Arbeitsgruppe „KofI“ (Kochen für Interessierte)

Das kennen wir doch alle, es hat mal wieder nicht geschmeckt, im Lokal, im Speisesaal, zu Hause. Man ärgert sich und hofft auf das nächste Mal.
Jetzt gibt es eine Lösung: Man kocht selbst! Man kann es lernen!

Horst Lehnert* » Mit dieser Ankündigung wurde Mitte Februar dieses Jahres für die Mitarbeit in dieser Arbeitsgruppe geworben. Anfang März startete das Projekt, 6 Schüler und Schülerinnen hatten sich angemeldet und waren mit hoher Motivation bis zum Abschlussmenü dabei.
Ich war sehr gespannt, hatte ich doch eine solche Veranstaltung noch nie angeboten. Horst Lehnert im Gespräch mit Christel Burghof Unterstützt wurde ich bei diesem Vorhaben durch Christel Burghof von der RES. In den dortigen Lehrküchen wurde dann bei 9 Terminen – jeweils von 17.00 bis 19.30 Uhr – mit hoher Konzentration aber auch in lockerer Atmosphäre gearbeitet und gegessen.

Die Schülerinnen und Schüler sollten gemeinsam erfahren, dass es Freude macht zu kochen, dass es Freude macht mit anderen zusammen an einem Projekt zu arbeiten, dass Freude und Anspannung zusammen gehören, dass es gute Produkte gibt, die nicht zu teuer sind, dass man mit einer guten Planung und Vorbereitung auch den zeitlichen Aufwand für schöne Gerichte gering halten kann.
Zunächst wurde besprochen, wie wir das Projekt gestalten. Meine Vorgaben dabei waren, dass wir nur Naturprodukte verwenden, keine Geschmacksverstärker und nichts aus der Tüte zum Einsatz kommen, und wir auch an der Verbesserung unserer handwerklichen Fertigkeiten arbeiten. Horst Lehnert erklärt, drei Teilnehmer mit Kochmützen hören zu Die Teilnehmer und Teilnehmerinnen hatten zu Beginn ihre Wünsche für den Speiseplan geäußert. Schweinefleisch stand nicht auf dem Zettel, da drei Personen dieses nicht essen wollen und dürfen. Auch Fisch wurde nicht gewünscht, das wollte ich eigentlich nicht akzeptieren. Es fehlte dann aber die Zeit, die Fischhasser zu überzeugen.
Nach jedem Termin wurden die Rezepte per E-Mail an alle versendet. So entstand ein kleines Rezeptheft, das gegen eine Spende an den Förderverein auf dem Sommerfest erhältlich war.
Zunächst haben wir dann eine „Jus“ und eine „Balsamico Reduktion“ hergestellt. Diese Grundzutaten wurden dann im Verlauf des Projekts verwendet.
Zwiebel schneiden, Ananas zerteilen, Eier trennen, Horst Lehnert und drei Teilnehmer mit Kochmützen schneiden Gemüse Gemüse schälen und schneiden, in der Pfanne garen, den Backofen nutzen, dies waren nur einige wichtige Grundlagentechniken, die wir übten. Christel Burghof hat besonders im Hinblick auf die Personen, die sich optisch nicht orientieren können, wichtige Hilfestellungen gegeben. Und auch ich habe dabei sehr viel gelernt.
Auch über die Grundsätze der Menügestaltung wurde gesprochen. Wir wollten ja zum Abschluss ein Menü mit 5 Gängen für 6 Personen herstellen.

  • Was braucht man, um eine Mayonnaise herzustellen (da kommen ja Eier hinein, oder)?
  • Wie werden Nudeln selbst gemacht? (Nudelbahnen auf einem Wäscheständer zum Trocknen aufgehängt, tolle Idee, Danke Christel!).
  • Ravioli mal nicht aus der Dose, was für ein Geschmackserlebnis.
  • Ein Risotto, wie geht das?
  • Vanillesoße mit echter Vanille, schmeckt ja ganz anders als aus der Tüte.
  • Flambieren ist ein echtes Erlebnis, nicht nur für Pyromanen.
  • Frische Champignons mit wenig Öl und Kräutern in der Pfanne gebraten, das schmeckt ganz anders als das Zeug aus der Dose!
  • Drei Schülerinnen lachen und haben sichtlich Spaß Bambusspitzen mit Knoblauch und Sojasoße ohne Glutamat, das ist einfach lecker!
  • Reis mal nicht im Kochbeutel!
  • Staudensellerie, wie sieht der aus und wie schmeckt das?
  • Hähnchenbrust mit dunklem Sesamöl mariniert, wie sorgt man dafür, dass das zarte Fleisch nicht zu trocken wird?
  • Gibt es einen Unterschied zwischen Petersilie und Blattpetersilie?
  • Ingwer geschält und fein geschnitten, ein toller frischer Geschmack, und was ist eigentlich Koriander?
  • Man kann auch ohne Maggi kochen!!!
  • Wie muss ich mit den verschiedenen Messern arbeiten? Wie schneide ich mich nicht in die Finger?
  • Kann man ein Eis auch ohne Eismaschine herstellen?

Dies sind einige der Fragen, die wir im Laufe des Projekts geklärt haben.
Es war manchmal anstrengend, es hat aber immer Freude bereitet.

Am 12.05.09, das Finale: 5 Gänge für 6 Personen, frisch zubereitet, eine echte Herausforderung. Alle waren etwas nervös, ich auch. Christel Burghof machte eine tolle Dekoration für den Tisch. Den Service hatten wir nicht üben können, es hat aber dennoch gut funktioniert.
Von der Küche war Irmtraud Stanger eingeladen, RES als Hausherr war durch Hanjo Reinschmidt vertreten, die Schule durch Martina Dirmeier, Angelika Kolbeck, Annette Körber und Rolf Niggemeyer.
Wir begannen wie immer um 17.00 Uhr. Die Gäste waren für 18.15 Uhr geladen. 18.20 Uhr konnte der erste Gang serviert werden, dann kamen die weiteren. Gegen 19.20 Uhr war das Menü geschafft und Gäste und Küchenbrigade waren zufrieden.

Abschlussmenü

  • Canapés mit Rinderschinken und Lachs
  • Spargelcremesuppe
  • Peynirli Cep Böregi (türkisches Rezept, gefüllte Schafskäsetaschen)
  • Vodino psito (griechisches Rezept, geschmortes Rindfleisch)
  • Crêpes Suzette

Wir haben gemeinsam etwas geleistet und alle dazu gelernt. Ich möchte dieses Angebot gerne wiederholen!
Teilnehmer: Isnija Demiri, Lukas Laukamp, Steffen Lind, Enis Orhan, Demet Seven, Laura Wunsch

Es muss nicht immer Kaviar sein, wir waren auch mit Lachs äußerst zufrieden

Die Gastesser sitzen am gedeckten Tisch, im Hintergrund stehen Horst Lehnert und sein Kochteam Martina Dirmeier, Gast beim finalen Menü » Keine Zeit zum Kochen? Seit Wochen von Tütensuppen gelebt? Genug vom Familienmeckern an den von Ihnen zubereiteten Mahlzeiten? Sie haben keine Ahnung, dass man 5 Gänge überhaupt aufessen kann? Sie wollen sich auch mal die Speisen servieren lassen, statt selbst zu hetzen? Sie wollen mal an einem liebevoll dekorierten Tisch Platz nehmen?

Werden Sie Gast-Esser bei KofI!!!
Wir – und ich bin sicher, die anderen Gäste stimmen mir zu – werden uns beim nächsten Casting auf jeden Fall wieder bewerben, gibt es doch den Gast-Essern nicht nur die Gelegenheit zum Schlemmen, sondern auch die Schüler mal von einer ganz anderen Seite wahrzunehmen. Diese waren nämlich sichtlich engagiert bei der Arbeit (also nicht, dass sie dies im Unterricht nicht wären!) und servierten uns mit professionell ernsten Mienen, aber deutlich sichtbarem Vergnügen und adretten Kochmützen, die perfekt zubereiteten diversen Gänge.
Wir waren jedenfalls ganz begeistert, sowohl vom Menü als auch vom ausgezeichneten Service und perfekten Timing, und bedanken uns noch mal ganz ausdrücklich bei allen Köchen.
Hallo Horst, wie wär’s mal mit einem Kochkursus für Nicht-Schüler??

* Lehrer an der Carl-Strehl-Schule

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