Marburger Blindenfußballer haben eine Heimat
blista wird zum Landesleistungszentrum ernannt
Rudi Ullrich » Die Förderung des Sports und insbesondere auch des Leistungssports für blinde und sehbehinderte Menschen hat in Marburg eine lange Tradition. So gab es in den vergangenen fast vierzig Jahren in den verschiedenen Sportarten eine Vielzahl von Siegen bei Welt- und Europameisterschaften oder bei den Paralympischen Spielen zu feiern. Aber auch im Behindertensport bleibt die Zeit nicht stehen. Der Aufwand, der von den Sportlern, Vereinen und Verbänden betrieben werden muss, um weltweit konkurrenzfähig zu sein, ist inzwischen auch in diesem Bereich enorm.
Mit der Bereitstellung des neuen Kunstrasenplatzes und der Ernennung
der blista zum Landesleistungszentrum für die Sportarten Judo,
Goalball
und Blindenfußball wird dieser Entwicklung Rechnung getragen.
Wie hart der Konkurrenzkampf auch im Behindertensport ist und wie
abhängig Erfolge von den Rahmenbedingungen sind, kann man laut
blista-Direktor Claus Duncker beispielhaft am Blindenfußball sehen.
Konnte die Mannschaft der
SSG
blista Marburg noch 2008 die erstmals ausgetragene Deutsche
Blindenfußballmeisterschaft erringen, reichte es in der abgelaufenen
Saison gerade noch für Platz vier. Das lag nach Einschätzung von Duncker
nicht zuletzt auch daran, dass andernorts die Rahmenbedingungen für
Blindenfußball erheblich besser waren und es in Marburg kein Fußballfeld
von der Ausstattung und Größe gab, wie es bei den Ligaspielen inzwischen
üblich ist. Die exakte Größe des Platzes ist für das Trainieren der
Spielzüge mit nicht sehenden Fußballern entscheidend für den Erfolg,
ebenso die Beschaffenheit des Untergrundes, denn Angriff und Verteidigung
erfolgen nach Gehör, das unterstreicht auch blista-Coach Peter Gößmann.
Deshalb freuen sich beide über die neuen Möglichkeiten. Sie freuen sich aber auch darüber, dass der neue Kunstrasenplatz im Marburger Georg-Gaßmann-Stadion eine Sportstätte ist, die Blindenfußballer nicht an den Rand drängt, sondern Teil des Marburger Sportlebens werden lässt. Duncker dankt daher der Stadt Marburg und der Hockey-Abteilung des VFL Marburg, die die Mitnutzung dieses neuen Platzes ermöglicht haben.
Hier trifft es sich laut Duncker auch gut, dass die SSG blista Marburg
bereits mit einigen Abteilungen von Blau Gelb Marburg kooperiert. Durch
die örtliche Nähe soll jetzt auch die bereits angedachte Anbindung an
die Fußballabteilung von Blau Gelb realisiert werden.
Die offizielle Übergabe des neuen Kunstrasenplatzes an die
Blindenfußballabteilung der blista durch Oberbürgermeister Egon
Vaupel und die gleichzeitige Ernennung der blista zum
Landesleistungszentrum für die Sportarten Blindenfußball, Judo und
Goalball
durch den Hessischen Rehabilitations- und Behindertensportverband
(HBRS) fand im Rahmen eines Freundschaftsspieles gegen Ligakonkurrenten
FC St. Pauli statt.
Das Spiel endete mit 3:1 für Marburg. Die Tore für Marburg erzielten
Ali-Can Pektas (2) und Thomas Horn.
Foto: Arno Kraußmann
blista