„NachtSicht” beim Theaterfestival in Zagreb

Sehende und sehbehinderte Schüler spielen gemeinsam

Die Theatergruppe „NachtSicht” besteht schon seit vielen Jahren in immer wieder wechselnder Besetzung. Seit etwa einem Jahr gehören neben blista-Schülern auch sehende Schülerinnen aus Marburg zum Ensemble. Gemeinsam war man jetzt zum ersten Mal beim internationalen Theaterfestival „BIT” in Zagreb.

Die Gruppe „NachtSicht” steht vor einer Mauer

Dobar dan! Das ist Kroatisch und heißt Guten Tag. Ist man in Kroatien, hört man diesen Gruß sehr häufig. Ein sehr freundliches Volk, die Kroaten mit ihrer Hauptstadt Zagreb. Zagreb, eine Stadt mit zwei Gesichtern: heruntergekommene, halb zerstörte Häuser auf der einen Straßenseite und glanzvolle, hypermoderne Glas- und Prunkbauten auf der anderen. Es gibt jede Menge Heldenstatuen, ein großes Angebot an Kultur und ein ganz besonderes Theater: „Novi Zivot” (Neues Leben) ist das älteste (seit 1948) und einzige Theater für Blinde und Sehbehinderte in Europa. Nicht nur der Leiter Vojin Peric ist blind, auch viele der Schauspielerinnen und Schauspieler sind blind oder sehbehindert. Alle zwei Jahre findet das Internationale Festival BIT (Theatre of the Blind and Visually Impaired) in dem schönen alten Gebäude statt. Dieses Jahr spielten Gruppen aus Kroatien, Griechenland, den USA, England, Serbien, Slowenien und NachtSicht aus Deutschland! Im Gepäck hatte die Gruppe NachtSicht ihre Eigenproduktion „Fever”, in der es um glühende Leidenschaft, brennende Sehnsucht und die fieberhafte Suche nach dem Glück geht, untermalt von unterschiedlichen Versionen der Lieder „Light my fire” und „Fever”. Groß war die Aufregung vor der Premiere in Kroatien, denn es war der erste richtige Auftritt mit diesem Stück, welches in nur drei Monaten harter Arbeit entstanden ist. Und wie immer, war alles anders, als zu Hause in Marburg!

Szenenfoto aus „Fever”, sechs Mädchen und vier Jungens

Doch die 13 Jugendlichen spielten sich geradewegs in die Herzen der Zuschauerinnen und Zuschauer. Nicht nur, dass sie enorm viel Gefühl und Leidenschaft auf die Bühne brachten, sie beeindruckten vor allem auch durch ausdrucksstarke Choreographien und große Präsenz. Nach dieser glanzvoll gelungenen Premiere fiel allen ein Stein vom Herzen. Noch am Abend beim Eintreffen im Restaurant, in dem die Mahlzeiten gemeinsam mit allen anderen Gruppen eingenommen wurden, bekamen die Ensemblemitglieder von NachtSicht einen donnernden Extra-Applaus. Und auch die Diskussion am nächsten Morgen, welche über jedes Stück geführt wurde, war ausschließlich positiv. Nach sechs Tagen in einem 4 Sterne-Hotel, vielen interessanten Theaterstücken, spannenden Stadtführungen, neuen Kontakten, warmherzigen Menschen und tollen Eindrücken, ging es per Bus und Bahn zurück nach Deutschland. Die Erlebnisse dieses Festivals waren voller Fever!

(Jaqueline Buss)

Ein einzigartiges Erlebnis. Unbeschreiblich! Wir hatten eine einmalig wunder-, wunder-, wundervolle Zeit zusammen. Die sechs Tage, die diese Reise gedauert hat, waren viel zu kurz.
Vielen tausend Dank an alle, die dies ermöglicht haben.
(Johanna Breining, Sterzhausen)

Der kleine rote Koffer ist gepackt, es kann losgehen. Auf nach Zagreb! Das Einzige was noch überwunden werden muss, ist die lange Zugfahrt, aber ich bin ja nicht allein!
Angekommen stehen wir vor unserem Hotel und sind vom Luxus begeistert. Auf dem Weg zum Restaurant zeigt uns Karin noch das Theater, wo wir die anderen, die mit dem Bus gefahren sind, herzlich begrüßen. Dann gibt es Essen, was nun doch eher gewöhnungsbedürftig ist, trotzdem entstehen immer lustige Tischrunden.
Der Samstag lässt nicht lange auf sich warten und wir treten auf. Nach anfänglichen Schwierigkeiten macht es Spaß, zu spielen und dem Publikum gefällt es auch.
Jetzt können wir Zagreb richtig genießen und ich lerne von Anna das Lied „Blindfisch” aus dem Stück „Blickfang”. An einem Abend geht ein Teil von uns aus und wir tanzen bis in den Morgen hinein zu toller Livemusik. Ein anderes Mal führe ich Anna durch die Nacht und werde auch selbst mit geschlossenen Augen von Shari geführt. Das war schon spannend! Allerdings zieht sich Jaqueline einen schmerzhaften Bänderriss zu und muss von da an im Rollstuhl sitzen, aber wir dürfen es natürlich alle auch mal ausprobieren. Außerdem finden wir immer neue Fahrstile, sie hin und her zu fahren. Das war sehr lustig. Und dann ging alles ganz schnell und die interessante, erlebnisreiche, schöne und vor allem erfolgreiche Fahrt war zu Ende.
(Anne Simoni, Wasenberg)

Im Februar ist das Stück im Marburger g-werk, Afföllerwiesen 2a zu sehen.

Die Auftrittstermine:

  • Fr. 10.02.2012 um 20.00 Uhr
  • Sa. 11.02.2012 um 20.00 Uhr
  • So. 12.02.2012 um 18.00 Uhr
  • Mo. 13.02.2012 Schulvorstellung nach Vereinbarung
  • Mo. 13.02.2012 um 18.00 Uhr Derniere

Preise: 8 € Erwachsene / 6 € Jugendliche / ermäßigt für Gruppen ab 8 Personen: 4 €.
Karten gibt es unter: nachtsicht@email.de und unter Tel: 06421-83902.

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