Der mediale Bereich

Zur Lage

Die mediale Versorgung von Blinden und Sehbehinderten ist eine zentrale, in der Vereinssatzung festgeschriebene und von der öffentlichen Hand geförderte Aufgabe der blista.

Die Klientel wird in blinden und sehbehinderten Menschen im gesamten deutschsprachigen Raum und vor allem in den Schülern der blista selber gesehen. Daneben stehen der Spezifik verbundene Organe und Verbände der Selbsthilfe.

Menschen mit einschlägigen sensorischen Handicaps treten an die blista heran mit dem Wunsch nach Information, Bildung und Unterhaltung und nach spezifischen Hilfsmitteln. Dieser Anforderung ist mit Erreichbarkeit, Kompetenz und Schnelligkeit zu entsprechen; die Angebote haben ferner zwingend der sich beschleunigenden technischen Entwicklung Rechnung zu tragen.

Oberste Priorität hat der barrierefreie Zugang zu Information, Bildung und Hilfsmitteln für Blinde und Sehbehinderte.

Der Bereich Medien an der blista, in dessen Zentrum die älteste deutsche Blindenhörbücherei ist, steht nach Tradition und Selbstverständnis in der vorderen Reihe der entsprechenden Einrichtungen im deutschsprachigen Raum. Dies täuscht jedoch über die tatsächliche Lage hinweg. Durch seine überwiegend zuwendungsrechtliche Finanzierungsgrundlage ist er seit Jahren als wirtschaftlich prekär zu bewerten.

Neben der Wirtschaftlichkeit stellt sich jedoch auch die Frage nach der Zukunftsfähigkeit des Angebotes, was sich wegen dazu erforderlicher Sanierungen und Investitionen ebenfalls auf die Wirtschaftlichkeit niederschlägt. Wollen wir Schritt halten mit den – vor allem technischen – Entwicklungen, die sich mittlerweile in der einschlägig tätigen Landschaft vollziehen, werden strukturelle Änderungen unumgänglich.

Zwischen den einzelnen medialen Arbeitsbereichen gab es in der Vergangenheit nur wenig Berührung oder Überschneidung. Ein gemeinsames Konzept lag nicht vor, obwohl sich die Einzelbereiche dem Grunde nach, beeinflusst vor allem durch die massiv fortschreitende elektronische Entwicklung, längst aufeinander zu bewegen. Dieses ressortbezogene Nebeneinander, ferner die strikte Trennung zwischen dem entgeltfinanzierten pädagogischen und dem zuwendungsfinanzierten medialen Bereich, führt zu vielfachen Doppelfunktionen und lässt die Nutzung von Synergieeffekten kaum zu.

Aus diesem Grunde betraute der Vorstand im Frühjahr 2003 die Geschäftsleitung mit der Bildung einer Projektgruppe Medien, mit dem Auftrag, die einzelnen Arbeitsbereiche eingehender Analyse zu unterziehen und tragfähige Strukturkonzepte zu entwickeln. Dieses Konzept wurde dem Vorstand im November vorgelegt und dort beschlossen.

Die Projektgruppe hat als Ziel vorangestellt, den gesamten Bereich Medien nicht lediglich organisatorisch neu zu ordnen, sondern im Blick auf seinen satzungsgemäßen Auftrag und seine Zukunftsfähigkeit neu und anforderungsgerecht aufzustellen.

Viele Entwicklungslinien im medialen Bereich, durchaus nicht nur im behindertenspezifischen Zusammenhang, laufen tendenziell aufeinander zu: Texte kann man als Tondokument, als Druckerzeugnis oder als Datei, jeweils komplett oder auszugsweise, verwenden; Illustrationen können taktil erfassbar oder in Form eingeblendeter Tondateien enthalten sein; Daisybücher können neben dem Anhören strukturierter Tondateien gleichzeitig das Lesen über die Braillezeile oder die Ausgabe über entsprechende Peripherie ermöglichen. Von daher macht die Unterteilung in getrennte und wenig durchlässige Bereiche immer weniger Sinn.

Die erarbeitete Strukturskizze stellt mehrere parallel zu verfolgende Entwicklungsstränge vor, die sich stufenweise aufbauen und deren Umsetzung sich über mehrere Jahre erstreckt.

Die Hauptstränge sind:

  • der Aufbau einer Service-Stelle
  • die Neuordnung des Bibliothekswesens
  • die Entwicklung der Produktionsbereiche

Der Auftrag, blinden und sehbehinderten Menschen barrierefreien Zugang zu Information und Bildung zu gewähren und die dazu notwendigen Prozesse und Verfahren den Erfordernissen der medientechnischen Entwicklung anzupassen, hat in der gesamten einschlägigen Szene zu einschneidenden Veränderungen geführt.

Im Verlauf der Projektarbeit wurde deutlich, dass Zukunftsfähigkeit und Bestandssicherheit für den medialen Bereich der blista nicht durch Einsparungen, sondern durch gezielte Entwicklung zu erreichen sein wird. Damit bleibt festzustellen, dass die eigentliche Wahl zwischen einem leistungsstarken Angebot und dem Totalverlust besteht.

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