Der lange Weg vom Bogen zur Zielscheibe

Demet Seven* » „Hilfe, Herr Giese, was soll ich mit dieser Schnur hier machen?“, „Wie muss man den Bogen halten?“, „Wo ist mein Pfeil? Oh, nein! Ist der vorbeigenudelt?“

Ich erinnere mich noch genau an diesen Tag, als wir das erste Mal mit Herrn Giese, Herrn Einloft und unserem Bogenschieß-Sportkurs starteten. Für fast jeden von uns war es eine ganz neue Erfahrung. Die Vorstellung, so auszusehen wie die großen Indianer-Helden oder die legendären Krieger im alten Japan, professionell und souverän, war sehr verlockend und motivierte uns alle von Stunde zu Stunde.

Doch am Anfang waren wir erst mal überwiegend in der Sporthalle. Erfahrene Bogenschützen erläuterten uns Näheres über Bogenarten und Techniken sowie über die richtige Haltung beim Bogenschießen. Bevor wir endlich mit dem Schießen loslegen konnten, musste erstmal das Aufbauen eines so genannten „Recurvebogens“ gelernt werden. Und das war leichter gesagt als getan. Spannschnur, Sehne, Bogen, Nockpunkt, Visier… Es gab so viel, was man sich merken musste.

Der Bogen musste in einer ganz bestimmten Reihenfolge aufgebaut werden. „Nicht schummeln!“, hieß es immer wieder. Dann gab es noch bestimmte Requisiten, die man sich an die Hand schnallen musste, um sich beim Spannen der Sehne nicht zu verletzten, und bestimmte Regeln, wie, wo und wann diese Sehne gespannt werden durfte. Und immer wieder auf die richtige Haltung achten. Noch bevor wir zum eigentlichen Schießen kamen, hatten wir das Gefühl, ziemlich überfordert zu sein.
Doch es kam ganz anders. Unseren ersten Schuss praktizierten wir zwar ziemlich unspektakulär in der Sporthalle mit entsprechenden Sicherheitsmaßnahmen. Schnell stellten wir jedoch fest, dass es uns, trotz all der Dinge, die wir beachten mussten, Spaß machte. Die Stunden vergingen wie im Flug und ehe wir uns versahen, „zogen“ wir auch schon ins Freie. Abgesehen von der brütenden Hitze, die bei uns einen unbeschreiblichen Durst auslöste, war es eine tolle Erfahrung. Wir wurden immer besser.

Eine Frau steht auf der Wiese und spannt den Recurvebogen

Die Pfeile trafen nun viel häufiger die Zielscheibe, nachdem sie am Anfang meist vorbei, drüber oder drunter geflogen waren. Für weitere Trainingszwecke wurde der Abstand zu den Zielscheiben vergrößert. Als Motivation wurden sogar Luftballons auf den Fokus der Zielscheiben platziert. Ein Bild des Feindes oder einer Hassperson diene jedoch mindestens genauso gut als Motivation, wurde uns erläutert.

Als Abschluss des Kurses und zum Nachholen diverser Fehlstunden trafen wir uns an einem Nachmittag mit einigen Studenten und anderen Bogenschieß-Experten zu einer gemeinsamen Grill- und Schießrunde. Neben den bereits erwähnten Ballons wurden diesmal sogar Holzfigürchen von Tieren aufgestellt, auf die wir zielen sollten. Wer die Tiere traf, gewann Schokolade. Und wer sie nicht traf, gewann auch Schokolade als Trostpreis. Also hatte jeder was davon!

Insgesamt hat es uns allen, trotz der langen Nachmittage, trotz der anfänglichen Verzweiflung und trotz der Hitze, großen Spaß gemacht. Von Stunde zu Stunde wurden wir besser. Hm, vielleicht ist der Traum von dem souveränen Indianer doch nicht mehr so fern. Aber um ehrlich zu sein… Den Aufbau eines Bogens haben wir immer noch nicht einwandfrei drauf. *schäm* Aber wir haben NIE geschummelt!

* Kursteilnehmerin

[intern]Zurück[intern]Inhalt[intern]Weiter

Zurück an den Anfang der Seite