Mit PROJob! auf dem Weg in den ersten Arbeitsmarkt

Jobsuchende und Arbeitgeber werden unterstützt

Ute Mölter und Otfrid Altfeld | „Ich wünsche mir Unterstützung bei der Jobsuche, die vor Ort stattfinden kann und auf meine Sehbehinderung spezialisiert ist“, diese Bitte von ausbildungs- und  arbeitssuchenden Menschen mit Sehbehinderung oder Blindheit gab den Anstoß, eine innovative und inklusive Qualifizierung zu entwickeln.

Jetzt ist es soweit: mit PROJob! hält die blista nun für die Standorte in Marburg und Frankfurt ein Angebot für Arbeitssuchende bereit, das die speziellen Anforderungen der Integration in eine Beschäftigung in den Fokus nimmt.

Dass Menschen mit Blindheit und Sehbehinderung nicht in dem Maße von der seit Jahren positiven Entwicklung am Arbeitsmarkt profitieren wie Sehende, ist bedauerliche Realität. Die leider allzu oft zu beobachtende Abkopplung von beruflicher Integration oder gar beruflicher Weiterentwicklung liegt aber häufig nicht am Mangel an fachlicher Kompetenz oder Qualifikation, sondern an den besonderen Wegen, die Menschen mit Blindheit oder Sehbehinderung in die Beschäftigung gehen. Die für Sehende üblichen Stellen- und Bewerbungsportale stehen den Betroffenen oft nicht zur Verfügung, Arbeitgeber scheuen nicht selten den Gedanken an eine Beschäftigung von Personen mit einer Sehbeeinträchtigung, weil sie nicht einschätzen können, inwieweit die betrieblichen Strukturen und Prozesse mit der Arbeitsweise blinder oder sehbehinderter Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter kompatibel sind. Auch auf Seiten der Bewerberinnen und Bewerber bestehen Unsicherheiten, welche Anforderungen bei der Bewerbung und vor allem bei der Arbeit vor dem Hintergrund einer Sehbeeinträchtigung gestellt werden.

Ziel von PROJob! ist es, dass die Teilnehmenden nach spätestens 24 Wochen möglichst ein versicherungspflichtiges Beschäftigungsverhältnis in Aussicht oder angetreten haben. Wichtig ist uns dabei, dass alle Interessentinnen und Interessenten sowohl in Marburg, wie auch in der Region Rhein-Main, in ihrem gewohnten Umfeld bleiben können und an fünf Tagen in der Woche in unseren regionalen Schulungs- und Beratungszentren qualifiziert werden.

Die Qualifizierung wird aus verschiedenen Modulen aufgebaut, die nach den Bedarfen der Teilnehmenden ausgewählt werden können. Alle Vermittlungs- und Coaching-Einheiten zielen darauf ab, die Teilnehmenden wieder in die Lage zu versetzen, genügend Selbstvertrauen, Kompetenzen und Strategien aufzubauen, um bei ihrer Stellensuche erfolgreich zu sein.

Wie das geht?

Zuerst ziehen wir gemeinsam im Einzelprofiling Bilanz. Spezialisierte Fachkräfte der blista überprüfen die Ressourcen im Bereich der sehbehindertenspezifischen Kompetenzen wie Orientierung und Mobilität, Berufs- und Lebenspraktischen Fähigkeiten und Arbeitstechniken am Computer. Es werden fachliche und soziale Kompetenzen ermittelt, bis sich am Ende ein Gesamtbild ergibt, aufgrund dessen gemeinsam mit allen Beteiligten ein realistisches Karriereziel entwickelt wird, das die Basis für den Pfad der Teilnehmenden durch die Weiterbildung bestimmt.

Im Kurs mit bis zu acht Teilnehmenden wird durchgehend der Fokus darauf gelegt, den Einzelnen das Knowhow an die Hand zu geben, Expertin oder Experte im Umgang mit der individuellen Sehbehinderung bei der Stellensuche zu werden.

Potentielle Arbeitgeber können unmittelbar dabei unterstützt werden, Arbeitsweisen und Chancen bei der Beschäftigung von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern mit Sehbehinderung oder Blindheit besser zu verstehen und einschätzen zu können. Auch zukünftige Kolleginnen und Kollegen sind nicht selten unsicher und profitieren von einer Unterstützung, mit der ihnen die Zusammenarbeit mit der neuen Kollegin bzw. dem neuen Kollegen näher gebracht werden kann.

Um die Selbstwirksamkeit und die eigene Verantwortlichkeit zu aktivieren, gibt es neben der täglichen Präsenzzeit auch tägliche „Selbstlerneinheiten“. In diesen  Einheiten erledigen die Teilnehmenden in Eigenregie Arbeitsschritte, die sie mit ihrem Job-Coach abgesprochen haben und in regelmäßigen Terminen abgleichen.

Während der Präsenzzeit in den Räumen der Beratungs- und Schulungszentren werden ein behinderungsspezifisches Bewerbungstraining, ein Selbstpräsentationstraining mit Image- und Outfitberatung und ­Videoanalyse, EDV- und Hilfsmittelschulungen zur Aktualisierung und Entwicklung der Basiskompetenzen und ein barrierefreies Vermittlungscoaching angeboten. Jeder Teilnehmende erhält während seiner Qualifizierungsteilnahme ein auf seine Bedarfe ausgestatteten Laptop, mit dem vereinbarte Aufgaben auch außerhalb der Präsenzzeit erarbeitet werden können.

Erfahrene Job-Coaches sind kontinuierliche Begleiter und Unterstützer in diesem Prozess. Sie unterstützen auch während der sechswöchigen Praktikumszeit in den jeweiligen Betrieben, wo sie vor Ort auf Wunsch Kolleginnen, Kollegen und Arbeitgeber für die Zusammenarbeit mit dem neuen Mitarbeiter oder Mitarbeiterin fit machen und die Entwicklung der Ressourcen der Praktikantinnen und Praktikanten durch regelmäßige Gespräche und Reflexion fördern. Aus der Erfahrung in der Begleitung von arbeitssuchenden Menschen mit Sehbeeinträchtigung konnten wir feststellen, dass Praktika häufig die Tür für eine weitere Beschäftigung öffnen.

Die Teilnahme an PROJob! kann durch die Agentur für Arbeit, die JobCenter und andere Kostenträger gefördert werden.Wir planen den Start für den Februar 2019.

Infos über PROJob! an der blista in Marburg und in Frankfurt:
Ute Mölter moelter@blista.de, 06421 606 500 und Otfrid Altfeld o.altfeld@blista.de, 06421 12139