- Startseite |
- Über uns |
- Jahresberichte |
- 2005
Aus der Braille-Druckerei
Blinden und sehbehinderten Bürgerinnen und Bürgern das eigenständige Wählen zu ermöglichen, hat in den letzten Jahren zunehmend an Bedeutung gewonnen. 2005 war ein Jahr mit einer Vielzahl von Wahlen auf den verschiedensten Ebenen und somit Ansporn und Herausforderung für uns, barrierefreie Stimmzettelschablonen mit tastbarer Schwarz- und Blindenschrift für Bundestags-, Landtags- und Oberbürgermeisterwahlen herzustellen. Das größte Problem dabei war und wird wohl auch in Zukunft der enorme Zeitdruck bleiben, unter dem dies in Absprache mit dem jeweiligen Wahlleiter und den Blindenselbsthilfeorganisationen zu geschehen hat. Denn um auf Abweichungen in den Abmessungen der verschiedenen Stimmzettel reagieren zu können, muss jeweils abgewartet werden, bis ein Originalstimmzettel vorliegt.
Die Arbeit zur Qualitätssicherung von Blindenschrift auf Faltschachteln und anderen Verpackungen wurde weitergeführt. Die Braille-Druckerei ist dabei für viele Firmen beratend tätig. Ende 2005 wurde ein Normenausschuss „Blindenschrift auf Verpackungen“ gegründet. In diesem Ausschuss arbeiten Vertreter der Verpackungsindustrie, der Pharmazie, verschiedener Zulassungsbehörden sowie der Obmann des Normenausschusses Medizin, Herr Ernst-Dietrich Lorenz, und der Leiter der Braille-Druckerei, Manfred Fuchs, mit. Ziel ist es, einen national abgestimmten Normenentwurf zu verabschieden, um Blindenschrift auf Verpackungen zu vereinheitlichen.
Zu einem unserer Standardprodukte hat sich die Herstellung von Visitenkarten entwickelt. Nach weiteren Verbesserungen bieten wir die Möglichkeit der kompletten Erstellung, vom Satz bis zum Druck, von farbigen Karten mit Nut und Brailleprägung oder auch den nachträglichen Eindruck von Braille in gelieferte Karten. Alle Variationen werden von unseren Kunden sehr gerne genutzt.
Die historische Altstadt von Fulda wurde im Auftrag des Rotary-Clubs Fulda in einem Bronzemodell abgebildet. Wir waren beratend tätig und lieferten die Schriftmatrizen für den Guss.
In unserer Reihe „Marburger Systematiken der Blindenschrift“ wurde als Teil 23 „Das System der Chemieschrift in der deutschen Blindenschrift“ im Auftrag der Brailleschrift-Kommission der deutschsprachigen Länder - Unterkommission Chemieschrift - erarbeitet und fertig gestellt. Verschiedene Editionen sind erschienen - Blindenkurzschriftedition nach Rechtschreibreform mit 108 Seiten und 15 taktilen Abbildungen.
Ebenfalls in unserer Reihe „Marburger Systematiken der Blindenschrift“ ist Ende 2005 die 4. überarbeitete Auflage des Werkes „Das System der deutschen Blindenschrift“ erschienen. Dieses Werk, das ebenfalls in verschiedenen Editionen zu beziehen ist, enthält die Beschlüsse der Brailleschrift-Kommission der deutschsprachigen Länder vom 30. Januar 1998 in Wien und die Ergänzungen 2005.
Neben den vielfältigen Übertragungen stellten wir zum Beispiel auch Beschriftungen in Schwarz- und Blindenschrift von Reliefbildern für den Bayerischen Blinden- und Sehbehindertenbund her.
Zum Einstein-Jahr übertrugen wir das Buch von Harald Fritzsch: „Eine Formel verändert die Welt. - Newton, Einstein und die Relativitätstheorie“. Auch der VI. Band mit dem Titel „Harry Potter und der Halbblutprinz“ wurde in Blindenschrift übertragen und die ersten Bände bereits im Dezember 2005 ausgeliefert. Für die ersten 50 Besteller subventionierte dankenswerterweise die Dr. Georg Blindenstiftung „Harry Potter und der Halbblutprinz“ mit je € 60, sodass der Preis nur noch € 65,40 statt € 125,40 betrug.
Dank der Unterstützung durch Spendenmittel, die von den Organisatoren der „Woche des Sehens“ gesammelt wurden, zu denen u. a. der Deutsche Blinden und Sehbehinderten Verband (DBSV) gehört, konnte die Serie „Das neue Europa“ in Blindenschrift übertragen werden. Erhältlich sind jetzt eine Papierausgabe und eine Datei für das Lesen mit Braillezeile.
Anfang November fand in der blista eine internationale Tagung der Medibraille-Facharbeitsgruppe statt. 20 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus den Druckereien des deutschsprachigen Raumes diskutierten praxisbezogene Fragen rund um die Erstellung und das Lesen der Blindenschrift. Die Braille-Druckerei nahm auf Wunsch der Messeleitung auch in diesem Jahr wieder an der Ausstellung zum Themenschwerpunktthema „Korea“ im Rahmen der Frankfurter Buchmesse teil.
blista