Sommerferien einmal anders – JuniorAkademie Hessen 2009
Kai Kortus * » Bei den Deutschen JuniorAkademien handelt es sich
um ein außerschulisches Programm zur Förderung begabter Schülerinnen
und Schüler der Sekundarstufe I in verschiedenen Bundesländern. Sie
finden in den jeweiligen Sommerferien statt. Für Hessen wurde die
JuniorAkademie vom
„Beratungs- und Förderzentrum Hochbegabung Südhessen e.V”
organisiert und durchgeführt.
Jedes hessische Gymnasium darf jeweils eine Schülerin bzw. einen
Schüler zur Teilnahme vorschlagen und aus diesem Kreis werden dann
sechzig Jugendliche ausgewählt. Ich war von meinen Klassenlehrern Herrn
Junker und Frau Zeiß zur Teilnahme an der Juniorakademie als Schüler der
Carl-Strehl-Schule vorgeschlagen worden und hatte das Glück, auch zur
Teilnahme eingeladen zu werden.
Eine Akademie dauert 16 Tage und besteht aus 4 Kursen mit bis zu 16
Teilnehmenden; jeder Teilnehmer besucht einen Kurs mit etwa 50 Stunden.
Themen der Kurse sind exemplarische Fragestellungen aus der Mathematik,
den Naturwissenschaften, den Geistes- und Gesellschaftswissenschaften,
der Wirtschaft, den Fremdsprachen, der Musik usw.
Wegen Problemen bei der Umsetzung von mathematischen Formeln in
Punktschrift konnte ich leider nicht meinen Wunschkurs „Stochastik
und Spiele” besuchen. Stattdessen nahm ich an meiner Zweitwahl
„Soziologie – Leben im Informationszeitalter” teil.
Im Vorfeld der eigentlichen JuniorAkademie in den Sommerferien fand im
Mai ein zweitägiges Vorbereitungstreffen im Kreisjugendzentrum in
Ernsthofen statt. Bei dem Kreisjugendzentrum handelt es sich um ein
großes, sonniges Gelände mit mehreren Grillplätzen mitten im Odenwald,
wo in mehreren Gebäuden die mit jeweils vier Betten belegten Schlafräume
untergebracht waren. Mit der Orientierung hatte ich keine größeren
Schwierigkeiten und mit den anderen Seminarteilnehmern verstand ich
mich auf Anhieb super.
Nach einem allgemeinen Plenum begannen wir mit einer Einführung in das
Fach Soziologie und einer anschließenden Besprechung der Kursthemen.
Dort erwartete mich und die übrigen Teilnehmer ein etwa 300seitiger
Reader mit soziologischen und
philosophischen Texten, der zur Vorbereitung der Juniorakademie im
August durchgearbeitet werden sollte.
Nach einer recht kurzen Nacht, man musste ja den glücklichen Beginn der
JuniorAkademie 2009 feiern, ging es vorläufig wieder nach Hause.
Die eigentliche Juniorakademie fand dann vom 4. bis zum 20. August 2009
in dem Kreisjugendzentrum statt, das wir bereits im Mai kennen gelernt
hatten.
Als endlich Sommerferien waren, saß ich schon auf gepackten Koffern und
freute mich, dass es endlich losging.
Das Schönste war das tolle und einmalige soziale Klima. Die Teilnehmer
waren alle motiviert und interessiert, jedoch weit davon entfernt, als
Strebertypen bezeichnet zu werden.
Der Tag begann um 8.00 Uhr entspannt mit dem Frühstück und endete in
der Regel um 22.00 Uhr. Die Kurse dauerten täglich ca. fünf bis sieben
Stunden. Daneben gab es noch die Gelegenheit, kursübergreifende Angebote
(KüAs) selber zu gestalten oder teilzunehmen. So gab es z. B.: Chor,
Klavier und Sport, aber auch Memotechnik, Philosophie,
Waveboard fahren,
Karate und Selbstverteidigung, „Lyrik und Gedichte”.
Die Arbeitsweise in den Kursen war von Aufbau und Durchführung eher mit
denen eines universitären Seminars vergleichbar als mit dem bisher
gewohnten Schulunterricht. Zum Glück war mir mit der Unterstützung des
Medienzentrums der Carl-Strehl-Schule die Digitalisierung des
Readers gelungen – soweit es
wegen schlechter Kopien möglich war –, so dass ich mir die Texte mit
meinem Laptop zugänglich machen
konnte und entsprechend vorbereitet war. Am Beginn stand eine Einführung
in das Fach Soziologie und den speziellen Bereich Techniksoziologie.
Nach der gemeinsamen Erörterung soziologischer Theorien der
Informationsgesellschaft erarbeiteten wir uns einen Überblick zu
sozialen Veränderungen in jeweils einem spezifischen Teilbereich der
Gesellschaft. Begleitend erfolgte eine Einführung in die Methoden der
empirischen Sozialforschung. Es gab praxisbezogene Gruppenarbeit, bei
der wir Techniken der Arbeitsorganisation und -koordination üben konnten,
sowie die Anwendung von Vortrags- und Argumentationstechniken.
Neben der fachlichen Auseinandersetzung mit dem Lerngegenstand war die
Vermittlung und Einübung wissenschaftlichen Arbeitens wesentlicher
Bestandteil der Kursarbeit, insbesondere der Erstellung einer
Dokumentation. Im Rahmen einer Rotation, bei der wir die Teilnehmer
der drei anderen Kurse in die eigene Kursarbeit einführten, wandten wir
geeignete Präsentationstechniken an.
Meine Kursleiter digitalisierten auch während der laufenden Akademie immer noch Texte und konvertierten sie in eine für mich lesbare Form, sodass ich selbstständig mitarbeiten konnte. Falls ein Text einmal nicht digital vorlag, las ihn mir meistens ein Mitschüler vor oder ich bekam die wesentlichen Inhalte des Textes aus dem Internet zu Verfügung gestellt.
Auch Grillabende, Gruppen- und Gesellschaftsspiele, Literaturabende mit selbst geschriebenen Gedichten, Sketchen und viel Musik gehörten neben den Exkursionen zum Hochseilklettern, Reptilienzoo, der Grube Messel und dem Chemiekonzern Merck zum Programm der Juniorakademie.
Nach einer sehr schönen, wenn auch ein wenig anstrengenden Zeit mit wenig Schlaf, aber vielen neuen Erfahrungen, verabschiedeten wir uns spätestens bis zum geplanten Nachtreffen im Dezember.
* Schüler Jgst. 11
blista