Concert de Sens 2019

01. November 2019 18:00 Uhr blista-Campus, Aula, Am Schlag 2, 35037 Marburg

„Wer nur etwas von Musik versteht, versteht überhaupt nichts von Musik.“ (Georg Knepler, Musikwissenschaftler und Philosoph, 1906 - 2003)

Pantomimik des Tanzes – wie kann man dies für das „innere Auge“ für Blinde und Sehbehinderte sichtbar machen?

Die inzwischen erblindete Diplom-Repetitorin für Ballett Ellen Greiner und Musiktheaterproduzent Ulrich Steiner versuchen dies bereits im 3. Jahr in Folge und regen auch viele sehende Besucher zu den Konzerten mit an.

Auf Wunsch des Vorstandes der Deutschen Blindenstudienanstalt e. V. Marburg, sowie der Bürgervereinigung in Köln-Rodenkirchen e. V. werden sie zusammen mit Pit Metz aus Marburg im November zwei Benefizkonzerte zugunsten der Blindentechnischen Grundrehabilitation (BtG) in Marburg und Köln ausrichten.

2019 trägt die ca. 90-minütige Sprechkonzert-Reihe ohne Pause den Untertitel „Gut, oder Bös?“. Sie befasst sich künstlerisch mit Janusfiguren von der Antike bis hinein ins 20. Jahrhundert, die mal Gutes, oder auch mal schlechtes im Schilde führen könnten. Das bleibt der eigenen Phantasie überlassen. Grundlage bilden Sprichwörter, die seit Jahrhunderten längst tief im Unterbewusstsein, Glauben und Denken der Menschen verankert sind.

Im Fokus sind dabei Darstellungen bedeutender Tanzdramen und Literaturbeispiele, die im unmittelbaren Zusammenhang zur Musik stehen. Jeder kann die Originalgeschichten nach kurzer literarischer Einführung ohne besondere Vorkenntnisse mitverfolgen. So werden von Sagen aus dem Schwarzwald zu Lande (Wilhelm Hauff: „Das kalte Herz“) und Sagen zu Wasser um das Nordkap vom „Der Fliegende Holländer“ aus gleichnamiger Oper von Richard Wagner musikalisch berichtet. Auch das Tanzdrama der ahnungslosen WinzerTochter Giselle kann im Reich der Schatten weiter mitverfolgt werden, während die Waldgeister zwischen Mitternacht und Morgengrauen ständig Ausschau nach Lügnern und ehrbaren Leuten halten.

Das Sprechkonzert mit spannender Zusammenführung dreierlei Kunstformen wird von Tanzwissenschaftler Prof. Dr. Peter Jarchow aus Berlin unterstützt, bei dem die Pianistin 7 Jahre studierte, bevor ihre Karriere als Sehbehinderte Pianistin am Staatstheater Mainz begann. Er fasst den roten Faden des Konzerts wie folgt zusammen: „Das Ende kann bitter sein, wenn man sich fremden Mächten und Welten aussetzt, um leichter und schneller an Gut und Geld zu kommen als durch ehrliches Bemühen.“

Ellen Greiner und Ulrich Steiner spenden die Einnahmen dieses Konzerts der Blindentechnischen Grundrehabilitation (BtG) der blista.

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Termine:
Freitag, 01.11.2019, 18:00 Uhr, blista-Aula,
Am Schlag 2, 35037 Marburg
Freitag, 22.11.2019, 18:00 Uhr, Gemeindesaal Erlöserkirche Köln-Rodenkirchen, Sürther Straße 34, 50996 Köln

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Einladung „Concert de Sens 2019“

Sehr geehrte Damen und Herren,

im Rahmen unserer Sprechkonzert-Reihe „“Concert de Sens“ möchten wir, die blinde Diplom-Repetitorin für Ballett Ellen Greiner und Herr Musiktheaterproduzent Ulrich Steiner, auf zwei Benefizkonzerte der ganz besonderen Art 2019 aufmerksam machen. Die Konzertreihe als Kulturangebot für Sehbehinderte und Blinde findet bereits im 3. Jahr infolge statt. Herzlich heißen wir Krimi-Interessierte, ganz gleich, ob sehend oder nicht-sehend und frei von musikalischen Vorkenntnissen willkommen, die neue Einblicke in die Vielfältigkeit verschiedener Kunstgattungen gewinnen möchten. Sowohl weltbekannte und eher unbekannte Tanzdramen des 19. und 20. Jahrhunderts ohne pantomimische Darstellungen von Tänzern als auch bedeutende Märchen der Literatur und Operndramen sollen die eigene Fantasie für das „innere Auge“ anregen und sichtbar machen.

Der Untertitel „Gut oder Bös?“ lässt erahnen, dass auch unschuldige Janus-Figuren betroffen sind, die entweder gejagt ermordet oder wieder freigelassen werden. Ein berühmter Philosoph prägte den Satz: „Wer nur etwas von Musik versteht, versteht nichts von Musik.“

In den ca. 80-minütigen Aufführungen ohne Pause erklingen u. a. Werke von Adolphe Adam (Giselle, Fortsetzung 2. Akt), Ludwig van Beethoven (Klavierkonzert op. 4.2), Werke von P. I. Tschaikowsky und Richard Wagner (der Fliegende Holländer: Ballade der Senta), die sich teilweise wie ein roter Faden durch das Programm ziehen. Selbstverständlich darf am Konzertabend auch ein kurzer Blick auf das Märchen Wilhelm Hauffs „Das kalte Herz“ und das knappe Ende eines Anti-Kriegsdramas nicht fehlen.

Ein Einstieg in die bereits aufgeführten Szenenausschnitte der Vortragsreihe ist jederzeit möglich und wird einfühlsam von Ulrich Steiner zusammengefasst. Nicht der musikalische Vortrag eines üblichen Konzerts, sondern die die Verknüpfung von 3 Kunstgattungen stehen im Vordergrund. Wir berücksichtigen dabei ausschließlich wichtige Schlüsselszenen der Originalvorlagen.

Wir freuen uns, wenn Sie weitere Personen Ihres Kollegiums, Ihrer Bezirksgruppe, Rehabilitanden oder Selbstbetroffene aus Ihrem Freundes- und Bekanntenkreis über die Vorstellungen in Marburg und Köln informieren würden. Blindenführhunde und Begleithunde sind selbstverständlich gestattet, sollten aber nicht schreckhaft auf laute Einsätze reagieren. Erlöse der Eintritte in Höhe von 5.00 € kommen ausschließlich der Blindentechnischen Grundrehabilitation (BtG) der Deutschen Blindenstudienanstalt e. V. (blista) zugute.

Marburg

Fahrgemeinschaften von Bezirksgruppen und anderen Selbsthilfeorganisationen werden für Kartenvorbestellungen, Informationen zu Übernachtungsmöglichkeiten gebeten, sich bei allen Fragen und Anliegen direkt an die Pressestelle der blista zu wenden.

Köln

Bei Fragen zu Hotelreservierungen kleinerer Gruppen, sowie Begleitmöglichkeiten von der Bushaltestelle „Siegfridstraße“ in Köln richten Sie bitte bis spätestens 15.10.2019 an: greiner-e@gmx.de. Helfende Begleitpersonen stehen nach Voranmeldung am Freitag, 22.11.2019 an der Bushaltestelle ab 17:30 Uhr zur Verfügung. Sie gehen auch während des Konzerts auf stumme Handzeichen von Hilfestellungen ein.

Wir hoffen, Ihr Interesse geweckt zu haben und freuen uns, Sie begrüßen zu dürfen.

Im Namen aller Mitwirkenden
Ellen Greiner
(Dipl. Repetitorin für Ballett)

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Zur Vita Ellen Greiner

Die blinde Pianistin Ellen Greiner besuchte die Deutsche Blindenstudienanstalt e. V. in Marburg (blista) von 1987 bis 1992. Im Anschluss studierte sie den Diplomstudiengang Klavierpädagogik sowie Ballettkorrepetition/Tanzimprovisation in Utrecht, Dresden und Leipzig, wonach direkt ein Engagement für mehrere Jahre am Staatstheater Mainz folgte. Im Rahmen dieser Tätigkeit war sie mit der Compagnie zu den bedeutendsten Tanzfestivals in ganz Europa unterwegs. Frau Greiner arbeitet seit 2008 als Klavierpädagogin in Köln. 2015 kehrte sie erblindet für ein Jahr an die blista zurück, um im Rahmen einer Blindentechnischen Grundrehabilitation ein berufsbegleitendes Studium und Praktikum zu absolvieren.

Im Juni 2017 fand die Uraufführung der Sprechkonzert-Reihe „Concert de Sens“ als Benefizkonzert mit dem Titel „Wahnsinn, Hoffnung, Tod“ in der Erzengel-Michael Kirche zu Köln statt. 9 Monate später nahmen Frau Greiner und Sprecher Ulrich Steiner eine weitere Auftrittsmöglichkeit mit neuem Programm „Verloren, vergessen, vergangen“ an der Deutschen Blindenstudienanstalt e. V. im März 2018 gerne an. Eine Konzertwiederholung des aktuellen Programms folgte im Mai 2018 in Köln. Der dritte und vorläufig letzte Teil dieser außergewöhnlichen Konzertreihe für Sehbehinderte und Blinde trägt 2019 den Titel „Gut oder Bös?“, und wird am Freitag, 01.11.2019 in Marburg aufgeführt und Freitag, 22.11.2019 in Köln wiederholt. Eintritts- und Spendeneinnahmen fließen wie in den Jahren zuvor ausschließlich der blista zugute. In diesem Jahr freut sich die Blindentechnische Grundrehabilitation (BtG) über Ihr Engagement für einen guten Zweck.

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