Erster Rathauschef Deutschlands mit Visitenkarten in Blindenschrift
Rudi Ullrich, Fotos: Rainer Kieselbach » Marburgs
Oberbürgermeister Egon Vaupel ist der erste Rathauschef in Deutschland,
der über Visitenkarten mit Blindenschrift verfügt. Übergeben wurden sie
ihm vom Vorstand der blista anlässlich des
„Internationalen Tages der Menschen mit Behinderung”
am 3. Dezember.
Dieser Tag wurde auf Initiative der Vereinten Nationen 1992 zum
„Internationalen Tag der Menschen mit Behinderung” erklärt.
Er soll dazu beitragen, weltweit die Barrieren für behinderte Menschen
abzubauen und ihre Integration ins gesellschaftliche Leben zu fördern.
Gleichzeitig mit der Übergabe der neuen Visitenkarten wurde dem
Oberbürgermeister auch eine Ausgabe des neuen Marburger Stadtplans für
blinde und sehbehinderte Menschen überreicht, der zukünftigen
Marburg-Besuchern im Tourismusbüro zur Einsicht zur Verfügung stehen
wird.
In Marburg begegnen sich Menschen mit und ohne Behinderung auf Augenhöhe
Claus Duncker und Arno Kraußmann vom blista-Vorstand sagten bei der
offiziellen Übergabe im Marburger Rathaus, dass in der Universitätsstadt
Marburg blinde und sehbehinderte Menschen mit dem weißen Langstock
ganz selbstverständlich zum Stadtbild gehören. Das sei auch ein
Verdienst der Stadt, die durch die Vielzahl der akustischen Ampeln und
zum Beispiel auch durch die tastbaren Leitstreifen die Orientierung für
Blinde und Sehbehinderte erleichtere. Aber auch über diese technischen
Hilfen hinaus habe man in der mittelhessischen Universitätsstadt das
Gefühl, dass der Umgang von behinderten und nicht behinderten Menschen
ein Stück selbstverständlicher und unverkrampfter sei als anderswo.
Große Organisationen von und für behinderte Menschen seien hier ansässig
und es gäbe eine lange Tradition, dass sich Menschen mit Behinderung
aktiv in das politische und kulturelle Leben der Stadt einbringen.
Genauso selbstverständlich sei es aber auch, dass sich die städtischen
Behörden bemühten, bei ihren Planungen die Bedürfnisse behinderter
Menschen zu berücksichtigen.
„In Marburg begegnen sich Menschen mit und ohne Behinderung auf
Augenhöhe”, so Duncker und Kraußmann. Deshalb freuen sie sich
besonders, dass Marburgs Oberbürgermeister Egon Vaupel dieses besondere
Klima jetzt durch seine Visitenkarten mit tastbarer Blindenschrift
sichtbar macht.
„Marburg gelte weltweit als die „Stadt der Blinden”,
da sei es eine besondere Ehre für die blista, dass der Oberbürgermeister
dies jetzt mit seiner Visitenkarte auch überall deutlich mache”,
so Duncker und Kraußmann. Egon Vaupel erwiderte, dass es ihn sehr
freue, als erster OB eine solche Visitenkarte zu haben.
„Durch die erste Visitenkarte mit Blindenschrift eines
Oberbürgermeisters in Deutschland wird in Marburg wieder einmal ein
Zeichen gesetzt, das hoffentlich von vielen anderen aufgegriffen
wird”, wünscht sich Vaupel für die Zukunft.
Erstmals ein Plan der gesamten Stadt
Gleichzeitig mit der neuen Visitenkarte wurde auch der nun endgültig
fertig gestellte neue Marburger Stadtplan für blinde und sehbehinderte
Menschen übergeben. Er kann für eine Schutzgebühr von 99,– €
bei der blista bestellt werden und wird für Besucher im neuen
Tourismusbüro in der Oberstadt einsehbar sein. Später soll er nach den
Wünschen von Vaupel und der blista nach der Umgestaltung des Marburger
Hauptbahnhofs auch dort an einer zentralen Stelle verfügbar sein.
Der Marburger Stadtplan ist der erste seiner Art, der das gesamte
Stadtgebiet abbildet. Er wurde durch eine großzügige Spende von
Theresia Pecher ermöglicht, die ihn zu Ehren und in Erinnerung an
ihre in Marburg lebenden Eltern gestiftet hat.
Das Set des Stadtplanes besteht aus:
- 3 Übersichtskarten
- „Die Stadtteile Marburgs” (Maßstab 1:20000)
- „Die Hauptverkehrswege Marburgs” (Maßstab 1:8500)
- „Lage und Bezeichnung der einzelnen Stadtplanabschnitte” (Dieses ist eine Karte, die Aufschluss über die Handhabung der 19 Einzelpläne gibt.)
- 19 Mobilitätsplänen
Diese bilden das gesamte Stadtgebiet von Wehrda im Norden bis Cappel im Süden ab und können überlappend aneinandergelegt werden (Maßstab 1:2500) - 1 Detailplan
Dieser bildet die Marburger Oberstadt mit allen Treppen ab (Maßstab 1:1000)
Die 23 taktilen Folien in einer Größe von jeweils 56 x 37 cm sind im Siebdruckverfahren mit bis zu 4 verschiedenen Farbtönen kontrastreich koloriert worden, damit blinde, sehbehinderte und sehende Nutzer diesen Stadtplan gemeinsam nutzen können.
Es enthält auch ein Punkt- und ein Schwarzschriftregister, das
Erläuterungen zum Aufbau, Inhalt und zur Handhabung des Stadtplans
gibt, ein Verzeichnis der Standardsymbole sowie ein
Abkürzungsverzeichnis.
Alles zusammen ist in einem Karton von 40 x 60 x 9 cm verpackt.
blista