Buchtipp Krimi: Ich töte, wen ich will – Fabio Stassi

Cover des Buches

Auch bei diesem Krimi ist der Klappentext zunächst sehr hilfreich: „Vince Corso hat einen ungewöhnlichen Beruf – er ist Bibliotherapeut, leistet Lebenshilfe durch Buchempfehlungen – durchaus erfolgreich. Eines Tages findet er seine kleine Behausung in der römischen Via Merulana verwüstet vor, Bücher und Platten verstreut und zerstört, sein Hund vergiftet. Gibt es da eine Verbindung zur grausamen Mordserie, die Rom erschüttert – Untaten, die immer dann geschehen, wenn Vince in der Nähe ist? Was hat es mit dem geheimnisvollen Blinden auf sich, der ihm ständig über den Weg läuft? Vince verfolgt eine Spur, und steht schon bald selbst unter Verdacht, während die Grenze zwischen Realität und Fiktion verschwimmt. Großartig erzählte Hochspannung …“

 Gut, so ein Klappentext ist ja im Prinzip so, als würde man sich selber auf die Schulter klopfen. Meine Wenigkeit würde sagen, gut erzählt – aber Hochspannung? Beim Lesen habe ich eher gedacht: Ein etwas aus der Zeit gefallener Krimi, wie ein Fiebertraum. Rom 2016, durchgeknallte, mörderische Blinde, die versuchen, Literatur zur Realität werden zu lassen. Eine Sekte, die die Welt hasst und sich gegen selbige verschworen hat, und unser bibliophiler Vince schlafwandelt mitten hinein in sein Unglück, schreibt ständig Briefe an seinen unbekannten Vater und schickt sie an das Hotel, in dem er vor Jahrzehnten zufällig gezeugt wurde, um so sein Trauma zu bekämpfen, einen Vater zu haben, den er nie kennenlernen durfte. Seinem blinden Gegenspieler macht hingegen das genaue Gegenteil zu schaffen. Er hat einen Vater, den er aber unbedingt loswerden will. Mörderische Blinde, Sekten, Treffen in Katakomben, Weltliteratur, die als Vorlage zur Inszenierung von Morden dient, um die Welt aus den Fugen zu heben. Da fragt man sich, geht es nicht eine Nummer kleiner? Sorry, in der Literatur ist ja so manches erlaubt, fast alles – aber will ich all das wirklich lesen? Die entscheidende Frage, die sich dem Kenner stellt, ist doch: Sind das nicht alles Auswüchse der inklusiven Beschulung, der Abschaffung von guten Förderschulen in Italien? Blinde, die beschäftigungslos in der Ewigen Stadt rumlungern, ohne einer Erwerbsarbeit nachzugehen, da ohne vernünftigen Schulabschluss? Klar, wenn man den ganzen Tag Zeit hat, dass man da auch schon einmal auf dumme Gedanken kommen kann. Entweder ich werde immer ungnädiger oder ich bin zu unkonzentriert und habe die Tiefe des Buches nicht verstanden. Irgendwie war mir da zu viel Literatur drin – schön zu lesen, aber anscheinend mag ich es einfacher, direkter. Da lob´ ich mir doch Andreas Gruber, Todesfrist. Ein schnödes Kinderbuch dient in diesem Thriller dem Täter als grausame Inspiration. Spannung, Splatter, kein literarischer Anspruch – hat mich unterhalten. Ich werde wohl langsam alt.