Mit neuer kostenloser App können auch Sehende die Brailleschrift lernen

Eine Hand hält ein Smartphone, auf dem die Braille-Trainer App zu sehen ist.

Rudi Ullrich | Mit nur sechs tastbaren Punkten hat der 16-jährige Franzose Louis Braille blinden Menschen vor über 200 Jahren die Welt des Lesens und Schreibens eröffnet. An diese bahnbrechende Erfindung, die bis heute nichts von ihrer Bedeutung verloren hat, wird jährlich an seinem Geburtstag, dem 4. Januar, mit dem „Welt-Braille-Tag“ erinnert. Ein besonderes Geburtstagsgeschenk präsentierte 2026 die Deutsche Blindenstudienanstalt e. V. (blista). Die App „Braille-Trainer“ zum Erlernen der Blindenschrift wurde vom Hamburger Programmierer Martin Gertz entwickelt sowie in Zusammenarbeit mit dem Zentrum für Barrierefreiheit (ZfB) der blista kontinuierlich verbessert.

Das Brailleschriftalphabet mit blista Logo

„Wir möchten mit dieser App blinden und sehenden Menschen einen modernen und möglichst einfachen Zugang zur Brailleschrift ermöglichen“, sagt blista-Vorstand Patrick Temmesfeld. „Die App soll vor allem auch sehende Eltern sowie Lehrer*innen dabei unterstützen, blinden Kindern beim Erlernen der Brailleschrift zu helfen“. Die neue App ist ein weiterer Baustein einer Aufklärungskampagne für eine inklusive Gesellschaft, die unter dem Motto „Knack den Code“ besonders jüngere Menschen ansprechen soll. Botschafter ist dabei der blinde Waschbär Louis, der in kurzen Geschichten erzählt, wie er im Alltag klarkommt und – obwohl er praktisch nichts sieht – viel erlebt und Spaß hat. Die Geschichten sind in Brailleschrift gesetzt und können mithilfe eines Braille-Alphabets entschlüsselt werden. Neben diesen Angeboten kann man an der blista auch mit gedruckten Büchern das Blindenschriftlesen lernen. Vielfältige Lektüre in Voll- und Kurzschrift wartet auf neugierige Leseanfänger* innen.

Mit der Entwicklung des „Braille- Trainers“, der App zum Erlernen der Brailleschrift, begann der Hamburger Programmierer Martin Gertz bereits vor Jahren in seiner Freizeit. Auslöser war die Freundschaft eines sehenden und eines blinden Menschen. Martin Gertz wollte dem Paar eine Hilfe schaffen, damit sie sich gegenseitig Nachrichten schreiben konnten. Nachdem er sich anfangs zunächst um die Umsetzung gedruckter Buchstaben in Braille und umgekehrt gekümmert hatte, stieg er nach und nach immer tiefer in das komplexe System der sogenannten Braille-Kurzschrift, einer Art Steno-Punktschrift, ein.

Heute bietet der „Braille-Trainer – die blista-Version der App zum Erlernen der Brailleschrift“ sowohl die Möglichkeit, gedruckte Schrift in Braille als auch Braille in gedruckte Buchstaben zu übersetzen und ist in viele Lektionen unterteilt. Damit ist sie sowohl für blinde als auch für sehende Menschen gleichermaßen zum Lernen der Brailleschrift geeignet. „Durch die Zusammenarbeit mit den Expert*innen der blista konnten wir die Barrierefreiheit der App erheblich weiterentwickeln und natürlich können jetzt viel mehr Menschen von der App profitieren“, freut sich Gertz.

Ein fröhliches, grünes Waschbär-Maskottchen mit offen ausgestreckten Armen. Es trägt ein Shirt mit einem großen „L“ in Punktschrift auf dem Bauch und hat einen gestreiften Schwanz.

Bislang wurde „Braille-Trainer“ bereits über 3750 mal heruntergeladen. Die blista will mit dem Hamburger Programmierer langfristig zusammenarbeiten und die App weiter optimieren. Deshalb ist man gespannt auf die Rückmeldungen der Anwender*innen und freut sich auf Anregungen und Verbesserungsvorschläge.

Links

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Mehr Infos zur Kampagne „Knack den Code“ gibt es unter http://katalog.blista.de/louis. Hier können unter anderem auch kostenlose Info- und Übungsmaterialien für Schulklassen angefordert werden.