Praktikum Fremdsprachensekretariat

Jung, ledig, abenteuerlustig - Nix wie weg…

Es war einmal eine Schule, die hatte einen neuen Schulzweig eingerichtet. Die Kunde davon verbreitete sich allmählich durchs ganze Land also machte sich jedes Jahr eine Schar Lernwilliger auf den Weg nach Marburg, um sich an der dort ansässigen „blista“ zur „Staatlich geprüften Kaufmännischen Assistentin“ / zum „Staatlich geprüften Kaufmännischen Assistenten für das Fremdsprachensekretariat“ ausbilden zu lassen.

Auch im Jahr 2004 meldeten sich 7 Mädels und 1 junger Mann. Jeden Tag ließen sie es sich dort gut gehen, lernten eifrig diverse Fremdsprachen, Wirtschaftslehre, Sekretariatskunde, IT-Anwendungen und andere nützliche Dinge.

Eines Tages aber sprachen ihre Lehrer:
„Kinners, das hilft nu nix, ihr müsst auch mal raus ins Leben!  It's time to say goodbye.“ oder „Vous êtes grands et libres!“ und „Hasta la vista“.

Für 4 bis 5 Wochen sollten sie praktische Erfahrungen im Berufsleben sammeln und das praktischerweise auch noch im Ausland.
Folgsam machten sich die „Kinners“ daran, sich Praktikumsstellen zu suchen und zu finden.
Dies war nicht immer einfach und gestaltete sich als recht zeitaufwändig, ja bisweilen Nerven zehrend, aber letztendlich waren alle Bemühungen von Erfolg gekrönt (wobei sich persönliche Kontakte sowohl von Eltern als auch Lehrern als äußerst hilfreich erwiesen).

Ein Aufenthalt im Ausland ist bekannterweise mit allerlei Kosten verbunden (Fahrtkosten, Unterkunft, Verpflegung etc.). Daher entschloss sich die Carl-Strehl-Schule mit den Kaufmännischen Schulen Marburg zu kooperieren und gemeinsam bei der EU einen Unterstützungsantrag zu stellen, der auch glücklicherweise sofort bewilligt wurde. Auf diese Weise erhielten die Praktikanten durch das Programm Leonardo Da Vinci II finanzielle Unterstützung aus EU-Mitteln.

Im September 2005 brachen sie dann alle auf, gen Norden (Finnland), Westen (Irland) und Süden (Frankreich, Spanien), um zu erfahren, wie es in der europäischen Arbeitswelt so zugeht.

Ein paar Eindrücke

von links: Linda Hausmann, Tamara Piontek, Ines Ferring, Ines Mayer, Michael Cesarz Szymanski, Maria Blobel, Gabriele Thelen „Vor der Abreise hatte ich größte Bedenken ob ich den sprachlichen und fachlichen Anforderungen der Praktikantenstelle gewachsen bin, aber es stellte sich heraus, dass ich bereits nach einer Woche sowohl französisches Radio als auch Fernsehen teilweise verstanden hab.
Fazit: Es klappt immer besser als man vorher denkt!“
Michael Cesarz Szymanski, Angers (Frankreich)

„Trotz anfänglicher Probleme mit der Sprache konnte ich mein Französisch doch gut aufbessern und mich gut verständigen.“
Ines Ferring, Angers (Frankreich)

„Die Arbeitsatmosphäre war viel entspannter als ich sie von Deutschland her kenne und trotzdem wurde immer alles rechtzeitig erledigt, eigentlich ein Wunder“.
[intern]Praktikumsbericht (rtf, 57 KB),
Gabi Thelen, Dublin (Irland)

„Es war eine außerordentlich positive Erfahrung, da es mein Selbstbewusstsein enorm gesteigert hat. Für die Menschen in Finnland war meine Behinderung überhaupt kein Problem“.
Tamara Piontek, Vaasa (Finnland)

„Die Franzosen sind in meinen Augen viel freundlicher und herzlicher als die Menschen in Deutschland. Der Kontakt zu Gasteltern und Arbeitskollegen bleibt bisher weiter bestehen.“
[intern]Praktikumsbericht (rtf, 22KB),
Maria Blobel, Figeac (Frankreich)

„Ich fühlte mich dort gut aufgehoben und dank meiner hilfsbereiten Kollegen konnte ich in Frankreich gut Fuß fassen und hatte Spaß an der Arbeit.“
Linda Hausmann, Poitiers, (Frankreich)

Es soll auch nicht verschwiegen werden, dass eine Praktikantin leider schon nach zwei Tagen zurück nach Deutschland zurückkehren musste, da man weder am Arbeitsplatz noch in der privaten Unterkunft bereit war, sich auf die speziellen Bedürfnisse einer Blinden einzustellen.

„Auch private Kontakte sind nicht immer das Beste. Es war schon ein Schock zu erfahren, dass man nicht überall mit seiner Behinderung akzeptiert wird.“
Ines Mayer, Barcelona (Spanien).

(Fast) Alle kehrten wohlbehalten, zufrieden und selbstbewusster denn je zurück, im Bewusstsein „es“ nicht nur im Berufsleben sondern auch in einer gänzlich fremden Umgebung „geschafft“ zu haben, nahmen ihre Studien in Marburg wieder auf und wenn sie nicht gerade lernen so schwärmen sie noch heute.

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