Staatliche Anerkennung für Rehalehrer-Ausbildung

„Ein Meilenstein für blinde Menschen“

Rudi Ullrich » Seit mehr als 30 Jahren werden an der blista Lehrer in „Orientierung & Mobilität“ und „Lebenspraktischen Fähigkeiten“ ausgebildet. Seit mehr als 25 Jahren geschieht dies in einer eineinhalbjährigen Weiterbildung zum „Rehabilitationslehrer für Blinde und Sehbehinderte“.
Angeboten wird diese Weiterbildung für Personen, die eine abgeschlossene pädagogische oder medizinische Ausbildung haben und bereits über Berufspraxis verfügen. Das Curriculum dieser Vollzeitausbildung ist breit gefächert. Neben Ophtalmologie gehören zum Beispiel Pädagogik, Psychologie, Sozialrecht oder das Erlernen der Blindenschrift und der Planbau zum festen Bestandteil der Ausbildung. Natürlich nimmt die Lern- und Lehrpraxis einen breiten Raum ein.
In der ersten Hälfte der Ausbildung stellt eine intensive Simulationsphase durch Selbsterfahrung unter der Augenbinde und mit speziellen Brillen, die einen Eindruck von den Auswirkungen der verschiedenen Sehbehinderungen geben, hohe Anforderungen an die meist acht Teilnehmerinnen und Teilnehmer eines Kurses.

Welch qualitativ hochwertige Ausbildung in Marburg geleistet wird, erkennt jetzt auch das Hessische Kultusministerium an und hat der Rehabilitationseinrichtung der blista (RES) die „Staatliche Anerkennung als Ergänzungsschule“ erteilt.
„Das hat lange gedauert und ist bisher einmalig in Deutschland. Es ist aber zweifelsohne ein Meilenstein, der mit Sicherheit dazu beitragen wird, dass die blinden und sehbehinderten Menschen in Deutschland auch weiterhin bei ihrem Wunsch nach Unabhängigkeit und Selbstständigkeit qualifiziert gefördert und unterstützt werden können“, freut sich Jürgen Nagel, Leiter der RES. Nagel, der vor vielen Jahren selbst diese Ausbildung absolvierte, unterstreicht, dass der hohe Standard der Ausbildung, die ja auch in der Vergangenheit zum Beispiel schon der Aufsicht des Deutschen Blinden- und Sehbehindertenverbandes (DBSV) und des Verbandes für Blinden- und Sehbehindertenpädagogik (VBS) unterstand, konsequent weitergeführt wird. Praktisch wird sich aus seiner Sicht durch die offizielle Urkunde nicht allzu viel ändern. „Wir unterliegen jetzt zwar der Prüfungsordnung des Landes Hessen und der Aufsicht des staatlichen Schulamtes, aber die Lehrpläne bleiben die gleichen, da wir schon seit einigen Jahren mit dem jetzt offiziell anerkannten Curriculum und der Prüfungsordnung arbeiten“.
Besonders freut Nagel die staatliche Anerkennung für die Auszubildenden.
„Wenn es auch vor allem ein formaler Akt ist, unterstreicht es doch den besonderen Wert des Abschlusses in Marburg. Ich denke, darauf können auch alle vorherigen Kurse stolz sein, auch wenn sie dafür keine staatliche Anerkennung erhalten haben. Für die Zukunft erhofft sich Nagel, dass die Attraktivität der Ausbildung vielleicht sogar auch dadurch noch etwas steigt, dass zukünftige Teilnehmer vielleicht auch Anspruch auf ein „Meister-Bafög“ haben könnten. Und auch bei den Auseinandersetzungen mit den Krankenkassen um die Anerkennung des Unterrichts in Lebenspraktischen Fähigkeiten und die entsprechenden Kostenübernahmen erhofft er sich Rückenwind.

Der Start des nächsten Ausbildungskurses (RBS 16) ist für den 09. August 2010 geplant, das Ende dann am 27. Januar 2012.
Interessenten sollten ihre Bewerbungsunterlagen umgehend einreichen, da bereits Teilnehmerplätze vergeben sind.
Weitere Infos gibt es dazu auch unter [intern]www.blista.de/res/bildung/rbs/index.php oder 06421/6060.

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