Editorial
Es ist vier Uhr morgens. Die Marburger Stadthalle wird abgeschlossen. Ich
habe die Tanzfläche bereits um 23 Uhr für die Jüngeren geräumt. Für viele
ist der Absolventenball erst weit nach Sonnenaufgang zu Ende. Es war ein
rauschendes Fest.
Für immer in Erinnerung wird mir der „Einmarsch” der
Absolventinnen und Absolventen in den Festsaal bleiben. Die Dame im
Ballkleid mit der Lockenfrisur erkannte ich nur an der Stimme. Nichts
erinnerte an das kleine Mädchen aus der Klasse sieben mit der Zahnspange.
Alle erhoben sich von ihren Plätzen und applaudierten. Eine Ovation an
die Leistungen unserer Schülerinnen und Schüler. Viele Jahre Schule liegen
hinter ihnen und leicht war es häufig nicht. Und leicht waren die Jahre auch
nicht für die Eltern und Geschwister. Die Kinder „wegzugeben”
in eine andere Stadt, weit entfernt vom Heimatort.
Wo bleibt die Schulzeit, wenn man kein Schüler mehr ist? Woran werdet
Ihr, liebe Absolventinnen und Absolventen, Euch erinnern?
An einen flüchtigen Geruch des Klassenzimmers, den besonders inspirierenden
Lehrer oder Betreuer oder den besonders kränkenden, den ersten Kuss auf
einer Kursfahrt?
An die vielen endlosen, zähen Stunden in Mathematik oder Deutsch. Das
sehnliche Warten auf die Ferien? Oder die vielen gemütlichen Stunden
abends in der Wohngruppe?
Wer geht, nimmt immer etwas mit. Und damit meine ich nicht nur Euer
Abschlusszeugnis. Die blista ist kein seelenloser Haufen Steine, keine
Ansammlung von Klassenzimmern und Wohngruppen, sondern eine Gemeinschaft
von Menschen. Und diese Gemeinschaft ist die letzten Jahre auch durch
Euch geprägt worden. Es entsteht also eine Lücke.
Und das ist gut so. Denn dadurch habt Ihr Platz für die neuen
Herausforderungen, die Euch erwarten. Es gilt, neue Beziehungen einzugehen,
sich an neuen Orten einzuleben und sich in Studium und Beruf neuen
Anforderungen zu stellen.
Dafür wünschen wir Euch viel Kraft und natürlich auch viel Glück.
Auf Wiedersehen Absolventen! Willkommen Ihr neuen blistaner!
Euer
Claus Duncker
blista