Ein Blick durch die Lupe – Unser Projekttag mit ZoomText
Heike Flach | Kurz vor Weihnachten mussten unsere 7. Klassen noch einmal richtig ran: Beim Projekttag rund um das Programm ZoomText beschäftigten sich die Schüler* innen mit Vergrößerungsbedarf einen ganzen Tag lang intensiv mit den vielfältigen Funktionen dieses Hilfsprogramms. Die übrigen Schüler*innen nahmen währenddessen an alternativen Angeboten aus den Bereichen Musik und Sport teil. Für alle Beteiligten war es ein Tag voller Aha-Erlebnisse, technischer Herausforderungen und neuer Erkenntnisse.
Die PC-Arbeit mit einer Seheinschränkung ist anstrengend und ermüdend. Der effiziente Einsatz spezieller Software kann im Alltag enorm helfen, Belastungen zu reduzieren. ZoomText ist eine spezielle Software, die den Computerbildschirm so anpasst, dass Menschen mit eingeschränktem Sehvermögen besser damit arbeiten können. Sie wird in Schule, Beruf und Alltag eingesetzt, um digitale Inhalte sichtbar, lesbar und zugänglich zu machen.
Im Mittelpunkt unseres Projekttages standen vor allem zwei Funktionen: die Bildschirmvergrößerung und der Reader, also die Vorlesefunktion. Andere Werkzeuge wie der Sucher (das ist ein Werkzeug, mit dem man gezielt nach Wörtern, Ausdrücken oder bestimmten Elementen in Dokumenten, Webseiten und E-Mails suchen, diese schnell finden und sich dabei auch navigieren lassen kann) blieben zunächst außen vor, um genügend Zeit für die Grundlagen zu haben.
Schnell wurde deutlich, dass die Arbeit mit einem Vergrößerungsprogramm Training erfordert. Verwendet man zum Beispiel einen dreifachen Zoom, wäre theoretisch eine Bildschirmfläche von drei Monitoren in der Höhe und in der Breite nötig, um alles gleichzeitig angezeigt zu bekommen. Tatsächlich erhält man also immer nur einen kleinen Ausschnitt des Bildschirms – in diesem Fall 1/9. Sich dabei ausschließlich mit der Maus zu orientieren, ist sehr herausfordernd und erfordert viel Übung. Deshalb legen wir großen Wert darauf, die Schüler* innen im Umgang mit der Tastatur zu schulen. Tastenkombinationen sparen viel Zeit, müssen aber gezielt gelernt und eingeübt werden.
Viele Schüler*innen haben bereits in der Grundschule mit einem Bildschirmlesegerät (BLG) gearbeitet. Die grundsätzlichen Abläufe sind mit ZoomText vergleichbar – nur wird hier kein Lesetisch verschoben, sondern das Sichtfeld mithilfe von Tastaturbefehlen verändert. Besonders bei der Arbeit mit Landkarten oder Abbildungen ist es wichtig, trotz Vergrößerung den Überblick zu behalten und zu wissen, wo man sich gerade befindet. ZoomText bietet dafür zahlreiche hilfreiche Funktionen, die jedoch erst kennengelernt und ausprobiert werden müssen.
Eine neue Erfahrung für alle war der Reader. Die Schüler*innen erkannten schnell, wie viel Energie das Lesen kostet, wenn man gleichzeitig scrollen und den Text erfassen muss. Der Reader kann hier eine große Entlastung bieten: Texte werden vorgelesen, während man sich stärker auf den Inhalt konzentrieren kann. Gerade mit Blick auf höhere Klassenstufen wird diese Funktion eine wertvolle Unterstützung sein. Einen festen Fahrplan gibt es bei Zoom- Text allerdings nicht. Alle Schüler*innen haben individuelle Bedürfnisse und benötigen persönliche Einstellungen. Auch damit haben wir experimentiert und gemeinsam herausgefunden, welche Anpassungen für wen sinnvoll sein könnten. So konnten unter anderem Linien verfolgt, Texte in Spalten gelesen, „Magazinseiten“ dargestellt, Geschichten vorgelesen und sogar Wimmelbilder erkundet werden.
Da diese Arbeit trotz Softwareunterstützung sehr anstrengend ist, wurde in den Pausen für das leibliche Wohl gesorgt: Tee, heiße Schokolade, Mandarinen und Erdnüsse sorgten für kleine Erholungspausen – schließlich ging es mit großen Schritten auf Weihnachten zu.
Nach sechs intensiven Stunden folgte die alles entscheidende Feedbackrunde: Was nehmt ihr heute in eurem imaginären Rucksack mit – und was kommt in den Mülleimer?
Das Ergebnis war eindeutig: Der Reader gewann und wurde von allen in den Rucksack gepackt.