The Unseeing Ei-Catcher – Oder: Wie wir lernten, anderen ein Ei ins Nest zu legen

Eine Schülerin hät das "Ei" in den Händen

Janosch Briel und Jens Flach | Rugby für blinde und sehbehinderte Menschen? Das geht doch gar nicht! Wer daran zweifelt, wurde bei den Trainingssessions der Hugby-Coaches der Worcester Warriors eines Besseren belehrt. Doch was führte ein Team von Trainerinnen und Trainern des englischen Rugby-Erstligisten überhaupt an die blista?

Beim letzten Besuch unserer Partnerschule in Worcester im Herbst 2018 hatten die Teilnehmenden des Austausches die Gelegenheit, das dortige Rugby-Stadion zu besichtigen und knüpften diesen wertvollen Kontakt. Natürlich wurde auch die speziell für blinde und sehbehinderte Menschen ent­wickelte Spielvariante „Hugby“ ausprobiert.

Mit Freude und Elan beteiligen sich 6 Schüler*innen am Spiel

Der Spielgedanke des Hugby gleicht dem bekannten Rugby-Spiel: Der eiförmige Ball muss vom eigenen Team in die Zone am Spielfeldrand hinter der gegnerischen Mannschaft gelegt werden. Dabei darf das Rugby-Ei zwar in alle Richtungen geschossen, aber lediglich nach hinten geworfen werden. Was das Spiel zudem auszeichnet, ist, dass es nicht verboten – ja, sogar gängige Spielpraxis – ist, die balltragenden Gegnerinnen und Gegner zu Fall zu bringen.

Auf den ersten Blick scheint ein solches Gerangel nicht sonderlich einladend zu sein, wenn man kein Sehvermögen hat, doch mit ein paar wenigen Anpassungen wird es zu einem inklusiven Spielspaß. Um sicherzustellen, dass visuelle Einschränkungen kein Ausschlusskriterium sind, haben die Worcester Warriors eigens ein klingelndes Rugby-Ei entwickeln lassen. Außerdem werden die balltragenden Gegnerinnen und Gegner mittels einer Umarmung (engl. Hug) gestoppt, womit nicht nur das Verletzungs­risiko minimiert, sondern auch die Entstehung des Namens „Hugby“ erklärt werden kann.

Im Mai besuchte uns eine sechsköpfige ­Delegation der Worcester Warriors an der blista und hielt insgesamt vier Trainingseinheiten ab. Diese erfreuten sich großer Beliebtheit, sodass jeweils mindestens 30 Schülerinnen und Schüler teilnahmen. Während dieser Trainingseinheiten stellten die Coaches Professionalität und Einfühlungsvermögen zugleich unter Beweis. So wurden die einzelnen Elemente des Spiels wie z. B. Passen, Fangen, „Huggen“ und Spieltaktik eingeübt und zu spannenden Matches zusammengeführt. Dabei profitierten nicht nur auf der sportlichen Ebene, sondern konnten auch mit Muttersprachlerinnen und Muttersprachlern in authentischen Situationen auf Englisch interagieren.

Trainingseinheit auf dem Sportplatz

Die durchweg positive Resonanz von Seiten unserer Schülerinnen und Schülern belegt nicht nur, dass die englischen Gäste ihr Handwerk beherrschen, sondern auch, dass Hugby eine willkommene Ergänzung unseres ohnehin schon facettenreichen Bewegungsangebots ist.

Daher ist für das Schuljahr 2019/2020 ­bereits eine Hugby-AG geplant. Auch die Worcester Warriors waren von dem Lerntempo und Eifer unserer Schülerinnen und Schüler so beeindruckt, dass sie uns schon bald wieder einen Besuch abstatten möchten, um diese internationale Kooperation weiterzuentwickeln.