Vollzeitausbildung

Staatlich geprüfte Fachkraft der Blinden- und
Sehbehindertenrehabilitation

Wie kann ich ein Ordnungssystem für den Kleiderschrank anlegen? Wie finde ich den Weg zur Schule, zur Ausbildungsstätte, zum neuen Arbeitsplatz oder zum Bahnhof, Kino und Theater? Wie organisiere ich ohne visuelle Kontrolle meinen Arbeitsplatz? Reha-Fachkräfte (früher: "Rehabilitationslehrer" oder kurz "Reha-Lehrer") sind Experten für diese und viele weitere Fragen. Unsere Fachschule ist dafür die bundesweit einzige, staatlich anerkannte Ausbildungsstätte.

Gebühren deutlich gesenkt!

Ein herzliches Dankeschön an die Paul und Charlotte Kniese-Stiftung, durch deren Engagement wir den Eigenkostenanteil für alle Teilnehmenden deutlich senken können!

Teilnahme

Die Vollzeitausbildung an der staatlich anerkannten Fachschule für Fachkräfte der Blinden- und Sehbehindertenrehabilitation dauert zwölf Monate. Die Teilnehmenden entscheiden sich  im Vorhinein für einen der beiden möglichen Schwerpunkte Orientierung und Mobilität (O&M) oder Lebenspraktische Fähigkeiten (LPF).

Teilnahmevoraussetzungen

  • Nachweis über die Versetzung in die Einführungsphase einer öffentlichen oder staatlich anerkannten gymnasialen Oberstufe oder ein Zeugnis des mittleren Abschlusses oder ein als gleichwertig anerkanntes Zeugnis
  • abgeschlossene mindestens 3-jährige oder gleichwertige Berufsausbildung in einem pädagogischen, psychologischen, sozialpädagogischen, sozialarbeiterischen, medizinisch-therapeutischen oder pflegerischen Beruf
  • berufliche medizinische Qualifikationen aus den Bereichen Optik, Orthoptik oder Optometrie können im Einzelfall eine Aufnahme an die Fachschule ermöglichen, wenn die Eignung für die Arbeit mit blinden oder sehbehinderten Menschen durch zusätzliche pädagogische, beraterische oder pflegerische Kenntnisse, berufliche Erfahrungen oder Zusatzqualifikationen nachgewiesen wird
  • eine mindestens 18-monatige Berufserfahrung im pädagogischen, psychologischen, sozialpädagogischen, medizinisch-therapeutischen oder pflegerischen Bereich oder eine sechsmonatige pädagogische oder rehabilitative Tätigkeit mit Menschen mit Blindheit oder Sehbehinderung
  • physische und psychische Belastbarkeit.

Neben der Vermittlung theoretischer Grundlagen in verschiedenen medizinischen, psychologischen und pädagogischen Fächern bildet das praktische Lernen und Lehren den Schwerpunkt im breit gefächerten Curriculum.

Nach der schwerpunktunabhängigen Vermittlung der Grundlagen der Rehabilitationspraxis, erfolgt der fachpraktische Unterricht im gewählten Fach (O&M oder LPF). In Lern- und Lehrsimulationen unter der Augenbinde und mit speziellen Brillen, die unterschiedliche Seheinschränkungen simulieren, erlernen die Studierenden wesentliche blinden- und sehbehindertenspezifische Strategien und Techniken.

Das eigene Erleben der entsprechenden Strategien und Methoden schafft die Basis, um die erlernten Techniken an andere zu vermitteln. Parallel werden im Unterricht in theoretischen Fächern u.a. medizinische, psychologische und pädagogische Grundlagen vermittelt. Weitere Unterrichtsinhalte und –fächer in dieser Phase beziehen sich auf Konzepte, Methoden und Medien sowie auf berufskundliche und berufspraktische Themen.

Im letzten Drittel der Ausbildungszeit erfolgt der Einstieg in die eigene Lehr- und Unterrichtspraxis mit blinden und sehbehinderten Klienten. Hier werden die Studierenden regelmäßig von den Ausbildern im Unterricht begleitet und angeleitet. Die Unterrichtspraxis kann entweder in Marburg mit Klienten der blista erfolgen oder unter bestimmten Voraussetzungen an einer anderen Einrichtung / Institution für Menschen mit Blindheit und Sehbehinderung geleistet werden (z.B. in Heimatnähe). Für Studierende, die die Unterrichtspraxis heimatnah leisten, verkürzt sich die erforderliche Präsenzzeit in Marburg auf ca. 8 ½ Monate.  Die Weiterbildung endet mit einer Abschlussarbeit, mündlichen und schriftlichen Prüfungen sowie einer unterrichtspraktischen Prüfung (Abschlusslehrprobe) im gewählten Schwerpunkt.

Mit Inkrafttreten der neuen Verordnung sind die erfolgreichen Absolventinnen und Absolventen des nächsten Weiterbildungsdurchgangs berechtigt, die Berufsbezeichnung „Staatlich geprüfte Fachkraft der Blinden- und Sehbehindertenrehabilitation - Schwerpunkt Orientierung und Mobilität (O&M)“ bzw. „... - Schwerpunkt Lebenspraktische Fähigkeiten (LPF)“ zu führen. Wer dann noch eine weitere Qualifikation anstrebt, kann den zweiten Schwerpunkt in einem der nächsten Weiterbildungsgänge ergänzen.

Kosten

Um dem akuten Fachkräftemangel zu begegnen und die finanziellen Hürden für die Weiterbildung zu senken, haben der Deutsche Blinden- und Sehbehindertenverband (DBSV) und der Verband für Blinden- und Sehbehindertenpädagogik (VBS) Stiftungsmittel zur Bezuschussung der Weiterbildung eingeworben. Unser großer Dank gilt der Paul und Charlotte Kniese-Stiftung und den weiteren Förderern für die großzügige Bereitstellung der Mittel. Mit der Förderung können bis 2027 die Kosten der Vollzeit-Weiterbildung für 48 angehende Reha-Fachkräfte am IRIS-Institut Hamburg und an der staatlich anerkannten Fachschule der blista bezuschusst werden. Die Teilnahmegebühren betragen 20.500 € zzgl. einer Prüfungsgebühr in Höhe von voraussichtlich 140 €.

NEU: Der Eigenkostenanteil für die Vollzeit-Weiterbildung kann auf Antrag auf 350,00 € pro Ausbildungsmonat gesenkt werden.

Durch den Status der staatlichen Anerkennung als Fachschule besteht bei Vorliegen der individuellen Voraussetzungen die Möglichkeit der individuellen finanziellen Förderung durch das Aufstiegs-BAFöG (vgl. zur Information: https://www.aufstiegs-bafoeg.de/). Für Anspruchsberechtigte kann im zweiten Schritt auch hier der Eigenkostenanteil auf Antrag auf 350,00 € pro Ausbildungsmonat gesenkt werden.