blista-Judoka landen großen Wurf

Von links: Markus Zaumbrecher, Tabea Müller, Schugga Nashwan und Daniel Goral

Sensation – Blinde Judoka wird 2. bei den allgemeinen Deutschen Meisterschaften

Markus Zaumbrecher * - Für die diesjährigen Einzelmeisterschaften der Alterskate­gorie U21 des Deutschen Judobundes, die in Frankfurt an der Oder ausgerichtet wurden, konnten sich die drei Sehbehinderten Tabea Müller, Schugga Nashwan und Daniel Goral aus dem Inklusionsteam der blista und Blau-Gelb Marburg e.V. qualifizieren. Schon Freitagabend bei der Ankunft im Hotel, in dem auch andere Teams untergebracht waren, wurde deutlich: Hier will jeder gewinnen! Die Stimmung unter den Judoka aus ganz Deutschland war von gegenseitigem Interesse, Vorfreude und Konzentration auf die bevorstehende Meisterschaft geprägt.

Am Samstag fingen mit dem Abspielen der Deutschen Nationalhymne die Meisterschaften dann auch offiziell an. Am ersten Tag musste aber nur Daniel Goral ran. Das Niveau in seiner Gewichtsklasse war sehr hoch und so reichte es für ihn trotz guter Vorbereitung nicht für eine vordere Platzierung. Erfolgreicher war er eine Woche zuvor bei den Deutschen Meisterschaften U18 in Herne. Hier belegte er in einem starken Feld den 9. Rang und bei den internationalen deutschen Jugendmeisterschaften für ­Judoka mit Blindheit und Sehbehinderung in Heidelberg holte er die Goldmedaille.

Am Sonntag hatten dann der fast blinde Schugga Nashwan (bis 60 kg) und die vollblinde Tabea Müller (bis 44 kg) ihren Auftritt. Nashwan hatte eine schwere Auslosung erwischt und gleich zu Beginn zwei sehr starke Gegner, die später beide auf dem Siegertreppchen standen. Zusätzlich war er durch eine Verletzung gehandicapt, so dass er nach zwei Niederlagen aus dem Rennen war.

Vizemeisterin Tabea Müller mit Trainer Markus Zaumbrecher

Alles überstrahlte aber Tabea Müller. Einen Tag nach ihrem Geburtstag gewann sie im Ultraleichtgewicht für das Marburger Team nach beeindruckenden Leistungen die Silbermedaille und holte somit den Titel als „Deutsche Vizemeisterin 2017“ nach Hessen. Das Team feierte den tollen Erfolg auch durch den Verzehr des Geburtstagskuchens, der aus Gewichtsgründen noch nicht am ­eigentlichen Geburtstag angerührt werden durfte.

„Beeindruckend war auch das positive Feedback vieler Zuschauer und Trainer anderer Judoteams“, berichtet Tabea Müller. Alleine die Qualifikation für die Deutsche Meisterschaft der Nicht-Sehbehinderten war schon ein enormer Erfolg. Tabeas Leistung sorgte für einen unüberhörbaren Applaus in der Halle, als sie durch eine erfolgreich angesetzte Würgetechnik im Bodenkampf ihre Gegnerin zur Aufgabe zwang und damit der Einzug ins Finale geschafft war. Im Finalkampf unterlag Müller schnell durch eine gut ausgeführte Wurftechnik der Gegnerin.

Tabea Müller und Markus Zaumbrecher zeigten sich als gut funktionierendes Athleten-Trainer Gespann. Während der Kämpfe unterstützte Zaumbrecher die blinde Athletin durch Zurufe. Nach den Kämpfen wurde gemeinsam analysiert „Es ist schon anspruchsvoll, eine sehbehinderte Person von außen durch rein verbale Zurufe in einer Halle mit begeistertem Publikum zu coachen. Nicht nur die notwendigen technisch-taktischen Anweisungen müssen ankommen, sondern in Tabeas Fall als blinde Kämpferin insbesondere die Informationen zu ihrer räumlichen Orientierung auf der Matte und zur Position der Gegnerin“, erklärte Zaumbrecher. „Das hat es meines Wissens nach noch nie in der Deutschen Judogeschichte gegeben, dass ein blinder Mensch einen solchen Titel bei der Deutschen Meisterschaft gewinnt.“

[*Trainer des Inklusions-Teams]