Austausch mit Tradition – Neustart in Worcester

Fünf Schüler*innen in historischen Kostümen stehen und knien in einem Raum mit Holzboden vor einem Holzschrank.

Coal, Culture & Cadbury

Martina Dirmeier und Jens Flach | Unser Schüleraustausch mit dem New College Worcester ist nach siebenjähriger Pause wieder angelaufen – und damit eine Tradition, die bis 1989 zurückreicht. Mit dabei waren Tiago, Lotta, Eva-Lotta, Tizian, Lewis und Hisham aus der Jahrgangsstufe 10, begleitet von Frau Dirmeier, Frau Roesler und Herrn Flach. Gemeinsam durften wir erleben, wie facettenreich ein Austausch sein kann: historisch tiefgründig, kulturell verbindend und kulinarisch überraschend.

Coal – Geschichte unter Tage und über Jahrhunderte

Drei Personen stehen in einer hellen Küche an einer Arbeitsfläche, eine rührt in einer Schüssel. Auf der rechten Seite sind Herd, Arbeitsplatte und verschiedene Küchenutensilien zu sehen.

Wer England verstehen will, kommt an seiner Industrie- und Bürgerkriegsgeschichte nicht vorbei. Besonders eindrucksvoll wurde uns dies im Black Country Living Museum nahe Birmingham vor Augen geführt. Inmitten originalgetreu wiederaufgebauter Häuser und Werkstätten tauchten wir in das Leben der Kohle- und Industrieregion des 19. und 20. Jahrhunderts ein. Eine Führung rund um eine Kohlemine, eine Bootsfahrt durch ein dunkles Tunnelsystem und sogar eine Schulstunde wie im Jahr 1912 – inklusive strenger Lehr- und Disziplinierungsmethoden – machten Geschichte greifbar. Doch nicht nur die Industriekultur prägte unseren Aufenthalt. In Worcester selbst begegnete uns Geschichte auf Schritt und Tritt. Die imposante Cathedral beeindruckte durch ihre Architektur und jahrhundertealte Tradition. Im historischen Gebäude The Commandery wurden wir mitten hinein in die Zeit des englischen Bürgerkriegs versetzt. In Kostümen und mit nachgebildeten Waffen konnten wir buchstäblich in die Rollen der Menschen jener Epoche schlüpfen – Geschichte zum Anfassen.

Zwei Personen arbeiten in einer Küche an einer Arbeitsfläche mit Schere und Reibe. Auf der Arbeitsplatte liegen Küchenutensilien, Messerblock und Schalen.

Culture – Begegnung, Bühne und englischer Alltag

Kultur zeigte sich für uns jedoch nicht nur in historischen Mauern, sondern vor allem im Miteinander. Ein besonderer Höhepunkt war der Abend im NCW Youth Club. Bei der Variety Night mit Dart, Bastelaktionen, Musik und vielen Gesprächen lernten wir uns alle noch besser kennen. Hier wurde gelacht, diskutiert und gemeinsam Zeit verbracht – gelebte interkulturelle Begegnung.

Auch der Schulalltag am New College Worcester eröffnete neue Perspektiven. Der Einblick in verschiedene Unterrichtsfächer zeigte Gemeinsamkeiten, aber auch Unterschiede zum deutschen System – und bot zahlreiche Gelegenheiten, Englisch ganz selbstverständlich im Alltag anzuwenden.

Ein kulturelles Highlight im wahrsten Sinne des Wortes war die Theateraufführung der Drama-Group. Mit großem Enthusiasmus und beeindruckendem Können brachten die Schüler*innen das Stück „Dracula“ auf die Bühne. Dass wir diese Aufführung noch erleben konnten, verdankten wir einem ungeplanten zusätzlichen Tag vor Ort. Aufgrund eines Streiks verzögerte sich unsere Rückreise. So wurde aus der Planänderung ein weiteres besonderes Erlebnis.

Die Gruppe Schüler*innen und Lehrer*innen steht vor dem Eingang von Cadbury World. Im Hintergrund sind große Werbegrafiken für Süßigkeiten an der Glasfassade zu sehen.

Cadbury – Kulinarische Entdeckungen von Cheddar bis Chocolate

Neben Kohle und Kathedrale durfte natürlich auch die süße Seite Englands nicht fehlen. In der Cadbury World erlebten wir die Geschichte der berühmten britischen Schokoladenmarke auf interaktive Weise. Vorführungen, Mitmach-Stationen, Probiermöglichkeiten und ein 4D-Kino machten den Besuch informativ und unterhaltsam zugleich – und zeigten, dass auch Industriekultur ihre genussvollen Seiten hat.

Doch nicht nur als Zuschauer*innen blieben wir aktiv. Bei einer Cooking Session am College wurden typische britische Spezialitäten selbst zubereitet. Hier wurde geschnippelt, gerührt und gebacken – internationale Teamarbeit inklusive. Kulinarisch ergänzt wurde dies durch die Einheit „Taste Around Britain“, die Ms. Molina vorbereitet hatte. Von herzhaftem Cheddar und der einzigartigen Worcestershire Sauce bis zu süßen Scones und Short Bread reichte die Bandbreite – eine geschmackliche Reise durch das Vereinigte Königreich.

Unser Austausch hat einmal mehr gezeigt, wie bereichernd internationale Begegnungen sind. Wir danken insbesondere Beatriz Molina und Ian Lythgoe, die den Austausch auf britischer Seite mit großem Engagement organisiert und begleitet haben. Unser Dank geht auch an die Stiftung der SEB-Bank, die durch ihre großzügige Spende diese Reise ermöglicht haben.

In kurzer Zeit ist eine lebendige und herzliche Verbindung entstanden, die wir unbedingt fortführen möchten. Coal, Culture, Cadbury – und vor allem Connection und Continuity. Wir freuen uns schon jetzt darauf, unsere neuen alten Freunde bald auch wieder bei uns in Marburg begrüßen zu dürfen. 

Zwei Personen mit Schürzen füllen in einer Küche Teig in Muffinförmchen. Die Förmchen stehen auf einem Backblech auf der Arbeitsfläche.

Einschätzungen der Schüler*innen:

„Ich kann jetzt Mini-Quiches machen und Schnittlauch mit der Schere schneiden.“ (Lewis)

„Die Fahrt durch die Kanaltunnel-Welt war super, aber nass.“ (Eva-Lotta)

„Die haben tolle andere Fächer wie Kochen oder Drama. Und das Essen in der dining hall war super.“ (Tiago)

„In der Commandery konnten wir historische Waffen und Kostüme aus- und anprobieren, war sehr lustig und hat für gute Stimmung gesorgt.“ (Lotta)

„Der beste Start in den Tag war das englische Frühstück.“ (Hisham)

„Das Highlight war der Cadbury-Besuch, da gab es XXL-Schokolade.“ (Tizian)