Eine Gruppenfahrt nach Oberhausen

Also schön iss dat nich… - oder doch?!

Text/Fotos Susanne Schöppenthau * » Es ist leicht, an allem etwas auszusetzen und das „Haar in der Suppe einer Gruppenfahrt” zu finden. Das größte „Haar” war für unsere Jugendlichen zunächst die Qual der Wahl. „Wir wollen nicht nach … und auf keinen Fall wollen wir …
Hier ließe sich eine beliebige Liste von Orten und Aktivitäten nennen. Ah ja, und was wollt ihr dann?! Schweigen im Walde, oder besser Schweigen in der Kleingruppe Biegenstraße 44.

Okay, so kamen wir nicht weiter. Also wurden die Betreuerinnen und Betreuer aktiv und suchten nach den schönsten Plätzen in der Republik, die das Kriterium „nicht da und da” erfüllten, erreichbar waren, interessante Möglichkeiten für Aktivitäten boten und nicht zu teuer waren. Einige Städte kamen in die nähere Auswahl, übrig blieb: Essen bzw. Oberhausen, die Kulturhauptstadt Europas.

Los ging’s am schulfreien Samstagmorgen und – ohne dass die Schülerinnen wussten wohin. „Gruppenfahrt ins Blaue” nannten wir das. Allerdings muss man bei dem schlechten Wetter und dem angekündigten Orkan einräumen, dass die Bezeichnung „Fahrt ins Graue” angebrachter gewesen wäre. Nach kaum drei Stunden Fahrt, auf der die Jugendlichen a la „Wer wird Millionär” raten durften wohin die Reise geht, waren wir am Ziel, unserem Hostel „In Hostel Veritas” in Oberhausen. Ein altes Verwaltungsgebäude mit Aussicht auf den Parkplatz und die sechsspurige Durchgangsstrasse. „Schön iss dat nich”, wie meine Kollegin stilecht bemerkte. Aber innen funktional und sehr nett dekoriert.

Vom Hostel aus ging’s zu Fuß Richtung „Centro” von Oberhausen. Das heißt nicht nur so, das sieht auch so aus (also: schön iss dat…). Ebenfalls schon gut aus der Entfernung zu erkennen, das Gasometer, derzeitiger Sitz der Ausstellung „Sternstunden”, in die wir später auch noch wollten.

Mit Ketchup verschmierte Teller

Aber zunächst: Hunger! Also: Essen. Sollte ja in so einem Centro nicht allzu schwierig sein. Leider erwies sich das Speisen- und Getränke-Areal als ziemlich gut versteckt in der Einkaufsladenwüste. Als die ersten von uns schon schlappzumachen drohten, tauchte sie doch noch auf: die „Coca Cola Oase” – ein Mekka des Fastfoods.
Wider Erwarten fand sich ein Tisch im Gedränge, und die meisten bestellten – na was wohl – C…cc..c.. Currywurst.
„Kommste inne Stadt, watt macht Dich da satt..?” Das Ambiente – Pseudoarabische Kitschdeko, Geräuschpegel bei deutlich über 80 Dezibel, Dauervideo von DJ Bobo auf Großbildleinwand – war zwar kaum noch zu toppen, aber es kam noch besser.
Vorn auf einer Bühne bot, unerwartet aber umso dauerhafter, ein junger Mann mit kräftiger Stimme, die aber trotzdem über Mikro verstärkt wurde, Stretching zum Mitmachen an.

Wir entflohen hastig nach draußen, spazierten am Rhein-Herne-Kanal entlang und näherten uns dem Höhepunkt des Tages, unserer Führung am und im Gasometer. Stolze 117,5 Meter hoch, 67,6 Meter Durchmesser und von Alfred Krupp 1928 zur Aufbewahrung des benötigten Gases für die umliegende Industrie gebaut, wie uns unser Führer freudestrahlend verkündete.
Das Gebäude an sich war schon von außen sehr beeindruckend, noch mehr aber von innen. Unterhalb der riesigen durchbrochenen Kuppel schwebt in der 2. Etage der berühmte „größte Mond auf Erden” und überall gibt es Ausstellungsstücke, die uns das Weltall etwas näher brachten – große Modelle, kleine Phiolen mit Mondstaub, Stellwände, echte Satelliten usw.

Der Gästeführer steht vor der Gruppe

Als krönenden Abschluss fuhren wir mit dem gläsernen Fahrstuhl an der Nachbildung des Mondes rückseitig („dark side of the moon”) vorbei aufs Dach des Gasometers und konnten so die Oberhausener Industriefläche von oben betrachten, immerhin mehr grün als gedacht (also: schön…). Ein leckeres Essen beim Italiener rundete den Tag ab.

Eine Schülerin riecht an einem Fläschchen

Am Sonntag fuhren wir nach Essen auf die „Phänomania”, eine Sinnesausstellung, bei der wir ebenfalls eine Führung gebucht hatten. Wir fühlten uns also durch 20 Zisternen mit merkwürdigen Inhalten, rochen an verschiedenen Fläschchen (iih, was ist das denn..Essig?), genossen die Klangschalen und wanderten im Gänsemarsch über Barfußpfade.

Die Gruppe geht im Gänsemarsch

Durchaus belebend und abwechslungsreich das Ganze. Nach einem Besuch im dazugehörigen Café stand schon wieder die Rückfahrt an. Mittlerweile war auch der angekündigte Orkan angekommen und nahm uns ganz schön mit. Beim Stopp an einem Imbiss (schnell noch ne C..C.. Currywurst mit Pommes) wurde die Chronistin beinahe von einem Werbeschild erschlagen. Aber anschließend ging es, zwar mit Behinderungen durch umher fliegende Anhänger auf der Autobahn, ohne größere Verzögerungen nach Hause. Auf die abschließende Frage: „Na, wie fandet Ihr denn nun die Gruppenfahrt?”, kam das Fazit einer Jugendlichen: „Wir haben viel gegessen…” – aber definitiv nicht nur Currywurst.

In der Kulturhauptstadt Europas gibt es Erlebnisse satt und für jeden Geschmack ist etwas dabei.

* Pädagogische Mitarbeiterin im Internat

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