der Jahrgangsstufe 13
nach Bonn unter politischen und historischen Gesichtspunkten statt, da ein
Besuch im „Haus der Geschichte“, im Verteidigungsministerium und
in einem ehemaligen Bundestagsgebäude auf dem Programm stand.
Als uns dann jedoch auf der Hinfahrt im Bus das Programm detailliert
vorgestellt wurde, sah man hie und da verdutzte Gesichter und eine
Mitschülerin fragte nur trocken: „Was machen wir denn in einem
Wasserwerk?“
Dies war eine berechtigte Frage, denn niemand von uns konnte sich
vorstellen, warum wir ausgerechnet nach Bonn fahren würden, um ein Wasserwerk
zu besichtigen. Ein Vortrag über etwaige sanitäre Anlagen oder Wasserhygiene
blieb uns jedoch erspart, da es sich hierbei um das ehemalige Bonner
Wasserwerk handelt, das schon lange nicht mehr in Betrieb ist. Vielmehr
durften wir lernen, dass es sich dabei um einen politisch bedeutsamen Ort
handelt, da in diesem ehemaligen Wasserwerk der Bundestag von 1982 bis 1986
tagte.
Grund hierfür war ein marodes, baufälliges Bundestagsgebäude, das wegen
Einsturzgefahr nicht mehr betreten werden durfte. So diente dieses ehemalige
Wasserwerk vier Jahre lang als Sitz des Bundestages, bis der Bundestag
endlich wieder in ein neues Gebäude, gar nicht weit vom alten Bundestag,
umziehen konnte. Dort tagte er dann bis 1999, also bis zum endgültigen
Umzug nach Berlin.
Heute dient der ehemalige Plenarsaal dieses alten Kraftwerkes lediglich noch
als Konferenz- oder Veranstaltungsraum, der für einen stattlichen Preis
gemietet werden kann. Durch das alte Wasserwerk wurden wir von einer sehr
netten Dame geführt, die uns auch nicht die riesige Kneipe direkt unter dem
Plenarsaal vorenthielt. Mit einem Lächeln meinte sie: „Hier wurde
die eigentliche Politik betrieben“.
Nach diesen sehr interessanten Eindrücken stand nachmittags der Besuch im
„Haus der Geschichte“, das die deutsche Geschichte von 1945 -
2005 behandelt, an. Um eine systematische und geordnete Vorgehensweise zu
gewährleisten, teilten wir uns unter den Lehrkräften auf, um das Museum in
kleinen Gruppen zu erkunden.
Das Museum besticht durch zahlreiche interaktive Angebote und kombiniert
Alltagsleben mit großer Politik. So ist einerseits ein Betonmischer, der in
der Nachkriegszeit von enorm zentraler Bedeutung war, ausgestellt und
andererseits werden auf internationaler Ebene die komplexen Vorgänge des
Ost-West Konfliktes thematisiert.
Abends ließen wir den ereignisreichen Tag ausklingen, indem wir uns in dem
Bistro unserer Jugendherberge erholten.
Als letzter Punkt unseres Programms stand am nächsten Morgen noch der
Besuch im Verteidigungsministerium auf der Tagesordnung. Hier trafen wir uns
mit einem Jugendoffizier der Bundeswehr, einem Hauptmann, der im letzten
Schuljahr unsere Schule besuchte und damals einen Vortrag über
Auslandseinsätze der Bundeswehr hielt. Wir bekamen den offiziellen
Informationsfilm des Verteidigungsministeriums über die Bundeswehr zu sehen,
der es vermochte, die Bundeswehr in ein stark positives Licht zu rücken.
Nachdem uns der Offizier die Möglichkeit gab, Fragen zur Bundeswehr und
deren Aktivitäten zu stellen, aßen wir noch auf Kosten des
Verteidigungsministeriums in der Kantine des Geländes, um dann die Heimfahrt
anzutreten.
Als wir knapp drei Stunden später aus dem Reisebus stiegen und wieder in Marburg standen, setzte sich wohl bei den meisten Schülern von uns der Gedanke fest, dass dies eine sehr interessante, informative und abwechslungsreiche, jedoch auch manchmal anstrengende Fahrt gewesen war.
* Schüler Jgst. 13
blista