Internet in der Schule? Aber sicher!

Projekttage zur Medienerziehung in der Klassenstufe 7

Blick von oben in die Aula: Die Teilnehmer bilden einen Stuhlkreis

Text/Fotos Ulrich Kalina * » Die neue Aula der Carl-Strehl-Schule, sonst ein Ort für kulturelle und festliche Höhepunkte im Schulleben, erinnerte in der vorletzten Woche dieses Schuljahres an zwei Tagen eher an ein Großraumbüro.
Schülerinnen und Schüler der Jahrgangs-stufe 7 sitzen mit ihren Notebooks in kleinen Teams an Gruppentischen. Es herrscht eine für diese Phase des Schuljahres eher ungewöhnlich intensive Arbeitsatmosphäre. Die Texte und Arbeitsblätter, die gemeinsam gelesen und bearbeitet werden, haben es ganz schön in sich: Es geht um Persönlichkeitsrechte, Datenschutzbestimmungen, Passwortsicherheit und um die Frage, was an Chatrooms und sozialen Netzwerken wie SchülerVZ für Jugendliche reizvoll, zugleich aber auch gefährlich sein kann.

Kurze Zeit später findet eine Plenumssitzung statt. Die Ergebnisse der einzelnen Arbeitsgruppen werden von den Gruppenvertretern vorgestellt. Dass man dabei in einem so großen Raum wie der Aula und vor einer so großen Gruppe viel stärker auch auf seine Stimme und eine deutliche Aussprache achten muss, ist nur eine von vielen Erfahrungen, die die Schülerinnen und Schüler bei dieser etwas anderen Organisationsform schulischen Lernens machen. Unabhängig vom 45-Minuten-Takt üblicher Schulstunden werden Video-Clips analysiert, Rätsel gelöst, kleine Spielszenen zu verschiedenen Problemfeldern der Mediennutzung erarbeitet und vor der Gesamtgruppe aufgeführt.
Zum Abschluss gibt es noch ein „Experten-Hearing” mit Auszubildenden der Ausbildungsgänge IT-Kaufleute und Fachinformatiker an der blista. Dabei gelingt es den jungen Erwachsenen, mit ihrem Fachwissen und vor dem Hintergrund eigener Erfahrungen, besonders überzeugend auf die Fragen der Siebtklässler einzugehen.

Schülerinnen und Schüler sitzen an Gruppentischen

Konzipiert, organisiert und geleitet wurden diese zwei Projekttage zum Thema „Medienerziehung” von der CSS-Lehrerin Brigitte Luzius, die auch schon die inhaltliche Planung und Durchführung des Pädagogischen Tages zum gleichen Thema im Januar dieses Jahres übernommen hatte.
Unterstützt wurde sie von den Textverarbeitungslehrerinnen Anita Reisewitz, Monika Saßmannshausen und Manuela Rzepka.

Auch die Klassenlehrerinnen der Jahrgangsstufen 7 und 6 waren, soweit es ihre Zeit zuließ, beteiligt.
Konzeptionell eingebettet waren diese Medien-Tage in das an der CSS inzwischen fest etablierte Notebook-Projekt der Jahrgangsstufe 7.
Zu Beginn des Schuljahres waren alle Schülerinnen und Schüler dieser Klassenstufe von der Schule mit Notebooks ausgestattet worden und hatten an vier Projekttagen eine erste Einweisung in die Nutzung der Geräte erhalten. In dieser Einführungsphase ging es in erster Linie um die sachgerechte Bedienung der Hardware, grundlegende Kenntnisse in Windows und Textverarbeitung und den Umgang mit dem Schulnetz und Schulserver. Auch die Benutzer-Regeln, die so genannte IT-Charta der Schule, wurden schon in dieser ersten Projektwoche behandelt. Aber einige der darin formulierten Verhaltensregeln klangen zum damaligen Zeitpunkt – zumindest für einige Schülerinnen und Schüler – doch noch ziemlich theoretisch.

Jetzt, am Ende der Klasse 7 und vor dem Hintergrund von knapp einem Jahr praktischer PC-Erfahrung, war es an der Zeit, den verantwortlichen Umgang mit dem Computer – und insbesondere mit dem Internet – erneut zu thematisieren und zu vertiefen. Eine Vielzahl von Anregungen dazu hatten die Lehrkräfte bereits am diesjährigen Pädagogischen Tag bekommen, der sich schwerpunktmäßig ebenfalls mit dem Thema Medienpädagogik beschäftigt hatte – nicht zuletzt auch unter dem Eindruck einer breiten Diskussion dieser Thematik in der Öffentlichkeit.

Im Laufe des Schuljahres hatte sich gezeigt, dass sich die Schülerinnen und Schüler in sehr unterschiedlichem Maße Vorkenntnisse in Bezug auf die Internet-Nutzung angeeignet und Vorerfahrungen gesammelt hatten. Dies hing häufig auch mit den verschiedenen IT-Arbeitstechniken zusammen, denn ohne Maus und mit Braillezeile surft es sich gerade am Anfang eben doch nicht ganz so einfach und intuitiv.
Um hier den Erfahrungshintergrund unter den Schülerinnen und Schülern anzugleichen, wurden den beiden Tagen zur Medienerziehung zwei weitere Praxis-Tage vorgeschaltet, bei denen die Frage im Vordergrund stand, wie man mit den jeweiligen Hilfsmitteln (Braillezeile, Vergrößerungssoftware) im Internet surfen bzw. E-Mail-Dienste nutzen kann. Hierzu wurden klassenübergreifende, arbeitstechnisch homogene Kleingruppen gebildet. Konzipiert und durchgeführt wurde dieser Teil von den bereits genannten Textverarbeitungslehrerinnen in Zusammenarbeit mit den IT-Experten aus der Abteilung RES, Herrn Nadig und Herrn Klose.

Eher zufällig ergab es sich, dass genau in der Mitte zwischen den beiden Projekt-Abschnitten „Internet-Nutzung in der Praxis” und „Medienerziehung” das Sportfest der Schule stattfand. Im Nachhinein erwies sich diese Zeiteinteilung als durchaus positiv, weil sie für Abwechslung sorgte.

In der Nachbesprechung waren sich alle beteiligten Lehrkräfte einig, dass diese Projekttage in Zukunft fester Bestandteil des Notebook-Projekts der Klassenstufe 7 werden sollten. Auch die Schülerinnen und Schüler äußerten sich in einem abschließenden Fragebogen überwiegend positiv. Auf die Frage „Was hast du Neues gelernt?” schrieb eine Schülerin: „Ich hatte vorher wirklich keine Ahnung vom Internet. Jetzt weiß ich z. B., dass man bei E-Mail-Adressen immer klein schreibt. Ich weiß jetzt auch, wie ein Chatforum funktioniert und wie ich meine Identität im Internet schützen kann. Am besten fand ich, dass wir Erklärungen über die Benutzung von Suchmaschinen bekommen haben.”
Und auf die Frage: „Wird sich Dein Verhalten im Internet verändern?” wurde geantwortet: „Ja, ich weiß jetzt mehr und werde in Zukunft vorsichtiger sein.”

* Lehrer und IT-Koordinator an der Carl-Strehl-Schule

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