Beauftragte der Bundesregierung für die Belange behinderter Menschen, Karin Evers-Meyer, besucht die blista
„Bemühungen um Integration müssen verstärkt werden“
Rudi Ullrich » Beeindruckt zeigte sich die Beauftragte der
Bundesregierung für die Belange behinderter Menschen, Karin Evers-Meyer,
über das breite Angebot und die vielfältigen Fördermöglichkeiten für
blinde und sehbehinderte Kinder der blista.
„Die blista ist ein Edelstein, der weit über Hessen hinausstrahlt
und wo vorbildliche Arbeit geleistet wird“, so die
SPD-Politikerin
im Gespräch mit Schülerinnen und Schülern.
Auch beim Unterrichtsbesuch in der 6. Klasse, bei dem Evers-Meyer auch zwei
Kinder aus ihrem Heimatwahlkreis in Niedersachsen traf, konnte sie sich
hiervon überzeugen.
Die Schüler erzählten über ihren Alltag und ihre zum Teil nicht immer
positiven Erfahrungen bevor sie nach Marburg kamen.
Frau Evers-Meyer unterstrich auch im abschließenden Gespräch mit Schülern
und Eltern in einer Wohngruppe, dass ihr die Verbesserung der Integration
behinderter Kinder sehr am Herzen liege und dass Deutschland im Vergleich
zu anderen Ländern noch erheblichen Nachholbedarf habe. So forderte sie
erneut, dass hierzulande die Bemühungen bei der gemeinsamen Beschulung
behinderter und nicht behinderter Kinder verstärkt werden müssen.
„Es kann doch nicht sein,“ so Evers-Meyer, „dass wir in
Deutschland gerade einmal 13 % der Kinder im gemeinsamen Unterricht haben,
in anderen Ländern sind dies bis zu 60 %.“ Sie bat bei Schülern,
Eltern und blista-Verantwortlichen um Verständnis, dass sie das in der
politischen Diskussion oft zuspitzen müsse, um die Integration in
Deutschland voranzutreiben.
„Ich will mir im Ausland nicht mehr sagen lassen, dass Deutschland
nur gut im Aussondern, nicht aber im Integrieren ist.“ Sie sei sich
dabei aber natürlich immer bewusst, dass spezielle, hoch qualifizierte
Förderangebote wie an der blista unverzichtbar sind und versprach den
weiteren intensiven Gedankenaustausch und die Unterstützung bei Problemen
mit Kostenträgern.
Auch im abschließenden Gespräch mit den Elternvertretern
Prof. Kurt Jacobs und Michael Weickhmann
sagte Evers-Meyer: „An oberster Stelle muss das Wahlrecht der Eltern
und das Wohl des Kindes stehen, und eine gelungene Inklusion ist nur
denkbar, wenn auch das notwendige
Know-how bei den Lehrern vor Ort
vorhanden ist.“
Dass in Marburg bei der Integration blinder und sehbehinderter Menschen
in den letzten Jahrzehnten vieles erreicht worden sei, unterstrich auch
der Marburger Bundestagsabgeordnete Sören Bartol (SPD), der Evers-Meyer
bei ihrem Besuch begleitete. „Die Selbstverständlichkeit, mit der
blinde und sehbehinderte Menschen in Marburg dazugehören, kenne ich aus
keiner anderen Stadt.“
Blista-Direktor Claus Duncker konnte Frau Evers-Meyer zumindest für den
Kreis der blinden und sehbehinderten Schülerinnen und Schüler etwas
Hoffnung machen. So berichtete er, dass nach jüngsten Zahlen der
Kultusministerkonferenz 27 % der Blinden und Sehbehinderten gemeinsam
mit nicht behinderten Kindern unterrichtet werden. Die blista betreue
in ihrem ambulanten Förderzentrum derzeit über 70 Schüler an allgemeinen
Schulen, so Duncker.
blista