Begegnungen mit der KI
Jugendmedienschutz im Schuljahr 2025/2026
Heike Flach | Ein kleiner Film läuft: Man sieht einen Jugendlichen, der sich auf den Besuch seiner Freundin vorbereitet. Er steht vor dem Spiegel und stylt seine Haare, zwischendurch chattet er mit ihr. In der Küche decken seine Eltern den Tisch – gespannt, wie die Freundin wohl sein wird. In der letzten Szene sitzt diese schließlich am Tisch: ein Hologramm, das einer Manga-Figur ähnelt. Die Eltern tauschen vielsagende Blicke, der Vater kommentiert trocken: „Wenigstens kann sie nicht schwanger werden.“
So begann die digitale Schulstunde anlässlich des Safer Internet Day 2026. Die Klassenstufen 7 bis 10 waren eingeladen, am Live-Stream teilzunehmen und sich mit dem Thema „KI and me – in künstlicher Beziehung“ auseinanderzusetzen. Über 53.000 Schüler*innen aus dem deutschsprachigen Raum folgten der Einladung.
Die digitalen Schulstunden von klicksafe greifen stets aktuelle Themen auf und leben von interaktiven Elementen wie Live-Umfragen und Expert*innen-Interviews. Zwischendurch bearbeiten die Klassen kleine Aufgaben, die anschließend gemeinsam ausgewertet werden. Am Safer Internet Day 2025 wurde ein solches Format erstmals angeboten. Damals streamten die Klassen die Schulstunde direkt im Klassenraum – technisch nicht immer einfach, aber lehrreich. Um allen Teilnehmenden Zugang zu ermöglichen, wurde eine Audiodeskription integriert, die die Moderator*innen hervorragend umsetzten.
Als zu Beginn des aktuellen Schuljahres im Rahmen der „Back-to-School"-Aktion erneut eine digitale Schulstunde stattfand, verlegten wir das Format in die Aula. So konnten sich Schüler*innen unterschiedlicher Klassenstufen austauschen – ein großer Gewinn für die Diskussionen. Im Oktober drehte sich alles um Deepfakes: Woran erkennt man sie? Welche Risiken entstehen – und wie lässt sich die Technik verantwortungsvoll nutzen? Besonders spannend war hier der Blick auf den Bildungsbereich: Unterricht kann deutlich bereichert werden, wenn etwa historische Figuren scheinbar selbst auf Schülerfragen antworten. Wie so oft zeigte sich: Jede technische Entwicklung hat zwei Seiten. Sie birgt Chancen und Risiken – entscheidend bleibt, wie verantwortungsvoll der Mensch sie nutzt.
Auch der Safer Internet Day 2026 fand wieder in der Aula statt. Das diesjährige Thema war besonders sensibel: Beziehungen zur KI. Die Spanne reichte von einfachen Chatbots als Gesprächspartner bis hin zu virtuellen Partnern oder sogar Therapeuten-Ersatz. Wie komplex und emotional aufgeladen dieses Thema ist, zeigte die Stunde eindrucksvoll. Während einige Schüler*innen große Bedenken äußerten, spürte man gleichzeitig eine gewisse Faszination.
Es spricht nichts dagegen, Einsamkeit mit virtueller Begleitung zu lindern. Doch problematisch wird es, wenn echte soziale Kontakte darunter leiden und die KI zur bevorzugten „Bezugsperson“ wird. Wie immer gilt: Verantwortung und Bewusstsein in der Nutzung sind der Schlüssel.
Die Schulstunde endete mit einer offenen Diskussionsrunde zur Frage: Wie sieht Schule in ein paar Jahren aus? Die Ideen reichten von Robotern als Lehrkräfte bis hin zur Vision, dass Schule in ihrer bisherigen Form gar nicht mehr existiert. Doch schnell wurde klar: Schule ist mehr als Wissensvermittlung – sie ist auch sozialer Raum, gelebte Gemeinschaft und Ort des Austauschs. Ohne persönlichen Kontakt ginge ein wesentlicher Teil verloren. Wir stehen also an einem Punkt, an dem wir alle lernen müssen, mit den neuen Möglichkeiten verantwortungsvoll umzugehen und Schule an manchen Stellen neu zu denken.
Auch für die Unterstufe gab es in diesem Schuljahr wieder spannende Angebote. Nach den Kennenlernwochen fand für die 5. Klasse ein Aktionstag zum Thema Klassenchat statt. Es zeigt sich deutlich: Das Smartphone ist mittlerweile selbstverständlicher Begleiter – und auch KI wird bereits von den Jüngsten genutzt. Am Safer Internet Day diskutierten die Klassen 5 und 6 in einer Doppelstunde ebenfalls über KI – lebhaft, kritisch und erstaunlich reflektiert. Sie spüren die Faszination der neuen Technologien, erkennen aber auch die Risiken, insbesondere wenn es um Manipulation und Betrug geht.
Die Auseinandersetzung mit künstlicher Intelligenz gehört längst zum schulischen Alltag. Diese Projekte zeigen, wie wichtig es ist, junge Menschen früh für Chancen und Grenzen digitaler Technologien zu sensibilisieren. Denn Zukunft entsteht dort, wo Wissen, Neugier und Verantwortung gemeinsam wachsen.