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Die Deutsche Blinden-Bibliothek

Zum Selbstverständnis der DBB

Die grundlegenden Prämissen der medialen Versorgung an der blista, wie sie bereits im Vorjahresbericht ausführlicher dargelegt worden sind, haben auch weiterhin Bestand.
Nach wie vor steht – vor dem Hintergrund rascher technischer Entwicklungsfolgen sowie knapper Mittel – die Zusammenführung unterschiedlicher Medienarten und damit auch die Zusammenführung bisher separat operierender Arbeits- und Servicebereiche auf der Agenda. So konnten durch das absehbare Ende der Kassettenära im Obergeschoss der Hörbücherei Flächen frei gemacht werden, die für die Büros und den Archivbestand der Dokumentationsstelle und die Geschäftsstelle von MediBuS genutzt werden konnten. Zugleich wurde im Lesesaalbereich der Schülerbücherei Raum für die Schwarzschriftsammlung zum Blindenwesen geschaffen.
Dieser Entwicklungsweg ist gekennzeichnet durch

  • die Umstellung vom Kassetten-Hörbuch auf das Daisyformat
  • die Herstellung der Hörbücher „on demand“ – verbunden mit dem Abbau von Lagerkapazitäten
  • erste Schritte hin zu Volltextausgaben mit verknüpften Ton- und Textdateien
  • die Zusammenfassung der Bestände der Schülerbibliothek, des Braille-Magazins der Schule, der Emil-Krückmann-Bibliothek und des Schwarzschriftbestandes der Schule unter einem gemeinsamen EDV-Portal als Voraussetzung für die schrittweise Konzentration auf eine „Service-Stelle“
  • den kontinuierlichen Ausbau der Speicherkapazität, mit dem auch Leistungsangebote über den blista-eigenen Bedarf hinaus ermöglicht werden
  • den Ausbau der Zentralkataloge zu einer zentralen Institution des deutschsprachigen Blindenwesens
  • die Entwicklung und Pflege eines Online-Portals der deutschsprachigen Bibliotheken (bisher Hörbücher, perspektivisch auch Punktschrifttitel) mit blista-seitiger Warenkorbfunktion.

Die Bereiche im Einzelnen

Seit 2005 werden in der Hörbücherei neue Buchtitel digital produziert. In diesem Jahr wurden die letzten Titel zugleich auf Band hergestellt. Der Bestand an digital verfügbaren Eigenproduktionen der DBB umfasst nun ca. 2.000 Titel, denn zeitgleich werden analoge Altbestände sukzessive in die digitale Form gebracht.
Hinzu kommen weitere 4.000 Titel, die von anderen Blindenhörbüchereien des deutschsprachigen Raumes übernommen wurden und die ausschließlich in digitaler Fassung vorliegen. Damit verfügt die Hörbücherei über 6.000 DAISY-Titel. Da ein Kriterium für die Übernahme die Aktualität eines Titels war, hat sich das Literaturangebot deutlich verjüngt und durch Aktualität an Attraktivität gewonnen.
Zusätzlich produzierte die Hörbücherei im Auftrag der Aktion Mensch vierteljährlich das „Magazin Menschen“. Auch hier verschiebt sich von Ausgabe zu Ausgabe das Verhältnis von analogen zu digitalen Ausgaben.
Für die eigene Hörerschaft wird dreimal jährlich die Kundenzeitschrift „Kopfhörer“ in einer Auflagenhöhe von 4.500 Exemplaren sowohl analog als auch digital produziert. Auch hier nimmt der Anteil der DAISY-Hörer stetig zu. Zusätzlich erscheint in sechs Ausgaben pro Jahr in ausschließlich digitaler Form das Bücherjournal der DBH. (Eine Kassettenversion wird über die „Aktion Tonbandzeitung“ vertrieben.) Das gegenüber der Kassette deutlich höhere Fassungsvermögen einer auf MP3 basierenden DAISY- CD erlaubt es, neben dem redaktionellen Teil – verschiedene literarische Schwerpunktthemen – eine große Zahl neuer Daisybücher einschließlich kurzer Hörproben vorzustellen. Die Resonanz der Hörer auf diesen Neuerscheinungskatalog ist durchweg positiv. Die Auflage liegt bei rund 2.000 Stück pro Ausgabe.
Gegen Ende des Jahres überstieg der Anteil der DAISY-Ausleihe mehr als 50 % der Gesamtausleihe mit stetig steigendem Anteil. Das lässt erwarten, dass das Ziel, ab 2010 die Kassettenausleihe einzustellen, tatsächlich erreicht werden kann.
Zum Jahresende 2006 hat die blista ihre analoge Zeitschriftenproduktion von „DER SPIEGEL – das deutsche Nachrichtenmagazin“ und „Der Einwurf“ eingestellt. Erfreulicherweise hat sich die Anzahl der Abonnenten hierdurch nicht verringert sondern gegenüber der Kassettenausgabe deutlich erhöht. Dies ist ein deutlicher Hinweis auf die Akzeptanz des neuen Mediums.

Tabelle: Statistische Angaben zur Hörbuchausleihe
Angaben zur analogen Hörbuchausleihe
Jahr Ausgeliehene Werke Nutzer Zeitschriften-Abos
analog digital ‘Spiegel’ ‘Einwurf’
2002112.4886.03823261
2003108.8406.40923460
2004101.5526.13124256
200594.58910.5725.31126353
200677.32227.5005.83531357
200757.96245.1975.58331356

Der Bestand der Emil-Krückmann-Punktschriftbibliothek hat sich in den letzten 50 Jahren von 32.100 auf heute 72.900 Bände (ca. 30.300 Werke) erhöht, bei nahezu konstanter Nutzerzahl von 3.400 Leserinnen und Lesern. Etwa 4.100 Punktschrifttitel werden heute jährlich ausgeliehen, was etwa 8.800 Bänden entspricht. Ein leichter Zuwachs bei der Titelanzahl und eine Abnahme bei der Anzahl der ausgeliehenen Bände weist auf eine Änderung im Leseverhalten hin.
Auch in der EKB wird der Buchbestand laufend modernisiert, wobei, ebenso wie in der Hörbücherei, die Jugendliteratur einen deutlichen Schwerpunkt darstellt. Dem wurde mit einem Kinder- und Jugendbuchkatalog in Punktschrift Rechnung getragen. Eine wichtige Aufgabe besteht hier noch in der Umstellung auf EDV-gestützte Bestandspflege und Ausleihe.

Die Schülerbibliothek hat die organisatorischen Vorarbeiten weitgehend abgeschlossen und sich im Bewusstsein der Schulgemeinde etabliert. Dabei ist im Wesentlichen die Einführung eines Bibliotheksausweises für alle Schülerinnen und Schüler und die Erfassung der über 30.000 Medieneinheiten der einzelnen Bibliotheksbereiche in ein gemeinsames Ausleihsystem zu nennen.
Regelmäßig durchgeführte Autorenlesungen, Veranstaltungen zum Erscheinen des letzten Harry Potter Bandes, mehrere Klassenführungen und Einführungen sowie die Ausrichtung des Lesewettbewerbes und weitere Angebote fanden großen Anklang und führten zu einer deutlichen Steigerung der Attraktivität der Schülerbibliothek, was sich in zunehmender Nutzung niederschlägt.
Die Dokumentationsstelle verwaltet und pflegt die größte Sammlung von Fachliteratur und Aufsätzen zu Themen, die auf Blindheit und Sehbehinderungen bezogen sind. Daneben führt und pflegt sie in teilweiser Personalunion mit der MediBuS-Geschäftsstelle die drei Gesamtkataloge der deutschsprachigen Blindenbibliotheken: Hörbücher, Punktschriftbücher und die Schwarzschriftsammlung zum Blindenwesen.
Zum Jahresende zogen die Mitarbeiter der Dokumentationsstelle mit einem Teil der Buch- und Archivbestände in das Obergeschoss der Hörbücherei ein. Der Fachbuchbestand zum Blindenwesen wurde in der Schülerbücherei im Lesesaalbereich untergebracht und dadurch mehr in die Nähe der Nutzer verlagert.

Mit dem in der Dokumentationsstelle im Auftrag von MediBuS entwickelten Online-Gesamtkatalog der Hörbücher wurde die zentrale Stellung der DBB innerhalb der deutschsprachigen Blindenbibliotheken ausgebaut und gefestigt. Dieser wird zurzeit um den Bereich der Punktschriftbücher erweitert und wurde für die Verwendung auf der blista-Homepage zusätzlich mit einer Warenkorbfunktion ausgestattet. Zusätzlich ermöglicht dieses System die automatisierte direkte Fremdleihe durch die Leser. Gegenüber dem immer noch verwendeten blista-Hörbuchkatalog in Schwarzschrift, der in 2006 um einen DAISY-Teil ergänzt wurde, bietet die Onlinerecherche deutliche Vorteile. In Vorbereitung ist eine nach Sachgruppen strukturierte, navigierbare Daisyversion des Kataloges.

Tabelle: Titelbestand der Kataloge
Titelbestand der Kataloge
2001 2002 2003 2004 2005 2006 2007
Zentralkatalog
Punktschrift *)
38.00040.00040.60041.20042.20043.24744.050
Deutschsprachige
Bibliografie zum
Blindenwesen **)
44.00046.00047.00049.00051.20051.30051.600
Zentralkatalog
Hörbücher *)
53.00055.50056.50057.90059.20060.95962.500
davon Daisy-Titel10.00015.47319.500
DBH - Hörbuchbestand10.30010.60010.80011.50013.50013.60013.700
davon Daisy-Titel7003.0004.1006.000
Braillemagazin
der Schule
1.0001.0001.0001.0001.000
Schwarzschrift-
Schulbibliothek
4.0004.2004.6008.50011.400
zusätzliche
Daisybücher
700700700

*) Die „Zentralkataloge“ umfassen alle Blindenhörbücher bzw. Punktschriftbücher des deutschsprachigen Raumes.
**) Marburger, Leipziger und St. Gallener Schwarzschrift und analytisch erschlossene Zeitschriftenaufsätze (Gegenwart, Horus, Blind-Sehbehindert, Publikationen der Blindenlehrer-Kongresse)

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