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Pädagogisches Konzept

Die Kinder, Jugendlichen und jungen Erwachsenen bringen zum Zeitpunkt ihrer Aufnahme im Internat unterschiedlichste Vorerfahrungen und Voraussetzungen mit.

Einige lebten bereits mehrere Jahre im Internat einer anderen Blinden- oder Sehbehindertenschule. Ein großer Teil jedoch hatte vor dem Wechsel in die blista sein persönliches Lebensumfeld ausschließlich in der Familie, entweder als „Fahrschüler“ in einer sonderpädagogischen Einrichtung, oder integriert beschult in einer Regelschule.

Der Anteil blinder, hochgradig sehbehinderter und sehbehinderter Schülerinnen und Schüer liegt jeweils bei einem Drittel. Nicht selten sind fortschreitende Augenerkrankungen, die im Verlauf der schulischen Ausbildung bis zur Erblindung führen. Wiederum etwa ein Drittel unserer Schülerschaft ist durch teilweise chronische Zusatzerkrankungen oder durch weitere Körperbehinderungen belastet.

Gesellschaftliche Realitäten wirken sich selbstverständlich auch in unserer Schülerschaft aus. Dieser Sachverhalt bedeutet für einzelne unserer Schülerinnen und Schüler weitere zusätzliche Belastungen, wie etwa Auffälligkeiten in der Persönlichkeitsentwicklung und im Sozialverhalten, unvollständige Familien, Gewalterfahrungen, Suchtgefährdung usw.

Grundlage für unsere pädagogischen Zielsetzungen ist eine ganzheitliche Betrachtung des Individuums und ein möglichst optimales Zusammenwirken der pädagogischen Fachkräfte verschiedener Abteilungen der Einrichtung.

Die wohl wichtigste Voraussetzung für das Erreichen aller weiteren pädagogischen Zielsetzungen ist ein Klima emotionaler Geborgenheit. Die Kinder, Jugendlichen und jungen Erwachsenen sollen sich im Internat wohl fühlen, sich „zu hause“ fühlen, sie sollen die Sicherheit entwickeln, als einzigartige Person mit Stärken und Schwächen angenommen zu werden und sich auf dieser Grundlage entwickeln können.

Die pädagogischen Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen und die einzelne Wohngruppe können und sollen die Familie nicht ersetzen, sondern stellen eine Ergänzung zur Familie dar. Eine Vielzahl von Entwicklungen, die normalerweise in der entsprechenden Altersstufe in der familiären Gemeinschaft geschehen, werden durch uns begleitet, eingeleitet und gefördert. Hieraus ergibt sich die Notwendigkeit einer intensiven Zusammenarbeit mit den Eltern.

Durch altersgerechte Anforderungen sollen die Kinder, Jugendlichen und jungen Erwachsenen Schritt für Schritt lernen, Verantwortung für sich und andere zu übernehmen.

Jede der uns anvertrauten Personen erhält eine ihrem Entwicklungsstand, ihren Möglichkeiten und Grenzen angepasste individuelle Förderung.

So wenig es einen definierten Mindeststandard an Kenntnissen und Fertigkeiten zum Zeitpunkt der Aufnahme ins Internat gibt, so wenig existiert ein Katalog von Minimalzielen, welcher von allen Bewohnerinnen und Bewohnern bis zum Abschluss der Maßnahme erreicht werden muss. Vielmehr orientiert sich unser pädagogisches Bemühen daran, jeden Einzelnen im Rahmen seiner Möglichkeiten optimal zu fördern. Hierzu gehört es auch, beim Einzelnen ein Bewusstsein und eine Akzeptanz seiner persönlichen Grenzen zu fördern.

Ein zentrales Ziel unserer Arbeit ist es, die Jugendlichen und jungen Erwachsenen zu einer möglichst weit reichenden Selbstständigkeit zu führen. Durch unsere Begleitung wollen wir jeden einzelnen in die Lage versetzen, trotz seiner Behinderung sein Leben nach Abschluss der schulischen Ausbildung weitgehend eigenständig gestalten und organisieren zu können.

„Selbstständigkeit“ ist dabei nicht abstrakt zu betrachten, sondern wiederum konkret auf die einzelne Person zu definieren.

Neben einem guten Schul- und Ausbildungsabschluss sind die sozialen Fertigkeiten und die soziale Kompetenz von mindestens ebenso großer Bedeutung für eine zufrieden stellende und erfolgreiche Lebensgestaltung. Ein der Situation angemessenes Gesprächsverhalten, Konfliktfähigkeit, die Fähigkeit zu Kritik und Selbstkritik, die differenzierte Wahrnehmung der Bedürfnisse anderer, ein gesundes Selbstbewusstsein, Rücksichtnahme und vieles mehr sind Aspekte sozialer Kompetenz, die gerade für Sehgeschädigte von hoher Bedeutung sind, da sie sich mit einer weitgehend visuell orientierten Welt arrangieren müssen.
Soziale Kompetenz entwickelt sich jedoch nicht durch das Wissen über soziale Situationen, sondern nur über das konkrete Handeln. Insofern sind wir bemüht, die soziale Kompetenz der Jugendlichen und jungen Erwachsenen dadurch zu fördern, dass wir gezielt Situationen gestalten, in denen unterschiedliche Erfahrungen gesammelt und reflektiert werden können.

Die Ausbildung und Förderung an einer Sondereinrichtung für Blinde und Sehbehinderte soll nicht in eine Sackgasse führen, sondern soll die Grundlage schaffen für eine persönliche und gesellschaftliche Integration. Zu diesen Grundlagen zählen die Orientierungsfähigkeit, die Beherrschung der lebenspraktischen Fertigkeiten und die Fähigkeit, mit Hilfsmitteln umzugehen ebenso wie die sozialen Kompetenzen.

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