Editorial
Wer hungrig auf der Suche nach einem Imbiss durch Marburgs Straßen
schlendert, dem fällt die Entscheidung wirklich nicht leicht. Soll
man sich für Sushi, Pommes, Döner, Falafel oder doch lieber eine Pizza
entscheiden?
Die Liste ließe sich noch fortsetzen, denn das Angebot ist international
und vielfältig. Überhaupt kann man sagen, dass man in Marburg viele
Menschen aus ganz unterschiedlichen Nationen und Kulturen trifft, die
in der Universitätsstadt heimisch geworden sind.
Und die Philipps-Universität ist sicherlich ein Grund für dieses bunte
Bild. Studentinnen und Studenten aus der ganzen Welt kommen Jahr für
Jahr zum Studium nach Marburg und manchem hat es hier so gut gefallen,
dass Marburg seine neue Heimat wurde.
Wir sind also inzwischen eine multikulturelle Gesellschaft geworden. Und das ist gut so. Denn in einer Monokultur konnte sich noch nie etwas sinnvoll entwickeln. Lebendig, kreativ und interessant ist nur die Vielfalt. Und, um bei unserem kulinarischen Rundgang zu bleiben, wer möchte schon immer nur Schnitzel essen?
Natürlich klingen einige Sprachen seltsam, manches exotische Essen
schmeckt uns nicht und viele Gebräuche erscheinen uns fremd. Harmonisch
können wir aber nur zusammen leben, wenn wir die Andersartigkeit unseres
Nachbarn respektieren.
„Wir sind alle Ausländer – fast überall”.
Viele unserer Sitten und Gebräuche sind für andere Kulturen nur schwer
nachvollziehbar.
Und wie sieht das an der blista aus? Zurzeit besuchen Schülerinnen und
Schüler aus 25 Nationen die Carl-Strehl-Schule. Die blista ist also ein
Tummelplatz der Kulturen und Religionen, sozusagen eine kleine
„UN”. Auf engem Raum
arbeiten und leben wir hier zusammen. Und weder im Unterricht, in den
Wohngruppen oder den vielen Freizeitaktivitäten wie Theater und Sport
spielt die nationale Herkunft eine Rolle.
Es freut mich besonders, wie unsere Schülerinnen und Schüler die
Überzeugungen anderer achten. Vielleicht könnte in diesem Sinne die
UN in New York noch
etwas von uns lernen.
Und so wünsche ich mir für die Zukunft, dass die blista ein Ort der Vielfalt bleibt. Dass wir weiterhin respektvoll und tolerant, d. h. weiterherzig – denn nichts anderes bedeutet das Wort tolerant – miteinander umgehen. Ich weiß, dass das auch bei uns nicht immer klappt, aber wir sollten weiter daran arbeiten.
Ihr
Claus Duncker
blista