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Herstellung Punktschriftbücher

Punkt für Punkt - Wie entsteht ein Buch in Blindenschrift?

Zuerst entscheidet eine Medienauswahlkommission, welches Buch in Blindenschrift übertragen wird. Auf Anfrage und mit etwas Glück schickt uns der Schwarzschriftverlag ein Arbeitsexemplar des zu übertragenden Buches. Andernfalls muss es gekauft werden. Immer häufiger überlassen uns die Verlage heute sogar den Schwarzschrifttext in digitalisierter Form.

Bleiben wir hier beim Normalfall - dass ein Buch in Schwarzschrift seinen Weg in die Braille-Druckerei findet.

Der erste Weg unseres Buches führt in die Binderei, wo es aufgeschnitten wird. Wir haben dann den Buchdeckel und 'zig einzelne Seiten in der Hand. Warum das so ist, erklärt der nächste Schritt.

Der gedruckte Text des Buches muss nämlich - zwecks weiterer Bearbeitung - in digitaler Form vorliegen. Dazu werden die Seiten eingelesen. Dass man ein Buch nicht komplett in den Scanner legen und seitenweise umblättern kann, wird jedem klar, der weiß, dass die Schwarzschriftausgabe von „Harry Potter“ etwa 5 Zentimeter dick ist.

Nachdem der Text des Buches - immer noch als Schwarzschrifttext - eingelesen wurde, geht er als Datei zur Textbearbeitung. Da alle PCs der Abteilung miteinander vernetzt sind, erübrigt sich das Kopieren auf Datenträger. In der Textbearbeitung wird die Datei mit Steuerzeichen versehen. Sie bewirken z. B., dass bei der späteren übersetzung in Punktschrift Absätze entsprechend eingerückt werden, überschriften vom Programm automatisch in das Inhaltsverzeichnis des Punktschriftbuches übernommen werden oder Fußnoten an die richtige Stelle kommen. Formeln und Tabellen müssen dem späteren Punktschrifttext ebenso angepasst werden wie fremdsprachige Textstellen. Auch der Schwarzschriftseitenwechsel - wegen der späteren Zitierfähigkeit des Punktschrifttextes - wird angegeben. Bei der Bearbeitung wird auch auf eventuelle Fehler im Text geachtet. Neben Manuskriptfehlern, auch die gibt es, sind so genannte Scannerfehler am häufigsten. Je nach Qualität des Manuskriptes kann es zu Buchstabenverwechslungen „l“ statt „I“ oder „rn“ statt „m“ kommen.

Korrektorin mit Vorleserin am Korrektur-ArbeitsplatzIst der Text - immer noch als Schwarzschriftdatei - durchgearbeitet, wird die übersetzung gestartet. Das übersetzungsprogramm - eigentlich sind es mehrere Schritte - läuft automatisch ab. Die Schwarzschriftdatei wird dabei in eine Punktschriftdatei umgewandelt und anschließend formatiert. Standardformat der blista sind 36 Zeichen pro Zeile und 28 Zeilen pro Punktschriftseite.

Die fertige Punktschriftdatei wird dann zum Drucker geschickt. Es folgt das doppelseitige Ausdrucken des Textes über einen Braille-Drucker auf Endlospapier. Anschließend wird der Stapel des bedruckten Endlospapiers geschnitten. Damit haben wir den Text unseres Buches erstmals als taktiles Produkt vor uns liegen.

Dieser geht zusammen mit dem Schwarzschriftbuch zum Korrekturlesen. Beim Lesen des Textes arbeiten jeweils eine blinde Korrektorin und eine sehende Vorleserin miteinander. Sie vergleichen beide Texte wortwörtlich, Punkt für Punkt. Das heißt, jeder Absatz, jedes Interpunktionszeichen und jede Textmarkierung des Schwarzdruckes muss mitgelesen werden. Eine mühselige Arbeit. Eventuelle Fehler werden angestrichen und zudem noch auf Fehlerzettel notiert. Ist das Korrekturlesen beendet, geht alles zurück zur Textbearbeitung.

Hier wird die Schwarzschriftdatei anhand der aufgeschriebenen Fehlerliste korrigiert, nochmals in Punktschrift übersetzt und wieder zum Drucker geschickt.

Der erneut ausgedruckte Punktschrifttext geht wiederum zur Korrekturlesung, wo die Punktschrift mit der Fehlerliste verglichen wird. Schulbücher oder wissenschaftliche Werke sind so kompliziert, dass sie mitunter mehrerer Korrekturlesungen bedürfen. Ist alles o.k., wird die endgültige Datei im Daten-Archiv abgespeichert und unser Werk kann zum Drucken freigegeben werden.

Doch damit sind wir noch nicht am Ende des Produktionsablaufs angekommen. Um keine losen Blätter verkaufen zu müssen, sollten die Punktschriftblätter irgendwie zwischen Buchdeckel gebunden werden. Dafür gibt es unterschiedliche Verfahren. Das gebräuchlichste ist heute das Einlegen der Blätter in Ringordner. Diese gibt es in verschiedenen Rückenstärken. Die Ringordner werden mit Punkt- und Schwarzschriftschildern versehen, auf denen der Autor und der Buchtitel vermerkt sind.

Punktschriftbuch im RingordnerZwischenzeitlich muss für unser fertig gestelltes Buch Werbung gemacht werden. Woher soll der Kunde sonst wissen, dass ausgerechnet dieses Buch in der blista in Punktschrift erhältlich ist? Dafür geben wir mehrmals im Jahr kostenlos das Heft „Medien aus Marburg“ - „MaM“ heraus, in dem die neuesten Punktschrift- und Hörbücher vorgestellt werden.

Geht eine Bestellung für unser Werk ein, rufen wir die Datei aus dem Archiv ab und drucken sie über den Braille-Drucker auf Endlospapier aus. Nach dem Schneiden werden die Blätter in den beschrifteten Ringordner eingelegt und das fertige Punktschriftbuch über den Vertrieb an den Kunden versandt.

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