IFLA Expert-Meeting Marburg vom 27.- 30. Juli 2003

Als 1983 das erste „Expert-Meeting“ der Sektion der Blindenbibliotheken in der „International Federation Of Library Association And Institutions (IFLA)“ in Marburg auf Initiative des Bibliotheksleiters der blista ausgerichtet wurde, konnte noch niemand voraussehen, dass genau 20 Jahre später Gelegenheit sein würde, eine Jubiläumsveranstaltung in Marburg abzuhalten.

Die Generalversammlung der IFLA – seit diesem Jahr unter dem Titel World Library and Information Congress (WLIC) – fand wieder in Deutschland, diesmal in Berlin statt. Was lag näher, als das Fachtreffen der Blinden-Bibliothekare als Vorkonferenz zur Generalversammlung wiederum nach Marburg einzuladen?

Die positive Resonanz bei den Selbsthilfe-Verbänden und im nationalen und internationalen Bibliothekswesen beflügelte das Vorbereitungskomitee. Beatrice Christensen Sköld von der schwedischen, Bente Dahl Radtke von der dänischen und Paivi Voutilainen von der finnischen Blinden-Bibliothek unterstützten die Arbeit des Organisators Rainer Witte ebenso wie die Leiterin der Norddeutschen Blinden-Bibliothek, Elke Dittmer. Hinzu kamen die Hilfe von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der blista und die tatkräftige Unterstützung von Karl-Eugen Roth.

Mit der finanziellen Unterstützung des Deutschen Blinden- und Sehbehindertenverbandes, des Bundes der Kriegsblinden Deutschlands und der beiden Arbeitsgemeinschaften war ein sicherer Rahmen für die Durchführung geschaffen, und es gelang, die Bundesministerin für Erziehung und Bildung Edelgard Bulmahn für die Schirmherrschaft und den Festvortrag zu gewinnen. Dass Oberbürgermeister Dietrich Möller mit der Würde seines Amtes und seinem persönlichen Auftreten bei einem Empfang im Rathaus und während der Tagung die Fachkonferenz belebte, sei hier ebenso dankbar erwähnt, wie die politische Unterstützung durch Herrn Bundestags-Abgeordneten Sören Bartol.

Trotz der bei internationalen Konferenzen zurückgegangenen Teilnahme aus Furcht vor Terror-Anschlägen und – in unserem Falle – die Unsicherheit durch die Grippe SARS, besuchten 105 Delegierte aus 15 Ländern die Tagung.

Den Rahmen für einen solchen Kongress abzugeben, sind die räumlichen Möglichkeiten der blista zu beschränkt. Es wurde schon früh das zentral gelegene SORAT-Hotel als Tagungsort ausgewählt, was sich als glückliche Entscheidung erwies.

Das Experten-Treffen stand unter dem an das diesjährige Generalthema der WLIC angelehnte Motto: „Bibliothek als Portal: Medien – Information – Kultur… Zugang auch für Blinde?!“

Sechs Themenkreise gliederten das Spektrum aktueller Probleme und absehbare, zukünftige Entwicklungen; die einzelnen Fragen wurden in 17 Vorträgen von Referentinnen und Referenten aus 9 Ländern behandelt.

  • Die Benutzerwünsche (User's needs)
  • Die integrierte Digitale Bibliothek (Integrated Digital Library / IDL)
  • Das Tastlesen (Reading by touch)
  • Die Braille-Musiknotenschrift (Braille Music)
  • Die Verwaltung und Werbung in Blinden-Bibliotheken (Managing and Marketing)
  • Die Dienste für Sehbehinderte (Readers with low vision)

Tagungssprache war Englisch. Die Verhandlungen sind im Internet unter www.IFLA.org abrufbar.

Ergänzt wurde der Kongress durch Präsentationen von 11 Hilfsmittel-Ausstellern aus 7 Ländern, die von Druckmaschinen bis zu tastbaren Kinderbüchern und Abspielgeräten für Blinden-Hörbücher alles zeigten, was im modernen Blinden-Bibliothekswesen eingesetzt wird.

Am 31.Juli schließlich, veranstaltete die Arbeitsgruppe Frankophoner Blinden-Bibliothekare ihren ersten Workshop, um sprachabhängige Probleme bei der Literaturversorgung mit französischsprachiger Literatur zu behandeln.

Auch das Rahmenprogramm war attraktiv und von vielfältiger Abwechslung. Es reichte von Stadtführungen, Besichtigungen der blista und der Blista Brailletec bis hin zu einer Führung durch die Glockengiesserei Rincker in Sinn und dem Besuch des Deutschen Glockenmuseums auf der Burg Greiffenstein. Das Abendprogramm war von kulinarischer und künstlerischer Erlesenheit, wozu der Veranstaltungsort, das Marburger SORAT-Hotel, ganz wesentlich beitrug, weil es sich vorbildlich auf die Bedürfnisse der blinden Gäste einstellte und dem Veranstalter in vielen Punkten sehr entgegen kam.

Der Kongress klang für zahlreiche Teilnehmer mit einer gemeinsamen Eisenbahnfahrt nach Berlin aus, wo in weiteren Veranstaltungen die Belange des Blinden-Bibliothekswesens im Rahmen des WLIC diskutiert wurden.

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