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Die Rehabilitationseinrichtung RES
Die Rehabilitationsabteilung der blista zeichnet sich unter anderem dadurch aus, dass sie unter einem Dach ein breites Spektrum unterschiedlichster Arbeitsgebiete vereint. Diese verschiedenen Arbeitsgebiete kontinuierlich strukturell und konzeptionell weiterzuentwickeln und den gesellschaftlichen Wandlungsprozessen anzupassen, ist neben der alltäglichen Arbeit eine besondere Herausforderung.
Ein Beispiel dafür ist die 2007 gestartete Erweiterung in der
Ausbildung von IT-Spezialisten.
Neben der Ausbildung zur Informatikkauffrau bzw. zum
Informatikkaufmann werden in Marburg jetzt auch Fachinformatiker für
Anwendungsentwicklung ausgebildet. Mit dieser neuen Ausbildung ging
auch einher, dass wir uns an einem Wettbewerbsverfahren des
regionalen Einkaufszentrums Südwest der Agentur für Arbeit beteiligen
mussten. Neben dieser inhaltlichen Veränderung galt es auch, den
im Februar 2008 geplanten Umzug der Übungsfirma in das blista-eigene
Gebäude am Marbacher Weg vorzubereiten und die umfangreichen
Umbaumaßnahmen zu begleiten.
Vor besondere Herausforderungen stellte die Schülerinnen und
Schüler, aber auch die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, der
komplette Umbau des Bereichs Ketzerbach. Die Baumaßnahmen auf dem
zentralen Weg zum Schulgelände Am Schlag sind inzwischen
abgeschlossen, auch wenn es noch einiger Verbesserungen und
Nacharbeiten bedarf. Während der gesamten Bauzeit galt es praktisch
täglich, auf Veränderungen an der Baustelle und wechselnde
Baustellenbereiche zu reagieren, Sonderfahrten der Stadtbusse zu
organisieren und die beteiligten Firmen und Behörden zu beraten,
damit man das „Baustellenchaos“ für die Schülerinnen und
Schüler und Rehabilitanden wenigstens einigermaßen beherrschbar und
erträglich gestalten konnte. Dies forderte von allen Beteiligten
ein Höchstmaß an Einsatzbereitschaft und Geduld.
Eine besondere Rolle in der Arbeit der RES spielt seit jeher die nationale und internationale Vernetzung. Beispielhaft seien hier nur die Durchführung von Fortbildungen in der Schweiz, ein Kooperationsprojekt in Chile, die Beteiligung am neu gegründeten bundesweiten „Netzwerk berufliche Teilhabe“ und die intensive Mitarbeit im Beirat der „AG-Frühförderung“ des Verbandes der Blinden- und Sehbehindertenpädagogen und -pädagoginnen (VBS) genannt.
Die Fortbildungsaktivitäten wurden weiter intensiviert. Neben den Angeboten im jährlichen Fortbildungskalender der blista wurden spezielle Angebote für Diabetesberaterinnen und die Kolleginnen und Kollegen des Berufsförderungswerkes Mainz konzipiert und durchgeführt.
Auch in einem anderen Bereich konnte die Vernetzung weiterentwickelt werden. So hat die RES in Kooperation mit dem Bundesverband der Orthoptistinnen Deutschland (BOD) die Weiterbildung zum „Spezialisten für vergrößernde Sehhilfen und Low Vision Beratung“ konzipiert und wird sie ab Januar 2008 durchführen. Besonders erfreulich ist dabei auch, dass diese Weiterbildung vom Deutschen Blinden- und Sehbehindertenverband (DBSV) und dem Deutschen Verein der Blinden und Sehbehinderten in Studium und Beruf (DVBS) anerkannt wird.
Konzeptionelles Neuland wurde auch im Bereich Frühförderung mit der Durchführung eines speziellen Wochenendes für die Geschwister der betreuten Kinder beschritten. Die Erfahrungen waren uneingeschränkt positiv, so dass ein solches Angebot zum Standard werden soll, falls es gelingt, die notwendige Finanzierung zu sichern.
Ausbildung zur Informatikkauffrau / zum Informatikkaufmann
An der obligatorischen Arbeitserprobung, die unter anderem zur
Prüfung der fachlichen und persönlichen Eignung der Bewerber dient,
nahmen 10 Interessenten teil. Davon konnten wir zum Ausbildungsbeginn
5 neue Auszubildende, davon 2 Informatikkaufleute und erstmals 3
Fachinformatiker (Anwendungsentwicklung) begrüßen.
Die erfolgreiche Prüfung vor der Industrie- und Handelskammer legten
in diesem Jahr 6 Auszubildende ab. Das 16-wöchige Praktikum zum
Beginn des dritten Lehrjahres wurde von den Teilnehmern bei
Unternehmen in Dortmund, Münster, Marburg und Schalksmühle
absolviert. Außerdem wurde mit Auszubildenden zur Förderung der
Schlüsselqualifikationen ein
Outdoor-Training
durchgeführt. Aufgrund der überaus positiven Erfahrungen ist dieses
Angebot inzwischen fester Bestandteil der Ausbildung.
Blindentechnische Grundausbildung
Insgesamt nahmen 20 Personen im Alter von 11 bis 56 Jahren an der
Blindentechnischen Grundausbildung (BtG) teil. Schwerpunkte dieser
meist einjährigen Reha-Maßnahme sind der Unterricht
in „Orientierung & Mobilität“,
„Lebenspraktischen Fähigkeiten“, Punktschrift und
Textverarbeitung. Daneben sind die Bewegungsförderung, psychologische
Betreuung, EDV-Beratungen
und -Schulung sowie die sozialpädagogische Förderung fester
Bestandteil des Konzeptes. Im Bedarfsfall werden weitere individuelle
Fördermaßnahmen eingeleitet.
Im Berichtszeitraum wurde die Maßnahme von 6 Teilnehmerinnen und
Teilnehmern erfolgreich abgeschlossen. Davon besuchte im Anschluss 1
Teilnehmer die Carl-Strehl-Schule und 2 Teilnehmer kehrten in den
Beruf zurück. 2 Absolventen planen, in Kürze eine Ausbildung
aufzunehmen und 1 Teilnehmer kehrt in den häuslichen Bereich zurück.
Als besonderes Ereignis im Jahr 2007 ist das 25-jährige Jubiläum der
Wohngruppe Am Renthof zu nennen, das im Sommer mit 99 ehemaligen
Rehabilitandinnen und Rehabilitanden und ihren Angehörigen sowie 40
Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern ausgiebig gefeiert wurde.
Außerdem wurde eine umfangreiche Befragung der Teilnehmerinnen und
Teilnehmer durchgeführt, die die „Blindentechnische
Grundausbildung“ in den letzten 15 Jahren durchlaufen haben.
Von den 155 angeschriebenen Personen haben sich 82 Personen beteiligt.
Erfasst wurde, wie die ehemaligen Rehabilitanden die Reha-Angebote
wahrgenommen haben und nach Abschluss der Maßnahme in Schule,
Ausbildung, Beruf oder zuhause nutzen konnten.
Unterricht in „Orientierung & Mobilität“ (O&M), „Lebenspraktischen Fähigkeiten“ (LPF), „Low Vision Beratung“ und „Sehhilfenanpassung“
Neben den vielfältigen Überprüfungen in den Orientierungs- und
Probewochen wurden insgesamt 99 Schülerinnen und Schüler der
Carl-Strehl-Schule in „O&M“ oder „LPF“
unterrichtet. Außerdem wurden 2007 die ersten beiden Gespannprüfungen
durchgeführt.
Die Kollegen der Low Vision
Beratung und Sehhilfenanpassung haben im gleichen Zeitraum 72
Schülerinnen und Schüler und Rehabilitanden untersucht und in fast
allen Fällen geeignete Empfehlungen für eine verbesserte Ausstattung
mit optischen Hilfsmitteln geben können. Darüber hinaus wurde dieses
besondere Angebot wieder von zahlreichen sehbehinderten Menschen,
vornehmlich aus Hessen, in Anspruch genommen. Neu ist in diesem
Zusammenhang die enge Kooperation mit der „Frankfurter Stiftung
für Blinde und Sehbehinderte“.
Hilfsmittel und Informationstechnologie
Die Schwerpunkte der Arbeit des Teams liegen darin, Schüler und Rehabilitanden der blista und externe Klienten in den Bereichen Punktschrift und Textverarbeitung sowie in der EDV zu beraten und zu schulen. Im Jahr 2007 wurden 88 EDV-Beratungen und -Schulungen für blista-Schüler und 81 für externe Interessenten durchgeführt. Außerdem beteiligte sich die Abteilung an verschiedenen bundesweiten Modell- und Entwicklungsprojekten.
Berufliche Weiterbildung zum Rehabilitationslehrer für Blinde und Sehbehinderte (O&M und LPF)
Am 13. November 2006 begann der inzwischen 14. Kurs. Der Abschluss ist für den 16. Mai 2008 geplant. 6 weibliche und 1 männlicher Teilnehmer werden dann aller Voraussicht nach die Weiterbildung erfolgreich abgeschlossen haben. 3 Absolventinnen kehren an ihren früheren Arbeitsplatz zurück. Auch für die anderen Absolventen dürfte sich nach heutigem Kenntnisstand eine positive berufliche Perspektive ergeben. Voraussichtlich am 1. September 2008 wird der nächste Kurs beginnen. Das Interesse ist erfreulich groß.
Psychologischer Dienst
Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Psychologischen Dienstes
wurden von 64 Schülerinnen und Schülern sowie Rehabilitandinnen und
Rehabilitanden meist langfristig kontaktiert. Teams des Internats
wurden in 10 Fällen zu Fragen des Umgangs mit psychologisch
schwierigen Betreuungssituationen beraten.
Von dem Bereich Bewegungsförderung wurden 22 Schülerinnen und
Schüler sowie Rehabilitandinnen und Rehabilitanden betreut. Die
Maßnahmen waren schwerpunktmäßig Einzelförderungen, aber besonders
im Bereich Psychomotorik wurden auch Gruppenangebote durchgeführt.
Dabei wurden die Kolleginnen von einer pädagogischen Mitarbeiterin
des Internats unterstützt. Zu den Angeboten gehörten außerdem
Entspannungsangebote im Sportunterricht der Klassen 6 und 7,
Arbeitsplatzberatungen in Schulklassen der
CSS sowie die Organisation
und Begleitung einer
Breakdance-AG, an der zwischen 8
und 10 Schülerinnen und Schüler mit Begeisterung teilnahmen.
Frühförderung blinder und sehbehinderter Kinder
Im Jahr 2007 (Stichtag 31.12.2007) wurden im Rahmen der mobilen
Hausfrühförderung 44 Kinder bis zum siebten Lebensjahr betreut.
Die Förderung der Kinder und die Beratung der Eltern findet in der
Regel im wöchentlichen oder 14-tägigen Rhythmus im Elternhaus statt.
Die Kinder stammen aus den Landkreisen Marburg-Biedenkopf (22),
Lahn-Dill (7), Waldeck-Frankenberg (3), Schwalm-Eder (2) sowie den
Städten Gießen (6) und Wetzlar (4). 31 Kinder sind entsprechend
der gesetzlichen Normen als sehbehindert (70 %) und 7 als blind
(16 %) zu bezeichnen. Zudem wurden 6 Kinder von blinden Eltern
betreut (14 %). Die überwiegende Zahl der betreuten Kinder weist
zusätzlich zur Blindheit bzw. Sehbehinderung weitere, zumeist
schwerwiegende Behinderungen auf (28 Kinder; 64 %). Wie die
Altersverteilung der 11 im Jahr 2007 neu aufgenommenen Kinder
zeigt, konnte bei 7 Kindern (64 %) bereits im ersten und bei 2
weiteren Kindern (18 %) im zweiten Lebensjahr mit der Förderung
begonnen werden. Der Anteil an Kindern aus Familien mit
Migrationshintergrund (meist mit deutscher Staatsbürgerschaft)
beläuft sich auf 18 % (8 Kinder).
blista