Editorial
Das Jahr 2009 geht langsam zu Ende. Für Menschen mit Behinderung war es
ein ganz besonderes Jahr, dessen eigentliche Bedeutung wir heute noch
kaum abschätzen können.
Im März hat die Bundesrepublik Deutschland die
„UN-Konventionen für die Rechte von Menschen mit Behinderung”
anerkannt. Dies ist sicherlich ein Meilenstein auf dem Weg hin zu
einer gleichberechtigten Teilhabe am gesellschaftlichen Leben auch für
blinde und sehbehinderte Menschen.
Ich rede hier ganz bewusst von einem Weg, denn eines ist klar:
zwischen den in der Konvention formulierten Zielen und dem, wo wir
heute stehen, liegen noch Welten. Aber eines ist, so glaube ich, in
den letzten Monaten auch deutlich geworden. Die Richtung, in die sich
unsere Gesellschaft entwickeln muss, ist festgelegt. Menschen mit
Behinderung werden selbstbewusster denn je die notwendigen kleinen und
großen Schritte in diese Richtung einfordern. Wer sich dieser
Entwicklung entgegenstellt, wird von ihr überrollt werden. Es gilt
also vielmehr, die Chancen zu nutzen.
Zwei Gesichtspunkte sind für mich dabei besonders wichtig: Die Bildung
ist, wie in keiner anderen Konvention, sehr eng mit den Menschenrechten
verknüpft. Und wenn hier von Bildung die Rede ist, dann von der
„best möglichen” Bildung und zwar lebenslang. Dies bezieht
sich aus meiner Sicht also nicht nur auf die klassische Schul- und
Berufsausbildung, sondern ebenso auf die barrierefreie Weiterbildung,
die Teilhabe an Volkshochschulkursen oder das Erlernen der Blindenschrift
auch im Seniorenalter.
Weiter ist in der Konvention der Begriff der „unterstützenden
Selbständigkeit” von zentraler Bedeutung. Das bedeutet, dass der
behinderte Mensch nicht alleine mit seinen Problemen fertig werden muss,
sondern das Recht auf professionelle Unterstützung hat. Die dazu
notwendigen Unterstützungssysteme gilt es, unter der Maßgabe zu
entwickeln, dass Menschen mit Behinderung ihre Zukunft soweit wie
möglich selbst gestalten sollen und nicht andere für sie.
Die blista jedenfalls nimmt die Herausforderungen, die sich aus der
UN-Konvention ergeben, sehr ernst, denn als Einrichtung der
Selbsthilfe fühlen wir uns seit jeher den hier formulierten Zielen
verpflichtet. Daher ist die permanente qualitative Verbesserung unserer
Arbeit und unserer Angebote eine zentrale Aufgabe unserer Arbeit.
Mit der diesjährigen staatlichen Anerkennung als Ergänzungsschule für die Rehalehrer-Ausbildung und den geplanten Maßnahmen zur Weiterbildung unserer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in Kooperation mit der Universität Marburg, sind wir, so meine ich, auf einem guten Weg.
Lassen Sie mich zum Abschluss noch allen herzlich danken, die mit
ihrem haupt- und ehrenamtlichen Engagement oder ihrer finanziellen
Unterstützung dazu beigetragen haben, dass wir unsere Arbeit für
blinde und sehbehinderte Menschen leisten konnten.
Ich wünsche Ihnen ein gesundes und erfolgreiches Jahr 2010!
Ihr
Claus Duncker
blista