„Sich der Herausforderung stellen“
Outdoor-Training 2008
Blerta Ademi, Nicole Weinert * » Zum ersten Mal nahmen in diesem Jahr fünf blinde und sehbehinderte IT-Auszubildende zusammen mit fünf sehenden Auszubildenden zur Bürokauffrau bzw. zum Bürokaufmann an einem Outdoor-Wochenende teil. Gemeinsam galt es, in drei Tagen ein außergewöhnliches Programm zu bewältigen.
Am Freitagmorgen trafen wir uns (die sehenden Bürokaufleute) auf dem Gelände der blista. Hier wurden wir von zwei Sportstudenten, die uns das Wochenende über begleiteten, abgeholt und fuhren zum Renthof, wo wir auf die Informatikkaufleute trafen. Nach einer kleinen Begrüßung besprachen wir nochmal unseren Essensplan für das bevorstehende Wochenende. Anschließend füllten wir in zwei Supermärkten unsere Vorräte auf und machten uns auf nach Hessisch-Lichtenau. Dort angekommen, verstauten wir erst einmal unser Gepäck. Dann ging es auch schon los mit der ersten Aufgabe: Wir kamen
nicht ins Haus! Der Schlüssel lag in einem senkrecht aufgestellten Rohr,
welches Löcher hatte. Man durfte nicht mit den Händen hineingreifen, konnte
sich aber Hilfsmittel suchen. Wir überlegten gemeinsam, wie wir das
anstellen könnten und kamen auf die Idee, den Schlüssel mit kleinen,
dünnen Stöcken durch die Löcher hochzureichen.
Das war die zentrale Aufgabe an unserem ersten Tag, denn sofort stellte sich
heraus, dass wir als Sehende die Blinden und Sehbehinderten kaum einbezogen
hatten. Wir hatten die Aufgabe fast allein erledigt. Nachdem wir dann
endlich den Schlüssel hatten, sprachen wir über die gelungene Aufgabe
und kamen zu dem Entschluss, dass wir die nächsten Aufgaben nur bewältigen
können, wenn wir als Team
zusammenarbeiten.
Anschließend besprachen wir unsere Erwartungen und Ziele für das Wochenende.
Dann ging es auch schon mit den ersten „Kennenlern-Spielen“
los. Der Abend klang schließlich am Lagerfeuer aus.
Am nächsten Morgen nach dem Frühstück gingen wir nach draußen. Neben dem
Haus befand sich ein Spinnennetz, das aus Seilen zwischen zwei Bäumen
gespannt war. Unsere Aufgabe bestand darin, jedes Mitglied unserer
Gruppe durch ein Loch zu transportieren. Die Schwierigkeit war, dass das
Seil dabei nicht berührt werden durfte und wir jedes „Loch“ im
Netz nur einmal benutzen konnten. Diese Aufgabe meisterten wir recht gut.
Im Anschluss machten wir uns für den Aufbruch zu der Wanderung startklar,
jeder Sehende ging mit einem Blinden bzw. Sehbehinderten.
Während unserer Wanderung absolvierten wir mehrere Aufgaben, zum Beispiel
sollten wir unter der Augenbinde ein gleichseitiges Dreieck aus einem Seil
legen. Dies kostete uns Nerven und viel Schweiß, denn für uns Sehenden war
es wahnsinnig schwierig, sich nach dem Aufsetzen der Augenbinden noch
irgendetwas vorzustellen. Wir waren sehr auf die Hilfe der Blinden und
Sehbehinderten angewiesen, mit deren Unterstützung die Aufgabe jedoch
perfekt bewältigt wurde.
Am letzen Tag stand der Niedrigseilgarten auf dem Programm. Dort, in etwa 30 cm Höhe, waren zwischen Bäumen Drahtseile gespannt.
Ziel war es, als Team von einem Ende
zum anderen zukommen, ohne den Boden zu berühren. Da wir kaum Hilfsmittel
hatten, mussten wir die ganze Sache strategisch angehen. Wir planten
gemeinsam im Team.
Nach anfänglichen Ängsten der Blinden und Sehbehinderten, uns mit dem
schwankenden Seil unter den Füßen voll zu vertrauen, meisterten wir mit
viel Anstrengung und Mühe auch diese Herausforderung. Ein Sehender ging zu
dem zweiten Baum balancierend voraus, der nächste Sehende blieb am ersten
Baum stehen, so wurde eine Kette gebildet und jedes Mitglied wurde sicher
zum nächsten Ziel transportiert. So ging es von Baum zu Baum. Im
Niedrigseilgarten entdeckten wir unsere Schwächen und Grenzen.
Nach gelungener Aufgabe bereiteten wir uns auf die Heimreise vor.
Für uns war das Outdoor-Training eine positive und neue Erfahrung, in der es uns menschlich, aber auch als Team, näher zusammengeführt hat. Es war ein gelungenes und spaßiges Wochenende, aus dem wir viel für die Zukunft mitnehmen konnten.
* Auszubildende zur Bürokauffrau/zum Bürokaufmann:
Blerta Ademi, Christian Behre, Sideris Gontidis, Stina Hegen, Nicole Weinert
* Auszubildende zur Informatikkauffrau/zum Informatikkaufmann:
Annike Hein, Oliver Decker
* Auszubildende zum Fachinformatiker Anwendungsentwicklung:
Ali Savas, Artur Rakk
blista