Die wirtschaftliche Situation 2003/2004

Im Rechnungsjahr 2003 schlug die allgemeine wirtschaftliche Situation bereits auf die blista durch: erstmals stiegen die Ausgaben stärker als die Einnahmen. Die Schere wird sichtbar, wenn man die Steigerungsraten zweier Posten vergleicht, die im Gesamtbudget etwa vergleichbar große Anteile repräsentieren: die Entgelte nach dem BSHG bei den Einnahmen und die Personalkosten bei den Ausgaben.
Bis 2002 einschließlich waren die BSHG-Entgelte noch um rund 0,7 Prozentpunkte jährlich stärker als die BAT-Tarife gestiegen, in 2003 und 2004 hatte sich dieser Effekt genau umgekehrt.
Vergleicht man dagegen die absoluten Posten (hier am Beispiel 2003), scheint Entwarnung angesagt zu sein. Allerdings ist beim Vergleich dieser Zahlen zu berücksichtigen, dass sich hier auch Änderungen im Personalbestand und der Altersversorgung (Personalausgaben) bzw. bei den Schülerzahlen und Änderungen bei den Hilfebedarfsgruppen (BSHG-Einnahmen) niederschlagen:

Ausgabenveränderungen
Personalausgaben
(73 % der Gesamtausgaben)
3,8 % Steigerung
Sachausgaben
(lt. Preisindex 2003)
1,1 % Steigerung
Einnahmenveränderungen
Entgelte nach BSHG
(75 % der Gesamteinnahmen)
3,7 % Steigerung
Zuschüsse HKM für Medienbereich0 % stagnierend
Spenden und Erbschaften
(2,3% der Gesamteinnahmen)
24 % Steigerung

(Andere Einnahmen wie Fördermittel der EU, Erstattungen der Arbeitsverwaltung, etc. sind hier wegen ihres relativ geringfügigen Anteils vernachlässigt.)

Für den Berichtszeitraum kann die wirtschaftliche Lage der blista als stabil bezeichnet werden, bei gleich bleibend hoher Liquidität, die sich vor allem auf die zurückhaltende Investitionstätigkeit in den Jahren 1999 bis 2002 gründet.
Nach Lage der Dinge war davon auszugehen, dass sich der vorstehend gezeichnete Trend zur Öffnung einer wirtschaftlichen Schere auch in der Zukunft fortsetzen würde und somit Maßnahmen zu ergreifen waren, welche den Bestand der Einrichtung auch längerfristig zu sichern helfen. Diese Überlegungen veranlassten den Vorstand zu drei Schritten:

  • Einstellungsstopp beim Personal
  • Kündigung der BAT- und MTL-Haustarifverträge
  • Einsetzen einer „Internen Steuerungsgruppe“ zur Prüfung wesentlicher Haushaltspositionen und zur Einrichtung eines Frühwarnsystems

In 2003 wurde eine Reihe von unabdingbaren Sanierungsmaßnahmen durchgeführt (jeweils einschl. Planungskosten):

Sanierung des Speisesaals Teil II
Veranschlagte Kosten232.000 €
Tatsächliche Kosten nach Abschluss224.700 €
Sanierung der Schulflure Teil I
Veranschlagte Kosten240.000 €
Kosten nach Abschluss220.300 €

Kanal-Sanierung und Teilerneuerung der Asphaltdecke 52.000 €

Dies wurde in 2004 fortgeführt:

Sanierung der Schulflure Teil II
Kostenschätzung230.000 €
Angebote nach Ausschreibung221.300 €
Abgerechnet187.700 €
Dachsanierung des Speisesaals
Kostenschätzung110.000 €
Angebote nach Ausschreibung76.300 €
Abgerechnet70.600 €
Gebäudesanierung der Hörbücherei
Planung (aus 2002!)784.000 Euro
Voraussichtliche Gesamtkostenca. 300.000 Euro
(abzüglich einer Förderung durch die Aktion Mensch in Höhe von 26 %)

Das EU-Projekt „Marburg berühren“ wurde bewilligt und mit der Aufstellung des Bronzemodells vom Marburger Marktplatz im September 2003 abgeschlossen. Die Gesamtkosten beliefen sich auf 49.000 €, davon Fördermittel der EU 29.000 €. Neben einem geringfügigen Eigenanteil der blista von 5 % (ausschließlich als Eigenleistung), steuerte der Lions-Club Marburg einen großen Teil der Mittel bei.
Das zweite EU-Projekt zur Vernetzung europäischer Blindeninstitute konnte im Berichtszeitraum noch nicht realisiert werden. Für eine Vorkonferenz (durchgeführt in 2005) wurden in 2004 Fördermittel in Höhe von rund 38.000 € bewilligt.

Übersicht über wesentliche Bilanzpositionen (Abschluss 2004 liegt noch nicht vor):

Position19992000200120022003
Investition (incl. GWG)9596496355581.154
Abschreibung1.1301.0661.0811.0421.037
Instandhaltung/Wartung649591495504532
Erbschaften/Spenden907384339317939
Bilanzsumme14.32514.09613.71113.95014.118
Jahresergebnis4057171018348

Das Jahr 2004 konnte ebenfalls positiv mit einem positiven Ergebnis abgeschlossen werden.

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