Die Wohngruppe Friedrichstraße 11.1-2 machte Köln unsicher
Dorothee Jarke*, Jaqueline Buss** und Carsten Loh*** » Nachdem wir gemeinschaftlich festgestellt hatten, dass wir nach fünf langen Jahren Abstinenz endlich mal wieder gemeinsam auf Reisen gehen sollten, stellte sich nur noch die Frage, wohin? Zur Wahl standen die unberührte friedliche Natur oder eine Millionenstadt mit unfreiwilligem Demo-Besuch. Wir entschieden uns für die Millionenstadt.
Nach einigen Startproblemen aufgrund der schwierigen Terminfindung einer altersheterogenen blista-WG,
konnten wir uns letztlich doch auf ein gemeinsames Wochenende einigen. Leider konnte ein
WG-Mitglied krankheitsbedingt aber dann doch nicht mitfahren. Nachdem wir am Vortag der Abreise angemessene
Mengen an Brötchen und Aufschnitt besorgt und auch Getränke eingekauft hatten, stand der Abfahrt um 9.35 Uhr nichts
mehr im Wege. Die Zugfahrt war warm und wir waren froh, dass wir mit Sack und
Pack den Zug in Siegen nicht verpassten. Hier trafen wir zum ersten Mal auf eine
Junggesellenabschieds-Gruppe. Diese gaben sich als Mitarbeiter der DB
aus und kontrollierten unsere Fahrkarten. Das taten sie professionell und wir fielen alle
darauf rein. Erst als sie uns „Hochprozentiges” verkaufen wollten, und das sehr bestimmt,
wurden wir stutzig und fühlten ihnen auf den Zahn. Die Herren waren aber gut gelaunt
und unserer Weiterfahrt stand nichts im Wege.
In Köln angekommen, galt es erst einmal, die Jugendherberge zu finden. Nach einer zwischenzeitlich
witzigen Suche, unterstützt durch viele Polizisten, denn zur der Zeit gab
es eine Demonstration in Köln, fanden wir die Herberge, die gar nicht weit
vom Bahnhof entfernt lag. Wir bezogen die behindertengerechten Zimmer und
stellten fest, dass die Zimmer in einem Hotel in der Regel nicht größer sind. Wir
teilten uns, natürlich nach Geschlechtern getrennt, ein Zimmer.
Am gleichen Tag machten wir noch eine schöne, sonnige, unterhaltsame Schifffahrt auf dem
Rhein. So konnten wir die Demo ohne Probleme vom Schiff aus genießen.
Danach gingen wir noch Chinesisch essen. Es nahmen alle gebratene Nudeln mit unterschiedlichen
Beilagen. So etwas nennt sich Gruppenzusammenhalt.
Am gleichen Abend hatten wir auf dem Weg zum Rummel eine Begegnung mit einem
Herrn, der eine unserer Betreuerinnen offensichtlich anziehend fand. Das einzige Problem
war, das beruhte nicht auf Gegenseitigkeit. Dazu muss man wissen, dass es
an den Wochenenden in Köln zu dieser Jahreszeit viele Junggesellen- und Junggesellinnen-Abschiedsfeiern
gibt.
Auf dem Rummel angekommen, hatten wir das Top-Erlebnis der Gruppenfahrt: Am Tisch
uns gegenüber saß Hella von Sinnen (bekannt durch
RTL). Obwohl wir uns eigentlich
nicht „genial” und schon gar nicht
„daneben” benommen haben, freuten wir uns natürlich. Nach einigen durch
Kichern begleitete Diskussionen erklärten sich zwei der Gruppe bereit, Hella von
Sinnen anzusprechen und um ein Foto zu bitten. Auf dem Rückweg zur Herberge
trafen wir übrigens einen zweiten jungen Herrn, der unsere schon erwähnte Betreuerin
ebenfalls attraktiv fand. Irgendwie war sie trotz des netten Abends aber immer noch nicht
in Flirtstimmung und brach das nächste Männerherz.
Nachdem einige den Abend an der Bar verbrachten, hier gab es TV über einen Beamer mit großer Leinwand, und andere schon ihre Betten geheizt hatten, konnte der Weg in die Stadt am nächsten Tag ohne Probleme angetreten werden. Wir besuchten ausgeschlafen und motiviert das Odysseum. Ein Muss für jeden naturwissenschaftlich Interessierten. Auf einzelnen Stockwerken kann man verschiedene Bereiche der Naturwissenschaften besichtigen und erleben. Besonders gefallen haben uns die Genetik, Evolution, Roboter und Raumfahrt. Man wird durch die verschiedenen Stockwerke durch ein blaues Männchen begleitet, allein das ist so lustig, dass es den Besuch schon fast alleine wert ist. Da man im Odysseum wirklich viel selber ausprobieren kann, sollte man sich das nicht entgehen lassen. Es ist das Eintrittsgeld wert.
Nach diesem Erlebnis gab es noch einen Abschluss-Stadtbummel. Während einige zum
Shoppen gingen, besuchten die anderen den Dom. Aber auch die Domgruppe teilte sich
noch einmal auf. Die einen blieben unten und bewunderten zum Beispiel die
Glasfenster. Vier von uns ließen es sich nicht nehmen und erklommen den
Glockenturm.
Danach trafen wir uns verabredungsgemäß mit den anderen und holten unser
Gepäck aus der Herberge, bevor wir die Rückreise antraten. Da wir Lunchpakete hatten,
sind wir auch nicht verhungert.
Die Rückfahrt mit der Bundesbahn verlief dann ohne Zwischenfälle. Wahrscheinlich
waren alle Junggesellen zu Hause und brauchten viel Schlaf!
Wieder zu Hause, freuten wir uns über das überschaubare Marburg und rätseln schon jetzt über die Ziele für die nächste Gruppenfahrt – Edersee oder New York.
* Schülerin Jgst. 13
** Schülerin Jgst. 9
*** päd. Mitarbeiter im Internat
Fotos: Jaqueline Buss
blista