Die „Blindentechnische Grundrehabilitation“ der blista im Fokus der Absolventen
Ergebnisse einer Umfrage
Annette Stelker * und Jürgen Nagel ** » Das Angebot der „Blindentechnischen Grundrehabilitation“ (BtG) der blista wendet sich an Menschen, die eine deutliche Verschlechterung des Sehvermögens erlitten haben. Im Verlauf der meist einjährigen Rehabilitation geht es darum, sich in vielen Lebens- und Arbeitsbereichen umzustellen. Schulungsbereiche sind Punktschrift, Textverarbeitung, EDV, „Orientierung & Mobilität“ und „Lebenspraktische Fähigkeiten“ sowie Bewegungsförderung, Kreativangebote und Sport. Eine psychologische Begleitung ist dabei für jeden Teilnehmer ebenfalls gewährleistet.
Die Rehabilitanden wohnen in der Regel in einer eigenen Wohngruppe.
Diese gehört zur Rehabilitationseinrichtung und bietet 12 Einzelzimmer.
Die Betreuung liegt in der Verantwortung eines erfahrenen Pädagogenteams.
Im Jahr 2007 konnte das 25jährige Bestehen der Wohngruppe gemeinsam mit
vielen ehemaligen Teilnehmern gefeiert werden. Auf dem Hintergrund
dieses Jubiläums und unseren grundsätzlichen Überlegungen zur
Qualitätsentwicklung und Qualitätssicherung lag es nahe, von den
ehemaligen Teilnehmern eine aussagekräftige Rückmeldung darüber zu
erhalten, wie sie die Rehabilitationsangebote individuell wahrgenommen
haben und nach Abschluss in Schule, Ausbildung, Beruf oder auch zu Hause
nutzen konnten.
Um diese Befragung durchzuführen, wurde ein Fragebogen mit folgenden
Schwerpunkten erarbeitet:
- Sind die gesetzten Ziele erreicht worden?
- Welche Angebote waren dabei besonders hilfreich?
- Welche speziellen Fähigkeiten, Techniken oder Fertigkeiten konnten nach Beendigung der „Blindentechnischen Grundrehabilitation“ in Alltag, Schule, Studium oder Beruf besonders gut eingesetzt werden und waren nützlich?
Die Befragung berücksichtigte außerdem im Detail die Lebenssituation der
Teilnehmer vor und nach der „Blindentechnischen
Grundrehabilitation“, alle Schulungsbereiche, die psychologische
Begleitung und natürlich auch das Leben in der Wohngruppe sowie Fragen
zur Leitung der Rehabilitationsmaßnahme.
Die Umfrage wurde in Form von Telefoninterviews durchgeführt. Dabei
wurden die Absolventen der vergangenen 15 Jahre berücksichtigt.
Insgesamt ist es gelungen, 82 Telefoninterviews (davon 41,5 % Frauen
und 58,5 % Männer) zu führen. Gemessen an dem zurückliegenden Zeitraum
haben wir mit 55 % aus unserer Sicht eine außerordentliche gute
Rücklaufquote für diese Befragung erzielt.
Ein Viertel der Teilnehmer hatte neben der Sehschädigung eine
zusätzliche Beeinträchtigung (z. B. körperliche Behinderungen,
Stoffwechselerkrankungen, Hirnverletzungen, psychische Behinderungen).
61 % der Rehabilitanden waren zu Beginn der „Blindentechnischen
Grundrehabilitation“ blind, 34 % waren hochgradig sehbehindert
und 5 % sehbehindert.
Der überwiegende Teil (43 %) waren zu Beginn der Maßnahme Schüler.
Sich für eine „Blindentechnische Grundrehabilitation“ zu
entscheiden, hatte an erster Stelle mit dem Verlust der Lese- und
Schreibfähigkeit zu tun. Die räumliche Nähe zu Marburg bzw. bereits
vor Ort zu wohnen, sowie positive Empfehlungen waren die Hauptgründe
der Rehabilitanden, sich für die blista zu entscheiden.
Leider mussten wir auch feststellen, dass die Möglichkeiten und Chancen
einer „Blindentechnischen Grundrehabilitation“ insbesondere
bei Behörden und Kostenträgern, aber leider auch bei behandelnden
Ärzten, noch nicht in ausreichendem Maße bekannt sind.
Zusammenfassend können wir festhalten, dass die Zufriedenheit der
ehemaligen Teilnehmer mit dem Schulungs- und Wohngruppenangebot sehr
hoch ist. So waren beispielsweise mehr als 90 % der Befragten zufrieden
bzw. sehr zufrieden mit den Fähigkeiten und Fertigkeiten, die sie
für ihren privaten und beruflichen Alltag während ihrer Rehabilitation
lernen konnten und fühlten sich gut bzw. sehr gut auf ihre Zukunft
vorbereitet. Knapp 93 % der Befragten gaben an, dass sie unsere
„Blindentechnische Grundrehabilitation“ Menschen in
vergleichbaren Situationen weiterempfehlen würden.
Auch künftig werden wir die Absolventen ein Jahr nach Abschluss ihrer
Rehabilitationsmaßnahme um eine Einschätzung ihres individuellen
Rehabilitationserfolges bitten, um so die begonnene statistische
Aufbereitung unserer Arbeit im Sinne einer permanenten
Qualitätssicherung fortzusetzen.
* Leiterin BtG
** Leiter
RES
blista