Leitfaden für die Gestaltung einer blinden– und sehbehindertengerechten Küche

Vorwort

Die Einrichtung einer blinden- und sehbehindertengerechten Küche erfordert grundlegendes Fachwissen über spezielle Bedürfnisse blinder und sehbehinderter Menschen und über viel Erfahrung aus der Zusammenarbeit mit ihnen.

Absicht des vorliegenden Leitfadens ist es, wesentliche Kriterien zusammenzutragen, die den aktuellen Qualitätsstandards entsprechen.
Die Praxis hat immer wieder gezeigt, wie schwierig es ist, einerseits den blinden- und sehbehindertenspezifischen Aspekten und andererseits den Vorstellungen sehender Menschen gleichermaßen gerecht zu werden.

Es entstand die Idee, einen Leitfaden zu erarbeiten, der die o.g. Kriterien berücksichtigt und sich auch mit Fragen der Ausstattung, bestimmter Qualitätsmerkmale, Sicherheitsaspekten und geeigneten Materialien auseinandersetzt. Die Zusammenarbeit mit einem Küchenfachmann schien uns unumgänglich. Das Küchenstudio Martin List aus Marburg gab uns die entsprechenden Hinweise.

Der Leitfaden richtet sich an die Betreuer und Betreuerinnen aus dem Internatsbereich aber auch an interessierte Personen, die sich beruflich oder privat mit diesem Thema näher befassen möchten.
Der Leitfaden kann die Beratung durch eine Fachkraft der Blinden- und Sehbehindertenrehabilitation nicht ersetzen.

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Allgemeine Vorüberlegungen

Im Folgenden werden allgemeine Kriterien erstellt, die es grundsätzlich zu berücksichtigen gilt:

  • Sicherheitsaspekte entsprechend der DIN-Normen müssen berücksichtigt werden
  • Aspekte wie Effektivität, Ästhetik, Bequemlichkeit sind bei den Vorüberlegungen zu beachten (Prinzip der kurzen Wege)
  • Immer auf Kontraste, Helligkeit, Farbe und Form als wesentliche Komponenten der optischen Gestaltung achten
  • Arbeits- und Abstellflächen sollten großzügig bemessen werden
  • Arbeitsplatten sollten in einer Tiefe von mindestens 65 cm geplant werden. Dies ermöglicht eine einfache Verlegung von vorhandenen Installationen und gewährleistet beim Einsatz von Hängeschränken mit Falttüren eine optimale Kopffreiheit.
  • Abschluss- und Sockelleisten sollten einen dichten und sauberen Abschluss zu Wänden und Böden haben. Sockelleisten müssen abnehmbar sein. Farbig abgesetzte Sockelleisten haben den Vorteil, einen zusätzlichen Kontrast zu Frontflächen und zum Fußboden zu bilden und erleichtern die Bodenpflege
  • Die Anordnung der Möbel im rechten Winkel erleichtert die Orientierung
  • Abgerundete Kanten und Ecken verhindern Verletzungsgefahr
  • Die Möbel müssen einen guten Kontrast zur Stellfläche (Boden), Arbeitsfläche und Wand bieten
  • Schranktüren sollten derart gestaltet sein, dass bei geöffneten Türen keine Verletzungsgefahr besteht, z.B. durch Einsatz von Falttüren bzw. horizontalen Rollläden.
  • Um einen gezielten Zugriff auf Griffe jeglicher Art zu ermöglichen, sollten diese groß, breit und kontrastierend sein
  • Alle verwendeten Oberflächen müssen gut und einfach zu reinigen sein
  • Funktionszonen der Küche sollten idealer Weise nach den Kriterien Aufbewahren, Vor- und Zubereiten, Spülen, Kochen und Abstellen von links nach rechts angeordnet sein (für Rechtshänder)
  • Spüle und Herd sollten nahe beieinander geplant werden jedoch mit einem Mindestabstand von 60 cm.
  • Die Geschirrspülmaschine ist neben der Spüle zu platzieren
  • Auf ergonomische Aspekte wie z.B. Arbeitshöhe (hier haben die DIN-Maße mit den veränderten Körpergrößen der Benutzer nicht mitgehalten), Unterschränke mit Vollauszügen, sowie Platzierung von Geräten und Gegenständen in bequemer Höhe achten, z.B. Backofen, Mikrowelle, Geschirrspüler, Kühlschrank

Grundsätzlich sollte vor Einbau einer neuen Küche über Umbaumaßnahmen nachgedacht werden, wenn diese für die Erfüllung der genannten Kriterien sinnvoll ist, z.B. Entfernen einer Wand, um mehr Bewegungsfreiheit zu schaffen und die Tageslichtausbeute zu optimieren, Versetzen einer Heizung, wenn dadurch eine sinnvollere Anordnung von Mobiliar erzielt werden kann etc. Hier sollten bei einer Kosten / Nutzenanalyse die erreichbaren Vorteile und nicht der finanzielle Mehraufwand im Vordergrund stehen.

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Elektrogeräte

Herd bzw. Backofen

Der Einbauherd: Herd und Kochfeld werden übereinander eingebaut.
Die Steuerung des Kochfeldes erfolgt über den Einbauherd.

Der Backofen: Einbau erfolgt unabhängig vom Standort des Kochfeldes in ergonomisch sinnvoller Höhe. Hierbei gilt als Richtwert:
Unterkante Backofen = Oberkante Arbeitsplatte, abhängig von der Größe der Nutzer.

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Das Kochfeld

Sowohl das konventionelle Muldenkochfeld (Gusskochplatten) als auch das Ceran Kochfeld können von blinden und sehbehinderten Personen genutzt werden.
Der Trend geht jedoch eindeutig zu Glaskeramikfeldern. Da Glaskeramikflächen eine glatte Oberfläche ohne Höhenunterschiede besitzen, haben sie den Vorteil, dass sie leicht zu reinigen sind und dass das Kochgeschirr nicht so exakt zentriert werden muss wie beim Muldenkochfeld. Allerdings ist bei der Anschaffung darauf zu achten, dass die Kochzonen erkennbar sein müssen durch unterschiedliche Oberflächenstrukturen. Beim Verschieben der Töpfe werden hör- und fühlbare Abgrenzungen der einzelnen Zonen wahrnehmbar, sodass sie zentriert werden können.

Allgemein gilt: Die Bedienung erfolgt über Bedienschalter (am Herd), die im Idealfall bei den einzelnen Temperatureinstellungen einrasten, ansonsten jedoch durch ihre Formgebung und Oberflächenbeschaffenheit (glatt) eine taktile Markierung bzw. Orientierung ermöglichten. Leider geht hier der Trend zu stufenlosen und versenkbaren Schaltern.
Schalter, die in der Null-Position in der Bedienleiste versenkbar sind, müssen auf o.g. Kriterien überprüft werden.
Beim Einsatz eines vom Backofen getrennten Kochfeldes muss die Bedienung über einen Schaltkasten erfolgen. Eine Bedienung auf dem Kochfeld ist ungeeignet und teilweise auch gefährlich.
Sensortasten (Touchscreen) sind grundsätzlich ungeeignet (siehe auch Induktion)

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Induktionskochfelder

Diese sind beim jetzigen Ausstattungsstandard in jeder Hinsicht ungeeignet, da die Bedienung über nicht wahrnehmbare Sensortasten direkt auf dem Kochfeld erfolgt. Dadurch besteht Verbrennungsgefahr durch die unmittelbare Nähe zum Kochfeld. Des Weiteren wird das Koch- und Bratgut erheblich schneller erhitzt als bei herkömmlichen Herden, was schnelleres Agieren und Reagieren für den Nutzer erforderlich macht.

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Der Backofen

Der Backofen sollte über ein leicht und sicher zu bedienendes Auszugssystem (Teleskopschienen) verfügen, da das Brat- und Backgut außerhalb der Hitzequelle auf die Schienen gesetzt und auch entnommen werden kann.

Die Auszüge müssen sicher und bedienungsfreundlich sein.

Die Bleche müssen beim Einschieben zwangsläufig in eine Sicherung gegen Herausfallen einrasten. Hier gibt es erhebliche Qualitätsunterschiede!
Bei einem getrennt eingebauten Backofen ist auf eine ergonomisch günstige Arbeitshöhe (siehe oben) zu achten.

Neben dem Backofen muss sich eine mindestens 60 cm breite Arbeitsfläche befinden, um das sichere Abstellen des Backbleches in unmittelbarer Nähe des Backofens zu gewährleisten (Prinzip der kurzen Wege).

Bei der Türkonstruktion sollte der Griff so beschaffen sein, dass er sich entsprechend dem Öffnungswinkel anpasst (Slide and Hide). Dadurch kann die Griffposition der Hand und des Handgelenks bequem beim Öffnen und Schließen der Tür beibehalten werden (Slide). Ein Umgreifen ist nicht erforderlich. Auf optimale Ausleuchtung des Innenraumes sollte geachtet werden.

Herd bzw. Backofen sollten in die Energieeffizienzklasse A eingestuft sein.

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Die Geschirrspülmaschine

Es wird unterschieden zwischen teilintegrierten (Bedienleiste befindet sich an der Front der Maschine oberhalb der Tür und ist somit sichtbar) und voll integrierten Geräten. Der Trend geht eindeutig zu den voll integrierten Geräten, bei denen die Bedienertasten im oberen Innenbereich der Tür angebracht sind. Die Tasten unterbrechen somit nicht die Gesamtfront des Gerätes (ästhetischer Aspekt), können aber nur bei geöffneter Tür bedient werden und funktionieren oft mittels Sensortasten oder sind den Funktionen nur schwer zuzuordnen.

Hier muss auf folgende Kriterien geachtet werden:
Das Gerät sollte teilintegriert sein (sichtbare Bedienleiste) und über eine einfache Bedienung verfügen, d.h. mit Drucktasten ausgestattet sein.

  • Die Tasten sollten jeweils mit nur einem Programm belegt sein.
  • Durch Drücken der jeweiligen Taste muss das Programm bestimmt werden können.
  • Geschirrkörbe sollten variabel in der Bestückung sein.
  • Eine sichere Führung der Geschirrkörbe ist wichtig.
  • Einige Geräte verfügen über eine spezielle „Besteckschublade“, welche sich oberhalb der beiden Geschirrkörbe befindet und somit platzsparend ist. Für einige blinde und sehbehinderte Menschen ist das Einsortieren der einzelnen Besteckteile allerdings schwieriger als bei den herkömmlichen Besteckkörben, da das Besteck in einer bestimmten Anordnung hintereinander einsortiert werden muss. Hier sollten Vor- und Nachteile sorgfältig gegeneinander abgewogen werden!
  • Das Gerät sollte sowohl von rechts als auch von links zu bestücken sein.
  • Es sollte geräuscharm arbeiten.
  • Der Geschirrspüler sollte die Effizienzklasse -Reinigung A- Trocknung A - Energie A aufweisen.

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Die Dunstabzugshaube

Dunstabzugshauben oder auch Dunstessen genannt sollten abhängig von Raumgröße und baulichen Gegebenheiten ausgesucht werden und folgende wichtige Merkmale aufweisen:

  • Die Konstruktion muss optimale Kopffreiheit gewährleisten, um Verletzungsgefahr durch Anstoßen auszuschließen.
  • Die Ausleuchtung muss sehr gut und blendfrei sein
  • Das Gerät sollte auch bei höchster Einstellung eine leise Geräuschentwicklung gewährleisten.
  • Die Entnahme und das Einsetzen der Metallfettfilter zwecks Reinigung sollten einfach zu handhaben sein.
  • Die Reinigung der Filter muss problemlos in der Spülmaschine erfolgen können.

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Die Mikrowelle

Das Gerät sollte mit zwei Drehschaltern ausgestattet sein, damit Wattzahl und Zeit gesondert einstellbar sind.
Die Schalter sollten in Bezug auf Form und Oberfläche übersichtlich und eindeutig markierbar sein.
Sensorschalter und Bedienertasten mit Mehrfachbelegung sind ungeeignet. Bei der Standortauswahl muss unbedingt auf die sichere, ergonomische und schnelle Entnahme und Abstellmöglichkeit von heißen Speisen geachtet werden, d.h. der Standort sollte sich auf einer ausreichend großen Arbeitsfläche befinden und nicht wie oft favorisiert in Augenhöhe bzw. Greifhöhe, da dies eine sichere Entnahme heißer Speisen oder Flüssigkeiten erschwert und die Gefahr des Verbrennens bei der Entnahme heißer Speisen und Getränke erhöht.

Die Entnahme und das Aufsetzen des Drehtellers zwecks Reinigung müssen einfach handhabbar sein.

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Der Kühlschrank

Zum Einsatz können kommen:

  1. Standgeräte
  2. Einbaugeräte

Je nach Bedarf und Anzahl der nutzenden Personen sollte ein ausreichend großer Kühlschrank mit oder ohne integriertem Gefrierteil (Kühl-/Gefrierkombination) gewählt werden.

Bei Einbaugeräten sollte auf eine ergonomisch sinnvolle Einbauhöhe geachtet werden.
Der Kühlschrank sollte über eine gute Innenbeleuchtung verfügen.
Die Innenaufteilung ist abhängig vom Nutzerprofil.

Einlegeböden sollten leicht zu entnehmen und gut zu reinigen sein. Glas bietet sich hier aus hygienischen Gründen an.
Ungünstig sind Einlegeböden mit Gitterstäben, da hochwandige Gefäße und Verpackungen nicht standsicher gelagert werden können und die Reinigung schwierig ist.

Es sollten Geräte mit Energieeffizienzklasse A, A+ oder A++ zum Einsatz kommen.

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Der Allesschneider

Bei einer Neuanschaffung sollte darauf geachtet werden, dass keine elektrischen sondern mechanische (Handkurbel) Geräte gekauft werden, da die Handhabung einfacher und vor allem ungefährlicher ist.
Die meisten Geräte haben zwecks Rutschfestigkeit Saugfüße an den Ecken der Unterseiten. Da diese ihrer Funktion, vor allem wenn die Arbeitsfläche nicht ganz glatt ist, nicht ausreichend gerecht werden, muss das Gerät möglicherweise zusätzlich fixiert werden.

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Mobiliar

Bei der Auswahl des Mobiliars ist neben den Aspekten Funktionalität, Langlebigkeit und Ästhetik auch auf Farbe, Oberflächengestaltung und Materialauswahl zu achten. Dies ist besonders wichtig vor dem Hintergrund, dass bei der Neuanschaffung einer Küche einerseits auf die besonderen Bedürfnisse blinder und sehbehinderter Menschen einzugehen ist, andererseits die ästhetische Komponente verständlicherweise nicht zu kurz kommen soll.

Zudem handelt es sich um eine Investition, die über mindestens 15-20 Jahre den Anforderungen unserer Zielgruppe gerecht werden soll.

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Die Arbeitsfläche

Sowohl in Bezug auf die Arbeitsflächenhöhe als auch auf die -tiefe haben sich die bisherigen Standardmaße insofern verändert, als dass die Menschen größer werden als früher. Man wählt heutzutage eine Mindesthöhe von 86 cm, eher jedoch 92 cm oder noch höher.
Ausschlaggebend ist natürlich auch hier, wer in der geplanten Küche arbeiten wird.

Empfehlenswert ist ein durchweg gleiches Höhenniveau bei verschiedenen Arbeitsflächen.

Bei der Bemessung der Arbeitsflächentiefe geht der Trend ganz allgemein ebenfalls zu größeren Maßen. Hier empfiehlt es sich, eine Tiefe von mindestens 65 cm evtl. sogar 70 cm zu wählen. Vorteilhaft sind dabei eine größere Flächennutzung und die Gewähr, dass Hängeschränke mit Falttüren nicht über die Breite der Arbeitsfläche ragen.

Die Farbe der Arbeitsfläche muss in einem guten Kontrast sowohl zur dahinterliegenden Wand als auch zur Front des Mobiliars gewählt werden, d.h. dunkle Arbeitsfläche bei hellem Korpus und heller Wand oder genau umgekehrt.

Das Material muss so beschaffen sein, dass die Oberfläche matt ist, um bei ungünstigem Licht Blendung zu vermeiden.

Die Fläche sollte möglichst einfarbig sein, d.h. Muster und Imitationen (z.B. Marmor, Holzmaserung, Punkte etc.) vermieden werden, da vor allem kleinere Gegenstände auf Mustern schlecht wahrgenommen werden können.

Die Oberflächen sollten leicht zu reinigen sein (keine Struktur).

Bei der Materialauswahl ist auf die genannten Qualitätskriterien zu achten.

Blenden, Kanten und Abschlüsse können einen zusätzlichen Kontrast zur umgebenden Fläche bilden. Auch hier ist auf Qualität zu achten.

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Die Schrankfronten

Bei der Farbwahl muss auf einen guten Kontrast zur umgebenden Fläche geachtet werden, z.B. dunkler Korpus bei heller Arbeitsfläche und hellem Fußboden oder genau umgekehrt. Falls die Wahl auf einen hellen Korpus fällt und der Fußboden ebenfalls hell ist, kann durch Verwendung einer dunklen, hohen Sockelleiste auch hier ein Kontrast geschaffen werden.

Die Fronten müssen leicht zu reinigen sein und durch ihre Oberflächenbeschaffenheit eine besonders hohe Kratz-, Abrieb- und Chemikalienfestigkeit aufweisen.

Hochglänzende Fronten sind grundsätzlich ungeeignet, da sie einen unerwünschten Blendungseffekt haben.

Metallfronten (Aluminium bzw. Edelstahl) sind ebenfalls ungünstig, da sie sehr pflegeaufwändig und kratzempfindlich sind. Außerdem sind die meisten Griffe heutzutage ebenfalls in mattiertem Metall erhältlich, sodass der Aspekt der Kontrastierung hier nicht berücksichtigt werden könnte.

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Aufbewahrung

Einlegeböden

Diese müssen über eine hohe Stabilität verfügen und gegen Herausfallen gesichert sein. Ideal sind hier Bodenträger aus Metall mit Kippsicherung.
Bei der Entscheidung für Glaseinlegeböden ist eine beleuchtete Kante zusätzlich von Vorteil.

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Schubkästen und Auszüge

Diese sollten mit einem Vollauszugssystem ausgestattet sein, d.h. optimale Stauraumnutzung, bequemer Zugriff und taktiler Überblick über den Inhalt.

Um eine optimale Stauraumnutzung zu erzielen, empfehlen sich außerdem Auszüge mit hoher Rückwand und Seitenerhöhung.
Sinnvoll ist eine rutschfeste Spezialbeschichtung, die für festen Stand bei Tellerstapeln, Vorräten und Töpfen sorgt. Außerdem entstehen keine Abriebstellen und Schleifspuren.

Gerundete Wischkanten sorgen für besondere Pflegeleichtigkeit.

Das so genannte „Soft-Motion“ Prinzip bewirkt ein selbständiges und leises Schließen von Schubkästen, Auszügen und Türen durch sanftes Abstoppen und Selbsteinzug.

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Schubkastenausstattungen

Generell spielen Schubkasteneinsätze für blinde und sehbehinderte Menschen eine besonders wichtige Rolle, da diese im besonderen Maße auf Ordnungssysteme angewiesen sind. Welches System und welche Aufteilung gewählt werden, hängt natürlich auch immer von individuellen Gewohnheiten und Vorlieben ab.

Sinnvoll ist es, bestimmte Schubladen so zu bestücken, dass auch hier das Prinzip der kurzen Wege greift, also z.B. Kochutensilien in unmittelbarer Nähe zum Herd einzusortieren, ebenso Töpfe, Pfannen und Schüsseln.

Besteckeinsätze sind in Kunststoff, spülmaschinenfesten gerundeten Edelstahlschalen, die sich individuell zusammenstellen lassen und herausnehmbar sind sowie in Holz erhältlich.

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Schrankeinteilungen

Bei Vorratsschränken ist auf Übersichtlichkeit und optimalen Zugriff zu achten, d.h. die Vorratskörbe müssen ausziehbar sein.

Bei Hochschränken mit Frontauszügen bieten höhenverstellbare Auszüge schnellen Zugriff und ermöglichen eine optimale Stauraumnutzung.

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Karussell-Eck-Unterschränke

Diese haben den Nachteil, dass der verfügbare Stauraum nicht optimal genutzt werden kann. Außerdem ist es fast unmöglich, nach hinten heruntergefallenes Kochgeschirr wieder herauszuholen. Es werden verschiedene Systeme im Fachhandel angeboten.

Es wird empfohlen, bei der Planung auf Eckschränke zu verzichten. Der Einsatz von Auszugsschränken ist für unsere Zielgruppe sinnvoller.

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Mülltrennung

Alle integrierbaren Mülltrennungssysteme, die aufgrund ästhetischer und platzsparender Aspekte unsichtbar hinter den Schrankfronten verschwinden, sind aus folgenden Gründen für blinde und sehbehinderte Menschen ungeeignet:
Sie bieten ungenügend Platz, da die Einsätze für einen 4 Personenhaushalt konzipiert und deshalb die einzelnen Behälter sehr klein sind.

Für Einzelpersonen sind kleine Behälter ebenfalls ungeeignet, da Abfall und Biomüll eventuell versehentlich daneben geschüttet wird.

Das Einsetzen und die Entnahme der Behälter sowie das Anbringen von Mülltüten sind schwierig, da mehrere Müllbehälter (Mülltrennung) mit den Kanten bündig aneinander stehen.

Systeme, bei denen die einzelnen Müllbehälter in einem gewissen Abstand zueinander angeordnet sind, erschweren das Zurückstellen, weil die Müllbehälter in dafür vorgesehene Halterungen eingesetzt werden müssen.

Sinnvoll sind große, gut zu reinigende Kunststoffeimer mit abnehmbarem Deckel oder Treteimer, die entweder unter einer Arbeitsfläche stehen oder an einem anderen, gut zugänglichen Ort in der Küche. Außerdem können durch unterschiedliche Farbigkeit gute Kontraste zur zusätzlichen Unterscheidung hergestellt werden.

Aus hygienischen Gründen ist vom Einsatz eines Schwingdeckeleimers oder Behältern mit „Push-Systemen“ abzuraten, zumal auch hier die Öffnungen sehr klein sind und die Gefahr des Danebenfallens von Müll gegeben ist.

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Spülen-Unterschränke mit Schutzwanne

Diese sorgen für mehr Sauberkeit und Pflegeleichtigkeit (gerundete Wischkanten).
Sie schützen den Schrank vor Feuchtigkeit bei undichtem Abfluss.
Sie sind unempfindlich gegenüber Reinigungsmitteln.
Links und rechts befinden sich Freiräume für Schlauchführungen zum Geschirrspüler.

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Armaturen und Spülen

Die Armatur

Armaturen werden in verschiedenen Oberflächen angeboten: Chrom, Edelstahl, farbige Beschichtungen.
Armaturen mit verchromter Oberfläche bieten das beste Preis/Leistungs-verhältnis. Matte, gebürstete Oberflächen vorziehen.

Mit einer farbigen Armatur kann durch den Kontrast zur Spüle ein sinnvoller Akzent gesetzt werden. Es ist aber auf die Gebrauchseigenschaften zu achten.

Einhebelmischbatterien sind leichter zu bedienen, da das umständliche Auffinden von zwei Temperaturreglern entfällt und die Temperatur leichter einzustellen ist.
Bei der Auswahl muss auch darüber nachgedacht werden, welche Funktionen der Brausekopf erfüllen soll (verschiedene Wassereinstellungen, ausziehbares Kopfteil etc).

Ergonomische Aspekte wie Form von Hebel und Brausekopf müssen ebenfalls eine Rolle spielen.

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Die Spüle

Hier gelten bezüglich der Farbauswahl und des Materials dieselben Kriterien wie bei den Armaturen.
Keramikbecken sind in verschiedenen Farben erhältlich. Pflegeaufwand und Materialhärte sind zu beachten.
Edelstahlspülen sind vom Material her sehr geeignet, da es äußerst hitzebeständig und hygienisch ist.

Bei der Auswahl der Form muss darauf geachtet werden, dass die Beckengröße ausreichend ist.
Sehr praktisch ist ein extra Abfluss für die Ablauffläche auf der Spüle.
Doppelspülen sind nicht erforderlich, wenn das Geschirr hauptsächlich in der Spülmaschine gereinigt wird. Außerdem wird dadurch zusätzliche Arbeitsfläche benötigt.

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Griffe

Griffe sollten einen guten Kontrast zur Schrankfront bilden.
Metallstangengriffe sind in matt und glänzend erhältlich und aufgrund ihrer Materialbeschaffenheit bruchsicherer als Kunststoffgriffe.
Matte Griffe sind pflegeleichter und reflektieren nicht.
Stangengriffe sind praktischer als kleine Bügelgriffe, da sie leichter aufzufinden sind.
Günstig ist es, die Länge der Frontlänge anzupassen.

Griffe, die als Leisten oder Vertiefungen in den Korpus integriert sind, sind ungeeignet, da schwer auffindbar.

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Der Bodenbelag

Man kann hier zwischen verschiedenen Materialien wählen, die aber aufgrund ihrer sehr unterschiedlichen Eigenschaften die erforderlichen Kriterien nicht alle befriedigend erfüllen. Diese sind vor allem Pflegeleichtigkeit, Rutschfestigkeit und Wasserunempfindlichkeit.

Stein und Keramikfliesen sind hart, also nicht schonend für Muskeln, Bänder und Gelenke. Geschirr, Gläser und auch die Fliesen selbst können zu Bruch gehen. Dem Pflegeaspekt werden Steinfliesen gerecht.

Holzparkett sorgt für eine warme Atmosphäre, ist jedoch wasserempfindlich und pflegeaufwändig, da es ab und zu geschliffen werden muss.

Hochwertiges Linoleum ist gut geeignet, ebenso PVC. Hier muss bei der Entfernung allerdings auf eine fachgerechte Entsorgung geachtet werden.

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Der Wandbelag

Der Pflegeaspekt spielt auch beim Wandbelag die zentrale Rolle. Dieser muss abwaschbar, also wasserfest sein. Vergleicht man die Materialeigenschaften von Fliesen, Laminat, Glas, Edelstahl und Lack, um nur einige zu nennen, schneiden Fliesen am besten ab.

Die Fliesen sollten matt sein, um störende Blendung zu vermeiden.
Bei der Farbauswahl ist darauf zu achten, dass sie einen guten Kontrast zur Arbeitsfläche und den Hängeschränken bilden.

Die Verwendung von Mosaiksteinen sowie der Einsatz verschieden farbiger Fliesen sind ungünstig.
Die Betonung durch einen farbigen Abschluss oben oder unten an der Wand kann mittels einer kontrastreichen Längsreihe in derselben Farbe unterstrichen werden.

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Lichtschalter

Bei der Installation müssen alle Kippschalter so installiert sind, dass eindeutig erkennbar ist, ob das Licht ein- oder ausgeschaltet ist. Kreuz- und Wechselschalter sind daher unbedingt zu vermeiden.

Die Farbe der benötigten Schalter sollte in einem guten Kontrast zur dahinterliegenden Wandfarbe gewählt werden (z.B. schwarzer oder roter Schalter auf weißer Wand).

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Kontrast und Beleuchtung

Für die Einrichtung einer sehbehindertengerechten Küche sind die Aspekte Kontrast und Beleuchtung von elementarer Bedeutung. Zum besseren Verständnis sollen an dieser Stelle kurz einige Zusammenhänge erläutert werden, die jedoch in keiner Weise die Komplexität des Themas wiedergeben können und sollen.

Sinnvoll ist es in jedem Fall, sich wichtige und notwendige Informationen bei ausgebildeten Fachkräften zu holen. Für alle Kollegen und Kolleginnen der Einrichtung sind die Rehabilitationslehrer der RES die entsprechenden Ansprechpartner.

Grundsätzlich wird Orientierung erleichtert, wenn Objekte durch Kontrast, Helligkeit, Farbe und Form erkennbar sind (siehe auch unter allgem. Vorüberlegungen). Sie wird erschwert, wenn es an Licht fehlt, wenn Dinge sich im Umfeld gleicher Farbe verlieren oder wenn die Form nicht auffällig ist. Die Erkennbarkeit von Objekten ist stark reduziert, wenn der Kontrast (Leuchtdichte- bzw. Farbkontrast) gering ist. Andererseits trägt ein hoher Kontrast zum Hintergrund erheblich dazu bei, Objekte zu unterscheiden.

Die visuelle Wahrnehmung kann Informationen nur dann erkennen, wenn sich die entsprechenden optischen Zeichen von der Umgebung abheben. Die wichtigste Größe hierfür ist der Helligkeitsunterschied, in der Fachsprache Leuchtdichtekontrast genannt.

Eine geeignete Farbkombination erleichtert, visuelle Informationen zu verdeutlichen.
Farbkombinationen, die als vorteilhaft einzustufen sind, weisen eine oder mehrere der folgenden Eigenschaften auf:

  • hohe Leuchtdichteunterschiede (Schwarz auf Weiß, Schwarz auf grün)
  • eine unbunte (schwarz über grau bis weiß) Komponente (Weiß auf blau, weiß auf Lila, weiß auf rot, Grün auf schwarz)
  • Kombination von Komplementärfarben (Gelb auf Blau) und Verwendung von Rot nur als dunkle Komponente (Weiß auf Rot, Gelb auf Rot)

Bei Farbenblindheit müssen die Grauwerte getestet bzw. berücksichtigt werden. Immerhin können fast 9 % der Bevölkerung Rot und Grün nicht korrekt wahrnehmen.

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Grundsätzliche Überlegungen zur sehbehindertengerechten Beleuchtung

Optimale Beleuchtung heißt: gleichmäßige und ausreichende Lichtverteilung, Vermeidung von Blendung und Spiegelung.
Eigenschaften guter Beleuchtung sind: Gleichmäßige Lichtverteilung ohne Schatten, Blendfreiheit, hohe Leuchtkraft, Dimmbarkeit für individuelle Anforderungen, hoher Indirektanteil.

Sehbehinderte Personen benötigen 2- bis 5-mal mehr Licht als normal sehende Personen.
Leuchtstofflampen (Neonröhren) erzeugen bei gleicher Leistung drei bis fünfmal soviel Licht wie Glühlampen. Sie haben eine längere Lebensdauer und ermöglichen eine tageslichtähnliche Ausleuchtung. Die Verwendung moderner elektronischer Vorschaltgeräte verhindert das Flackern.

Wichtig ist, dass die Lichtfarbe sorgfältig ausgewählt wird.
Kaltlichtleuchten bieten leuchtende, blendfreie Flächen ohne Hitzeentwicklung.
Halogenlampen sind nicht zu empfehlen. Da sie eine hohe Wärmeentwicklung haben, besteht Verbrennungsgefahr.
Ein guter Sonnenschutz wie Jalousien und Vorhänge oder das Tragen einer Schirmmütze verhindern Blendung durch Tageslicht.

Der Bodenbelag darf nicht reflektierend sein. Lampen dürfen niemals direkt eingesehen werden (Glühbirne, Neonröhre, Strahler). Ungeschützte Lampen verursachen Blendung.
Eine gleichmäßige Ausleuchtung der Küche ohne Blendquellen wird am besten mit verschiedenen Lichtquellen (Deckenbeleuchtung, Arbeitsplatz, Essplatz) erzielt.

Vorteilhafterweise wird die Beleuchtungsstärke höher angesetzt und die Leuchten werden mit einer Dimmung versehen.
Indirekte Beleuchtung verhindert große Leuchtdichtenunterschiede und damit eine Blendung auf Arbeitsfläche und Fußboden.

Die Deckenfarbe muss hell sein, da dunkle Decken viel Licht „fressen“ und die Blendung erhöhen.
Die Kombination verschiedener Lichtquellen (Deckenleuchte in Raummitte, Arbeitsplatzbeleuchtung über Herd, Spüle und Arbeitsflächen, integriert in Dunstabzugshauben) verhindert allzu harte Hell-Dunkelkontraste und ermöglicht ein verbessertes räumliches Sehen und Erkennen durch eine gewisse Schattigkeit.

Lochblenden und drehbare Leuchtkörper (z.B. als Leuchtstofflampen unter Oberschränken) können das Helligkeitsniveau, den Lichteinstrahlwinkel und den Kontrast verändern.

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Anhang

Beispielhafte Elektrogeräte

  • Kochfeld + Einbauherd: NEFF MK 1849 / MEGA MC 1834 n
  • Backofen, Kochfeld und Schaltkasten: NEFF Mega 4544 N, Mega 542 N + MA 1369
  • Dunstabzugshaube: NEFF DEA 79
    Alternativ: BERBEL BKH 90 BL
  • Geschirrspüler: NEFF SH 759 V
  • Kühlschrank bzw. Kühl-Gefrierkombination: NEFF KL 445 A, NEFF KG 835 A

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