Menschen
Der Schiri mit dem blauen Ordner
Thorsten Büchner, Foto: Conny Peil » Sein ganzes
Berufsleben arbeitet Günther Mankel schon für die
„Deutsche Blindenstudienanstalt”.
Nach erfolgreich absolvierter Lehre war er ab 1973 als Buchbinder bei
der Punktschriftdruckerei beschäftigt, die sich damals noch auf dem
Gelände am Schlagberg befand. Da im Zuge der neuen technischen
Möglichkeiten immer mehr Arbeiten von Maschinen erledigt werden konnten,
wurde Günther Mankel 1983 in die Emil-Krückmann-Bücherei (EKB)
versetzt, wo er seitdem für die Annahme und Versendung der
Punktschriftbücher zuständig ist.
Mankel verwaltet das Lager, sucht unter den 77.000 Titeln diejenigen
heraus, die gerade von einem Kunden der Ausleihbibliothek angefordert
werden, macht sie versandfertig und gibt sie zur Post.
„An meiner Tätigkeit hat sich eigentlich in all den Jahren nichts
geändert. Es wird halt nur ein bisschen weniger ausgeliehen als das
früher der Fall war”, stellt Mankel fest.
Seit 2008 kümmert er sich neben der Punktschriftausleihe nun auch um die
Erledigung von handwerklichen und baulichen Dingen, die in der Schule
anfallen. Mankel koordiniert die Arbeitsaufträge, die entweder von der
blista-eigenen Abteilung „Bau/Technik” oder von auswärtigen
Firmen durchgeführt werden.
„Ich bin jeden Tag in der Schule präsent und ansprechbar. Sobald
mich ein Lehrerkollege darüber informiert, dass etwas nicht mehr
funktioniert oder umgeräumt werden muss, notiere ich das in meinem
ständigen Begleiter, meinen blauen Ordner, und kümmere mich darum, dass
es erledigt wird.” Dabei betont Mankel besonders die überaus
kollegiale und zuverlässige Zusammenarbeit mit den Mitarbeitern der
Abteilung „Bau/Technik”.
Außerdem ist Günther Mankel für die Verwaltung der unzähligen
unterschiedlichen Schlüssel innerhalb der blista zuständig, die er an
Mitarbeiter sowie Schülerinnen und Schüler ausgibt.
Mankel schätzt diese neue Tätigkeit sehr, erlaubt sie ihm doch viel mehr
Kontakt zu anderen blista-Mitarbeitern und den Schülerinnen und
Schülern.
„Früher, als ich nur für die EKB gearbeitet habe, fühlte ich
mich zwischen all den Regalen und Büchern manchmal ein bisschen einsam.
Jetzt sind wieder Menschen um mich herum”, freut sich der
57jährige.
Die eigentliche Leidenschaft Mankels gehört aber dem Fußball. Der eingefleischte Fan von Eintracht Frankfurt ist seit 1974 zugelassener Schiedsrichter und hat von der Oberliga Hessen bis hinunter in die Kreisklasse schon in ganz Hessen gepfiffen. Insgesamt waren es rund 1500 Spiele, die Mankel als Schiedsrichter geleitet hat.
Vor einigen Jahren fing Mankel auch an, die blista-internen
Fußballturniere zu pfeifen. Peter Gößmann und Gerrit Arnold überredeten
ihn 2006, sich für den Workshop
„Blindenfußball” anzumelden, und seitdem ist er mit viel
Engagement und Einsatz dabei. Er überarbeitete zusammen mit Torsten
Resa vom „Deutschen Blinden- und Sehbehindertenverband”
(DBSV) das Regelwerk des Blindenfußballs, um es an den
„normalen” Fußball anzupassen, und ist Schiedsrichter der
ersten Stunde im Blindenfußball.
„Wenn man so will, bin ich schon einer der Pioniere in
Deutschland”, gibt Mankel stolz zu. Er leitet seit dem ersten
Spieltag der Premierensaison regelmäßig Bundesligaspiele.
Dabei zeigt die Tatsache, dass Mankel sogar Spiele der heimischen
SSG
blista-Marburg leitet, welchen Respekt er innerhalb
der Blindenfußballszene genießt.
„Ich mache keine Unterschiede, egal welche Mannschaft ich pfeife.
Dass ich auch aus der blista komme, spielt für mich während des Spiels
überhaupt keine Rolle”.
Ihm ist es als Schiedsrichter besonders wichtig, dass sich die Spieler
und das Schiedsrichterteam nach dem Schlusspfiff immer noch
freundschaftlich die Hand geben können.
„Ich lasse durchaus auch mal etwas mehr durchgehen, eine gesunde
Härte tut dem Spiel nur gut”, beschreibt Mankel seine Philosophie
beim Schiedsrichten. Früher wurde seiner Meinung oft zu früh
abgepfiffen. Das habe dem Spielfluss geschadet und es seien zu oft
8-Meter Strafstöße verhängt worden.
„Da kam ich mir vor wie beim Torwandschießen im Aktuellen
Sportstudio”, sagt Mankel rückblickend. Der gegenseitige Respekt
sei eine der wichtigsten Voraussetzungen für ein gelungenes
Fußballspiel, ist sich Mankel sicher. Den Umgang von Spielern mit
Schiedsrichtern beschreibt Mankel so: „Es ist wie in einer
Familie. Die Spieler sind wie die Kinder und versuchen zu gucken, wie
weit sie bei ihren Eltern, also dem Schiedsrichter, gehen können”.
Günther Mankel hat in all den Jahren, in denen er als Schiedsrichter
schon unterwegs ist, von vielen Vereinen die er gepfiffen hat,
Anstecknadeln gesammelt. „Mittlerweile sind so schon fast 1000
Exemplare zusammengekommen. Das sind wunderschöne Erinnerungen”.
2010 werden wohl einige Erinnerungen hinzukommen, denn Günther Mankel
ist auch in der dritten Saison der Blindenfußball-Bundesliga wieder als
Schiedsrichter mit von der Partie.
blista