Ein Märchensalat mit ganz viel Witz und noch mehr Fröschen
Isabella Brawata * » Mitte September wurde in fünf nahezu komplett ausverkauften Vorstellungen im „Theater im G-Werk” das Märchen „Rumpelröschen und die Froschprinzessin” aufgeführt; liebevoll erdacht und in Szene gesetzt von Karin Winkelsträter und den Schülerinnen und Schülern der Theatergruppe „Augenschmaus”.
Schon die Bühnenkulisse war sehr originell. Von oben baumelten Bänder
herab, an denen CDs und Shampoo-Packungen befestigt waren. Sie wurden
beleuchtet und erzeugten ein grünliches Licht, so dass ein
„dunkler, düsterer Wald” entstand. Bevölkert wurde dieser
Wald von vielen riesigen Stofffröschen, die auf Holzkisten saßen. Die
Kisten waren hinten offen, so dass die Sprecherinnen und Sprecher der
Stofffiguren für das Publikum unsichtbar blieben.
Aber auch inhaltlich wurde in diesem kunterbunten Märchen viel geboten:
Eine in hundertjährigen Schlaf gefallene Prinzessin, die fürchterlichen
Mundgeruch hatte und von einer Müllerstochter wachgeküsst werden musste,
weil der „tapfere Jüngling” vor dem Kuss zurückwich.
Natürlich durfte auch die böse hässliche Hexe nicht fehlen, die alle
Jünglinge in Frösche verzauberte. Aber zum Glück für die Jünglinge hatte
diese böse hässliche Hexe ein sehr großes Schlafbedürfnis und
schnarchte die meiste Zeit vor sich hin. Dann gab es da noch eine
eitle, eingebildete Prinzessin, die unbedingt die Fee mit den drei
Wünschen treffen und eine Puppe haben wollte, die „Pipi
machen kann”, und der immer „wangleilig” war.
Die kunterbunte Geschichte, in der unsere bekannten Märchen schamlos und wild durcheinander und miteinander verrührt wurden, war aber nicht nur lustig und sehr originell, sondern auch voller überraschender Wendungen, und es war auch ein sehr anrührendes Stück. So blieb mir das Herz im Hals stecken, als das gemeine Rumpelstilzchen einen armen kleinen Frosch zertrampelte. Überaus glücklich machte mich dann aber die Szene, in der ein anderes Fröschlein, das schon lange in eine Prinzessin verliebt war, die aber mit einem nichtsnutzigen Prinzen verheiratet war, ihr endlich seine Liebe gestand und die beiden sich schließlich doch küssten. Die Prinzessin verwandelte sich daraufhin selbst in einen Frosch und die beiden lebten glücklich miteinander bis ans Ende ihrer Tage…
Aber neben vielen lustigen Anekdoten enthielt das Märchen auch manches
Nachdenkliche: Wann ist ein Mensch glücklich? Wenn er unendlich viele
oder gar keine Wünsche in sich trägt? Besonders beeindruckt haben mich
die Sätze: „Man kann nicht werden, was nicht schon in einem
steckt” und „Die scheinbar belanglosen Dinge im Leben sind
oft die größten Abenteuer”.
Die Schülerinnen und Schüler sowie der Erzähler haben auf jeden Fall
großartig gespielt und deshalb war der Besuch der Vorstellung auch kein
bisschen „wangleilig”, sondern ein tolles Erlebnis.
* Zuschauerin bei „Rumpelröschen und die Froschprinzessin”
Fotos: Monika Saßmannshausen
blista