Politik AG

Schleswig-Holstein in Brüssel?
Blistaner „erobern“ Europas Hauptstadt

Am 07.03.2006, morgens um 9 Uhr war die Politik-AG, ihr Leiter Hans Junker, sowie Wilfried Laufenberg und Zeno Endemann als Betreuer bereit für eine fünfstündige Zugfahrt in die belgische Hauptstadt Brüssel, die auch „heimliche Hauptstadt Europas“ genannt wird. Die Vorfreude war deutlich zu spüren.

In Brüssel angekommen machten wir schnell mit dem „teuren Pflaster“ Brüssel Bekanntschaft. Dafür entschädigte uns eine tolle Stadt mit vielen Sehenswürdigkeiten und Menschen aus scheinbar allen Ländern der Welt.

Am meisten beeindruckte mich die Innenstadt in Brüssel: Moderne Glasbauten im Europa-Viertel standen im Kontrast zu der Altstadt im Zentrum.

In einem dieser modernen Gebäude des Europaparlaments trafen wir uns - nachdem wir mehrere Sicherheitskontrollen durchwandert hatten - mit Tobias Pflüger, einem 31jährigen Abgeordneten der Linkspartei, der als parteiloser Vertreter ins Europäische Parlament gewählt wurde.

Das Gespräch mit ihm hat alle Erwartungen erfüllt. Vor allem die kritischen Äußerungen von Herrn Pflüger gegenüber den nicht immer 100-prozentigen Demokratieprinzipien im Europa-Parlament beeindruckten uns. Tobias Pflüger ist Mitglied im Ausschuss für Auswärtige Angelegenheiten der EU und Vizepräsident für die EU-Delegation für die Beziehungen zu den Golfstaaten und dem Jemen. Deshalb richteten sich unsere Fragen hauptsächlich auf den Konflikt zwischen Israel und Palästina und das Atomprogramm des Irans. Schon bald stellte sich heraus, dass Herr Pflüger die Situation im Nahen Osten für besorgniserregend hält und es sich seiner Meinung nach auch in den nächsten Jahren - wenn alles schief läuft - zu einem kriegerischen Konflikt entwickeln könnte. Da kann man dann nur hoffen, dass es nicht so weit kommt!

Zwar liegen Schleswig-Holstein und Hamburg eindeutig nicht in Belgien, eine Landesvertretung dieser Bundesländer ist allerdings in Brüssel zu finden. Herr Günter Schulz, der stellvertretende Direktor des „Hanse-Office“ - wie sich die Ländervertretung nennt - empfing uns und stellte uns die Arbeit seiner Institution einmal etwas genauer vor. Die Landesvertretung ist 1985 in einer Jugendstilvilla im Europaviertel eröffnet worden, um die Interessen der Bundesländer Hamburg und Schleswig-Holstein auch auf europäischer Ebene zu vertreten. Es war die erste Vertretung von Bundesländern am Sitz von Europäischem Rat, EU-Parlament und EU-Kommission.

Mit Hilfe einer Power-Point-Präsentation wurde uns auf sehr anschauliche Weise der Aufbau des Hanse-Office vorgestellt. Herr Schulz, der mit Herrn Junker befreundet ist, berichtete über die Lobby-Arbeit seiner Institution für Hamburg und Schleswig-Holstein. Da gilt es, alle Gesetzesvorhaben der EU zu verfolgen, Fördermöglichkeiten für die Bundesländer zu erkunden, Kontakte mit Parlamentariern und EU-Kommissaren zu pflegen und PR-Arbeit für die nördlichsten Bundesländer zu machen. Die gastfreundliche Atmosphäre haben wir alle sehr genossen.

Unsere Brüsselfahrt schlossen wir am letzten Tag mit einer Stadtbesichtigung am Donnerstag morgen ab. Durch einen einheimischen, deutschsprachigen Führer, bekamen wir viele schöne Eindrücke von Belgiens Hauptstadt, dem alten Marktplatz mit den prächtigen Zunfthäusern und dem imposanten Rathaus, kleinen Gassen und großzügigen Boulevards. Wir erfuhren von Herrn Junker auch von einer alten historischen Verbindung zwischen Marburg und Brüssel. Sophie, die Tochter der heiligen Elisabeth, hat nämlich den Herzog von Brabant, dessen Hauptstadt Brüssel war, geheiratet. Ihr gemeinsamer Sohn Heinrich wurde 1248 in Marburg der erste Landgraf des neu gegründeten Landgrafentums Hessen mit der Hauptstadt Marburg!

Eine gelungene und informative Reise kann man diesen Dreitagesausflug auf jeden Fall nennen. Brüssel ist durch seine Zuwanderer aus vielen Ländern der Welt, insbesondere aus Afrika, durch seine abwechslungsreichen Stadteile und natürlich auch wegen der großen Europapolitik immer einen Besuch wert. Unsere Unterkunft lag auch absolut zentral: Das Jugendhotel „Sleep Well“, direkt in der Nähe von zwei U-Bahn-Stationen - was unseren Unternehmungen sehr entgegen kam.

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