LPF-Seminar an der blista – Eltern stärken, Kinder fördern.

Für höhere Unabhängigkeit und selbstständigeres Handeln

Julia Elze | Eltern von Kindern im Vorschul- und Grundschulalter mit Blindheit und hochgradiger Sehbehinderung fanden sich für ein Wochenende in den Räumlichkeiten der blista zusammen, um Grundkenntnisse im Thema Lebenspraktische Fähigkeiten (kurz LPF) zu erlangen.

Auf einer Strichzeichnung sind Besteck, eine Jacke und ein Reißverschluss mit Fachbegriffen gekennzeichnet.

Supination! Laffe! Und recht individuelle Bezeichnungen der Teile eines Reißverschlusses oder Löffels. Zum LPF-Seminar in Marburg haben sich nicht nur unsere Kenntnisse über Handlungsanalysen, sondern überraschenderweise auch ganz nebenbei noch unser Wortschatz erweitert.

Der Kurs wechselte zwischen Theorie- und Praxiseinheiten: Es wurde über die Erstellung einer Handlungsanalyse informiert und sich an dieser dann von den Eltern für verschiedene Alltagsmomente – Löffeln, Reißverschluss einfädeln, Jacke anziehen z.B. – probiert. Weiterhin wurde der Theorieteil durch einen Vortrag der rbm (Rechte behinderter Menschen gGmbH) über die Finanzierung von Trainings in LPF komplettiert. 

3 Bilder:1.Zwei Menschen sitzen mit Augenbinde an einem Tisch in einer Küche und sortieren Besteck und Kunststoffteile.2.Zwei Hände sortieren Geld auf einer blauen Matte auf einem Tisch. 3. Eine Frau sitzt mit Augenbinde an einem Tisch und schneidet Obst.

Der Schwerpunkt im Praxisteil lag darin,

  • uns deutlich zu machen, wie anstrengend jede kleine Handlung sein kann, wenn man sie sich wegen fehlender visueller Wahrnehmung stets kognitiv erschließen muss,
  • uns dafür zu sensibilisieren, wie sehr ein geordneter (Arbeits) Platz und Strukturierung die Durchführung von Handlungen vereinfachen kann,
  • und auch einfach die Ausführung verschiedener Handlungen ohne visuelle Wahrnehmung auszuprobieren (bspw. Unterscheidung von Geld).

Was ich persönlich mitgenommen habe: Mehr Verständnis und daraus entstehend mehr Geduld, wenn wieder einmal eine (scheinbar einfache) Tätigkeit deutlich länger dauert. Eine Ahnung um die tatsächliche Komplexität schnell einmal (im wortwörtlichen Sinne) abgeguckter Handlungsabläufe. Ein kleiner Beginn von Wissen, wie systematisch und detailliert Handlungsbeschreibungen durchgeführt werden müssen, um erfolgreich umgesetzt werden zu können. Und auch ein bisschen Erleichterung, dass vieles tatsächlich so komplex ist, dass professionelle Hilfe in Anspruch genommen werden darf.

Die Inhalte des Seminars sind direkt im Alltag ein- und umsetzbar, so dass eine Teilnahme sehr zu empfehlen ist.

Wir danken dem Team der blista um Dr. Hecker von Herzen für die Durchführung dieses mit hohem Personalaufwand verbundenen Seminars, der Bereitschaft des Teams für die Arbeit am Wochenende, die Geduld, den Humor und den fachlichen und persönlichen Austausch!

Dieser Text erschien in der Vereinszeitschrift der Bundesvereinigung Eltern blinder und sehbehinderter Kinder e. V. (BEBSK e.V.) „Die Lupe“ 3/2025. Wir bedanken uns für die freundliche Abdruckgenehmigung.