Menschen
Die Konzeptionelle
Thorsten Büchner » Bevor Sabine Groth 1982 an die blista kam, arbeitete
sie im Jugendhilfe-Bereich und betreute verhaltensauffällige Kinder und
Jugendliche. Dort half sie unter anderem auch, ein neuartiges Konzept
sogenannter „Kinderhäuser“ mitzuentwickeln, in denen die
pädagogischen Mitarbeiter nicht nur arbeiteten, sondern auch lebten.
Am Wechsel in eine Leitungsfunktion an der blista reizte sie besonders, ihre
pädagogischen Erfahrungen an Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter weitergeben zu
können. Außerdem war sie vom dezentralen Wohnkonzept des Internatbereichs
überzeugt und wollte an dessen Weiterentwicklung tatkräftig mitarbeiten.
Mittlerweile ist Sabine Groth seit 26 Jahren in der Internatsleitung oder
Heimleitung, wie es früher hieß, tätig. Ihr Aufgabenschwerpunkt liegt im
Bereich der Minderjährigenwohngruppen (MJG). Hier ist sie für sechs MJGs
zuständig und arbeitet eng mit den Betreuerinnen und Betreuern vor Ort
zusammen. Konkret heißt das, sie nimmt in 14tägigen Abständen an den
gruppeninternen Sitzungen der Betreuer-Teams teil und berät, unterstützt und
bestärkt die Kolleginnen und Kollegen in ihrer Arbeit.
Darüber hinaus bespricht sie die für jeden Bewohner einer Wohngruppe
existierenden „Förderpläne“ und legt gemeinsam mit dem
Betreuer-Team die Ziele fest, die zusammen mit den Schülerinnen und Schülern
in nächster Zeit in Angriff genommen werden sollen.
„Oft sehen mich die Schüler nur, wenn es irgendwo Probleme oder Ärger
gibt“, ist sich die gebürtige Norddeutsche bewusst. „Deshalb
ist es mir ganz besonders wichtig, in jeder WG mindestens einmal jährlich
präsent zu sein, zum Beispiel beim Abendessen oder Kaffee trinken.“
So will Sabine Groth den Kontakt zu ihren Schülerinnen und Schülern nicht
gänzlich verlieren, die sie ja im Wesentlichen sonst nur aus Akten oder
Förderplänen kennt.
Wenn man Sabine Groth nach einer zentralen Botschaft fragt, dann antwortet
sie, dass es in ihrer Arbeit darum gehe, dass sich jeder Bewohner, jede
Bewohnerin möglichst wohl fühlt und dass optimal auf seine bzw. ihre
Bedürfnisse eingegangen wird. Dass dieses Ziel im Alltag oft nicht ganz
einfach zu erreichen ist, ist ihr dabei natürlich bewusst. Besonderen Wert
legt Groth auch darauf, dass man nicht in „starren“ Konzepten
verharrt, sondern die eigene Arbeit hinterfragt und nach
„flexiblen“ Lösungen sucht. So ist die Mutter von drei Kindern
mittlerweile eine glühende Anhängerin der
„altersgemischten Wohngruppe“, obwohl sie Mitte der Achtziger
Jahre für die „Langzeitgruppen“ eingetreten ist.
„Die Erprobungsphase hat eindeutig gezeigt, dass in der
altersgemischten WG die Bewohner eher voneinander profitieren und es zu
weniger Konfliktpotential kommt als in einer WG, in der alle acht
Bewohnerinnen und Bewohner zum gleichen Zeitpunkt die Pubertät erleben“, gibt sie
zu Bedenken.
Um den individuellen Bedürfnissen der blista-Schülerschaft Rechnung zu
tragen, gibt es im Internatsbereich auch Überlegungen, Teile des
SWG-Angebots zu modifizieren und auf solche Schüler zuzuschneiden, die zwar
volljährig sind, aber dennoch größeren Betreuungsbedarf haben als dies
bislang in einer Selbstständigen-Wohngruppe vorgesehen ist.
Sehr wichtig ist Sabine Groth außerdem das Thema „Ganzjahresgruppe“. Dies ist ein Angebot für Schülerinnen und Schüler, deren Betreuung und Versorgung durch die Eltern nicht gewährleistet werden kann und für die ein Aufenthalt bei den Eltern unmöglich oder nur schwer zumutbar ist. Dieses Konzept hat Sabine Groth mitentwickelt und ist froh darüber, dass diese „pädagogische Lücke“ jetzt geschlossen werden kann.
Einen ganz zentralen Teil ihrer Tätigkeit widmet Groth der Elternarbeit. Als Mutter weiß sie, mit welchen Befürchtungen, Ängsten und Sorgen viele Eltern der blista, aber auch speziell dem Internatsbereich, entgegentreten. Diese Bedenken ernst zu nehmen, ist ein Leitmotiv von Groth. Zusammen mit Klaus Röder vom „Psychologischen Dienst“ der blista bietet sie regelmäßig Elternseminare an, um den Eltern Raum für ihre Sorgen bieten zu können, aber auch Hilfestellungen, um mit der Trennungssituation richtig umgehen zu lernen.
Stolz ist Sabine Groth darauf, dass sie ihre Leitungsfunktion innerhalb
des Internats mit ihrer Mutterschaft gut vereinbaren konnte. Sie wünscht
sich daher mehr Frauen in Leitungsfunktionen, gerade in Bereichen, in denen
die Mitarbeiterschaft zu zwei Dritteln aus Frauen besteht, wie im
Internatsbereich der blista.
Von ihren vielen Gesprächen, die sie während ihrer Arbeit führen muss,
entspannt sich die Wahl-Marburgerin beim Spazierengehen oder beim Yoga.
blista