Editorial

Claus Duncker Wer hungrig auf der Suche nach einem Imbiss durch Marburgs Straßen schlendert, dem fällt die Entscheidung wirklich nicht leicht. Soll man sich für Sushi, Pommes, Döner, Falafel oder doch lieber eine Pizza entscheiden?
Die Liste ließe sich noch fortsetzen, denn das Angebot ist international und vielfältig. Überhaupt kann man sagen, dass man in Marburg viele Menschen aus ganz unterschiedlichen Nationen und Kulturen trifft, die in der Universitätsstadt heimisch geworden sind.
Und die Philipps-Universität ist sicherlich ein Grund für dieses bunte Bild. Studentinnen und Studenten aus der ganzen Welt kommen Jahr für Jahr zum Studium nach Marburg und manchem hat es hier so gut gefallen, dass Marburg seine neue Heimat wurde.

Wir sind also inzwischen eine multikulturelle Gesellschaft geworden. Und das ist gut so. Denn in einer Monokultur konnte sich noch nie etwas sinnvoll entwickeln. Lebendig, kreativ und interessant ist nur die Vielfalt. Und, um bei unserem kulinarischen Rundgang zu bleiben, wer möchte schon immer nur Schnitzel essen?

Natürlich klingen einige Sprachen seltsam, manches exotische Essen schmeckt uns nicht und viele Gebräuche erscheinen uns fremd. Harmonisch können wir aber nur zusammen leben, wenn wir die Andersartigkeit unseres Nachbarn respektieren.
„Wir sind alle Ausländer – fast überall”. Viele unserer Sitten und Gebräuche sind für andere Kulturen nur schwer nachvollziehbar.

Und wie sieht das an der blista aus? Zurzeit besuchen Schülerinnen und Schüler aus 25 Nationen die Carl-Strehl-Schule. Die blista ist also ein Tummelplatz der Kulturen und Religionen, sozusagen eine kleine „UN”. Auf engem Raum arbeiten und leben wir hier zusammen. Und weder im Unterricht, in den Wohngruppen oder den vielen Freizeitaktivitäten wie Theater und Sport spielt die nationale Herkunft eine Rolle.
Es freut mich besonders, wie unsere Schülerinnen und Schüler die Überzeugungen anderer achten. Vielleicht könnte in diesem Sinne die UN in New York noch etwas von uns lernen.

Und so wünsche ich mir für die Zukunft, dass die blista ein Ort der Vielfalt bleibt. Dass wir weiterhin respektvoll und tolerant, d. h. weiterherzig – denn nichts anderes bedeutet das Wort tolerant – miteinander umgehen. Ich weiß, dass das auch bei uns nicht immer klappt, aber wir sollten weiter daran arbeiten.

Ihr
Claus Duncker

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