- Startseite |
- blista Angebote |
- Schulausbildung |
- Schulische Aktivitäten |
- Schüleraustausch |
- Polen
18 Jahre Schüleraustausch mit Polen
Seit 1991 findet jährlich das Schüler-Austauschprojekt mit der Blinden- und Sehbehindertenschule in Krakau statt. An dem Projekt nehmen blinde und sehbehinderte Schülerinnen und Schüler der 11. Klassen beider Einrichtungen teil.
Unsere Partnereinrichtung
Das Bildungszentrum für Blinde und Sehbehinderte in Krakau wurde 1948
gegründet und besteht aus einer 6jährigen Grundschule, an der blinde
Schülerinnen und Schüler aus Südpolen beschult werden, einem
dreijährigen Gymnasium (Sekundarstufe I) und einem Aufbaugymnasium
(Klassen 9 bis 12) mit folgenden Fachrichtungen: Allgemeines Gymnasium,
Fachoberschulen für Tontechniker und Klavierstimmer sowie einer
Fachschule Gartenbau.
In einem Berufsausbildungszweig werden Bürotechniker ausgebildet.
Etwa 300 Schülerinnen und Schüler sind in einem zentralen Internat im
Schulkomplex am Weichselufer direkt gegenüber der Altstadt
untergebracht, in dem auch unsere Austauschgruppe während unseres
einwöchigen Krakau-Aufenthaltes wohnt.
Die Krakauer Schule betreut auch integrativ beschulte Sehgeschädigte an Regelschulen. Sie beschult aber auch einige nicht behinderte Schülerinnen und Schüler an der Krakauer Einrichtung. Momentan besuchen etwa 500 Schülerinnen und Schüler unsere Partnereinrichtung.
Der Schüleraustausch
Das Austauschprojekt ist ein fester Bestandteil des Schulprogramms
beider Schulen. Beide Institutionen lernen voneinander und helfen sich
gegenseitig, ihren Bildungsauftrag zu erfüllen.
Während dieser 18 Jahre ist es zu dauerhaften und festen Beziehungen
zwischen beiden Schulen und Institutionen gekommen. Feste Freundschaften
haben sich insbesondere zwischen dem pädagogischen Personal beider
Institutionen gebildet. Für alle Beteiligten - Schüler und Betreuer - sind
die Austauschprogramme auch mit tiefen emotionalen Erfahrungen verbunden.
Als Deutsche lernten wir in Krakau die umwerfende Gastfreundlichkeit der Polen kennen, deren Sprichwort „Gast im Haus - Gott im Haus“ uns Jahr um Jahr immer wieder aufs Neue demonstriert wurde. Hier konnten wir viel von ihnen lernen.
Anfangs hatten wir als Mitbringesel Hilfsmittel wie Blindenstöcke, Blindenschreibmaschinen, Reliefkarten und Reliefgloben, sowie Unterrichtswerken in Deutsch unseren Freunden in Krakau übergeben können. Mittlerweile hat sich der Ausstattungsgrad der Krakauer Schule dank der Managementkompetenz der Leitung der Einrichtung qualitativ sehr verbessert.
Im Laufe der Jahre konnten wir dann auch sehen, mit welcher Eigendynamik und Energie unsere Partnerschule sich entwickelte. Innerhalb von 10 Jahren war man auch im Bereich der Computertechnologie auf dem europäischen Spitzenniveau angelangt. Die Schule in Krakau expandierte und erweiterte sich um neue berufsbildende Schulzweige. Auch davon haben wir gelernt.
Die Polen - dies sei an dieser Stelle vermerkt - haben, besser als wir Deutschen, den hohen Stellenwert guter Bildung erkannt. Prozentual gibt der polnische Staat mehr Geld für das Bildungswesen aus als das reiche Deutschland.
Gemeinsame EU-Projekte
Aus der Schulpartnerschaft heraus entwickelten sich gemeinsame EU-Projekte, die im Rahmen des Sokrates-Programmes („Comenius I“) seit 5 Jahren in Zusammenarbeit mit weiteren EU-Ländern (Frankreich, Großbritannien, Italien, Spanien, Österreich, Rumänien u.a.) auf den Weg gebracht wurden. Erwähnt werden muss in diesem Zusammenhang ein europaweites Theater-Projekt in Marburg sowie ein Kunst-Projekt in Brüssel.
Unterrichtliche Begleitung
Das Austauschprojekt wird in den Fächern Geschichte sowie Politik und Wirtschaft vorbereitet. Bei dem Aufenthalt in Polen besuchen die deutschen Gruppen auch für zwei Tage die Konzentrationslager Auschwitz und Birkenau, um Einblicke in das dunkelste Kapitel der deutschen Geschichte zu bekommen.
Im Mittelpunkt steht jedoch die Begegnung mit den gleichaltrigen Jugendlichen beider Nationen, das gemeinsame Gespräch, gemeinsame Ausflüge, Singen und Tanzen. Probleme ergeben sich immer wieder im Zusammenhang mit den leider nicht so gut entwickelten fremdsprachlichen Ausdrucksmöglichkeiten der polnischen Schüler, von denen leider nur sehr wenige gut in Deutsch oder Englisch kommunizieren können. Aus Polen stammende Schülerinnen und Schüler sowie Russlanddeutsche sind uns deshalb auch eine große Hilfe bei Übersetzungsproblemen, da alle slawischen Sprachen sich sehr ähnlich sind. 1992 war eine serbische Schülerin völlig aus dem Häuschen: „Ich verstehe fast jeden Satz!“
Beim Gegenbesuch in Marburg versuchen wir, die überwältigende Gastfreundschaft unserer polnischen Freunde zu erwidern - auch auf privater Ebene, was für die Festigung unserer Beziehungen sehr wichtig war und ist.
Das Besuchsprogramm in Marburg
Neben den obligatorischen Programmpunkten wie Schul- und Stadtbesichtigung stehen auch immer zwei Tagesausflüge auf dem Programm, an dem alle Schüler teilnehmen. In diesem Jahr führten sie uns in den Hessenpark und die Saalburg sowie in den Freizeitpark Phantasialand bei Köln.
Es stimmt uns froh, dass wir jedes Jahr keine Probleme haben, Austauschgruppen für den Schüleraustausch mit Polen zusammenzustellen. Ganz offensichtlich trägt dazu auch die gute Mund-zu-Mund-Propaganda der Schülerinnen und Schüler bei. Sicherlich spielt dabei eine Rolle, dass wir mit Krakau auch die schönste Stadt Polens besuchen und unsere polnischen Freunde keine Kosten oder Mühen scheuen, uns ein ansprechendes kulturelles, aber auch touristisches Programm - mit Ausflügen in die Tatra oder in das Salzbergwerk von Wielicka - zu bieten.
Hans Junker, verantwortlicher Lehrer für das Austauschprogramm
blista